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So einmalig schön ist das Fuchsbau-Festival

Lehrte So einmalig schön ist das Fuchsbau-Festival

Die Mischung ist wohl einmalig: Auf dem Fuchsbau-Festival bei Lehrte kommen politischer Diskurs, Tanz, Musik und Kunst erstaunlich unproblematisch zusammen. Während die rund 2.500 Besucher über Foucault oder das digitale Zeitalter diskutieren, erklingt draußen elektronische Musik. 

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Quelle: Isabel Machado Rios

Lehrte. Als auf der Hauptbühne die Bässe einsetzen, verliert Eva Illouz den Faden. “Das ist aber laut hier“, beklagt sie sich. “Draußen tanzen Menschen“, ist Konrad Sillers trockene Antwort. Draußen ist das Fuchsbau Festival mit elektronischer Musik. Drinnen ist dasselbe Festival mit einem wissenschaftlichen Diskurs über die Liebe im digitalen Zeitalter.

Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem und wurde vor einigen Jahren von der Wochenzeitung “Die Zeit“ in eine Reihe von zwölf Intellektuellen gewählt, die wahrscheinlich das Denken der Zukunft verändern werden. Moderator Siller arbeitet für die Strategie-Abteilung im Goethe-Institut. Die beiden haben vor mehr als 500 gebannt zuhörenden Festivalgästen ihr Zeitfenster überzogen, deshalb ist es draußen jetzt laut.

Illouz nimmt sich dennoch Zeit, die Publikumsfrage zu beantworten, welchen lebenspraktischen Rat sie aus ihrer Analyse ableite, zwischenmenschliche Kontakte seien immer mehr den Gesetzen eines Marktes unterworfen: “Solange wir an der fast religiösen Idee des perfekten Partners in der romantischer Liebe festhalten, werden wir wohl unglücklich bleiben.“

Gespräche, Musik und eine entspannte Atmosphäre - die schönsten Bilder zum Fuchsbau-Festival in Immensen 2017.

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Damit verabschiedet sie ihr zumeist junges Publikum in eine Nacht voll von Musik und Tanz, Kunst, Film und Diskurs auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei in Lehrte, auf dem seit 30 Jahren unter dem Namen Zytanien alternative Lebensweisen erprobt werden. Zum sechsten Mal präsentiert dort das Fuchsbau Festival ein Wochenende lang ein interdisziplinäres Experimentierfeld für zeitgenössische Kultur.

Die Mischung ist so wohl einmalig: Das Festival ist Think Tank, Labor, Bestandsaufnahme, Akademie und hedonistische Party zugleich. Diesmal lautet seine Forschungsfrage: Was passiert durch die Digitalisierung mit Kollektiven und Individuen? In einer Atmosphäre größtmöglicher Neugier und Offenheit passen Hannah Arendt und Michel Foucault erstaunlich unproblematisch neben Kunst mit künstlicher Intelligenz, Kapitalismuskritik, partizipative Tanzperformances und anspruchsvolle Licht- und Bühnenkonzepte. Die präsentierten Facetten elektronischer Musik überraschen immer wieder: Sie reichen vom feinen Zirpen und weißen Rauschen über hypnotische Klanglandschaften, Neue Musik und minimalistischen Tastenpop bis hin zu stampfenden Technorhythmen.

„Uns geht es darum, Künstler und Denker zusammenzubringen, die man in Hannover sonst nicht erleben könnte", erklärt Luna Ali ihre Motivation. Sie leitet das Festival von Anfang an als Teil eines sechsköpfigen Kernteams. Alle Initiatoren kommen aus Hannover – gefunden haben sie sich vor vielen Jahren am Jungen Schauspiel.

Für ihre Festivalvision arbeiten sie rund um das Jahr, weitgehend ehrenamtlich. Dass der kalte Dauerregen, der den Freitag prägt, am Samstag irgendwann nachlässt, sorgt bei allen für Erleichterung. Ali ist begeistert von ihrem hartnäckigen Publikum: 2.500 Besucher lassen sich auch ohne laue Sommernächte mit aller Leidenschaft und Konzentration auf ihre Angebote ein. Mit dieser Jugend ist zu rechnen.

Thomas Kaestle

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