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Kein Tornado, sondern eine Orkanböe

Lehrte Kein Tornado, sondern eine Orkanböe

Anwohner sprachen von einer Windhose, Experten vermuteten dann einen Tornado. Doch das, was unlängst über einen Bereich in der Mitte Immensens hereingebrochen ist und enorme Schäden verursacht hat, war vermutlich ein sogenannter Downburst - eine extrem starke Sturmböe.

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Nicht ein Tornado, sondern vermutlich eine orkanartige Böe hat diesen alten Obstbaum auf einer Wiese in Immensen gefällt.

Quelle: Achim Gückel

Immensen. Die Sache hatte nur wenige Minuten gedauert. Wie ein Hammerschlag traf der Wind an jenem Freitag, 18. November, die alten Hofstellen nördlich der Bauernstraße, hob Dächer an, zerstörte Ziegel und riss sogar Scheunentore aus ihren Verankerungen. Mittlerweile sind mehrere Einfahrten zu den teils nicht mehr bewohnten Hofstellen abgesperrt. Schilder warnen vor Einsturzgefahr. Derart heftig hatte der Sturm insbesondere an den teils mehr als 100 Jahre alten Scheunen geruckelt.

Mittlerweile haben Experten des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg das Wetterphänomen aus Immensen näher untersucht. Alle Erkenntnisse sprächen dafür, dass es sich dabei um einen sogenannten Downburst gehandelt habe - eine sehr starke Sturmböe.

Die Meteorologen aus Hamburg haben sich nicht nur Radarbilder, sondern insbesondere Fotos angesehen, die ihnen diese Zeitung zur Verfügung gestellt hat. "Nach ersten Auswertungen ergibt sich die Einschätzung, dass die Schäden an den Dächern durch Sogeffekte entstanden sind", meint Experte Frank Böttcher.

Bäume seien zum Beispiel linear zur Windrichtung gefallen und nicht wie infolge eines Tornados in verschiedene Richtungen. Hinweise auf Wirbel seien nicht zu erkennen, meint Böttcher. Er und sein Kollege Kent Heinemann sprechen aber auch davon, dass sie nur eine "Fernerkennung" der Sturmschäden gemacht hätten. "Aber einen Downburst gibt es viel öfter als man denkt und vor allem deutlich häufiger als einen Tornado", sagt Heinemann.

Ein Downburst entsteht im Zusammenhang mit einer Gewitterfront, in der sehr kalte Luft in Höhen von bis zu 6000 Meter auf milde Luft am Boden trifft. Dann komme es zu heftigen Auf- und Abwinden, die mitunter Orkanstärke erreichten und nur sehr kurze Zeit andauerten, sagt Heinemann. Der Experte vergleicht den Vorgang mit einer Autobahn zwischen den Luftmassen. Auf der Schneise entstehe ein Wind, der enorme Stärke erreiche und große Sogkraft entwickele, welcher die alten Dächer an den Scheunen möglicherweise nicht gewachsen waren. Das alles gehe stets mit einem sehr starken Regenschauer einher - so wie an jenem Freitagmorgen in der Mitte von Immensen.

Von Achim Gückel

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