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Tafel erlebt neuen Ansturm von Flüchtlingen

Lehrte Tafel erlebt neuen Ansturm von Flüchtlingen

Die Flüchtlingskrise macht sich auch bei der Lehrter Tafel deutlich bemerkbar. Innerhalb von zwei Jahren hat sich dort die Zahl der zu versorgenden Asylsuchenden vervierfacht. Der steigende bürokratische Aufwand bedeutet eine zusätzliche Belastung für die ehrenamtlichen Mitarbeiter.

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Lebensmittelausgabe bei der Tafel: Jutta Beyer hilft Flüchtlingen beim Einpacken des Gemüses.

Quelle: Katja Eggers

Lehrte. Die Tafel steckt in einem Umbruch. „Es gibt starke Veränderungen“, bestätigt die stellvertretende Vorsitzende Marion Glaß. Die Zahlen sprechen denn auch für sich: Waren 2013 noch 21 Flüchtlingsfamilien bei der Tafel registriert, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 51 und in diesem Jahr auf 100 Familien - eine Vervierfachung innerhalb von zwei Jahren.

„Flüchtlinge machen bei uns jetzt rund ein Drittel aus, vorher waren es nur fünf oder sechs Prozent“, zieht Glaß Bilanz. Sie rechnet damit, dass auch die rund 40 Sudanesen, die nun an der Manskestraße untergekommen sind, bald zu ihren Gästen gehören werden. Insgesamt betreut die Tafel derzeit wöchentlich 331 Familien mit insgesamt 781 Personen. Der Großteil der Asylbewerber kommt aus dem Irak und Syrien, aber es gibt auch viele kurdische Familien.

Mit den Lebensmitteln an sich gebe es keine Probleme, sagt Glaß. Die Flüchtlinge wollten zwar nur Weißbrot, doch das sei aufgrund der 40 Geschäfte, die wöchentlich angefahren werden, sowie dem Austausch mit anderen Tafeln meist ausreichend vorhanden. „Das können wir gut abpuffern“, sagt Glaß.

Gut gingen bei muslimischen Flüchtlingen auch Leinsamen, Müsli, Haferflocken, Käse, Milchprodukte und natürlich Obst und Gemüse - Tofu und Wurst hingegen fast gar nicht. „Die meisten fragen dann: Mit Schwein? Das kennen alle“, sagt Glaß und schmunzelt. Süßigkeiten dagegen lieben alle. Fleisch wird aus Hygienegründen grundsätzlich nicht ausgegeben.

Eine Herausforderung seien die Registrierungen. Derzeit wechselten einige, die eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben, vom Asylbewerber zum Hartz-IV-Empfänger. „Das ist ein großer bürokratischer Aufwand“, verdeutlicht der Tafel-Vorsitzende Hans-Gerhard Schölzel. Zudem gebe es sprachliche Probleme. Eine Mitarbeiterin absolviere deshalb gerade eigens einen Englischkurs.

Auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seien bei vielen Flüchtlingen noch nicht so ausgeprägt. Wenn sie viermal nicht zur Ausgabe gekommen seien, würden sie aus dem Register gestrichen - und müssten wieder neu registriert werden, wenn sie wiederkämen. Mit leeren Händen weggeschickt wird aber niemand: Dann gibt es zur Überbrückung ein Notpaket.

Alle Infos auf einen Blick

Seit Kurzem hat die Lehrter Tafel die eigene Internetseite, lehrter-tafel.de, und ist auch im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Hintergrund dafür ist die neue Eigenständigkeit, sagt der Vorsitzende Hans-Gerhard Schölzel. Seit Januar läuft die Tafel nicht mehr unter der Regie des DRK Lehrte, auf dessen Homepage sie bis dahin vertreten war, sondern als eigenständiger Verein. Die Internetseite gibt einen Überblick über die Öffnungszeiten, Aktionen, Spender und Sponsoren und einen Kontakt für potenzielle Helfer. „Wir brauchen Nachwuchs, 90 Prozent unserer 70 Helfer sind Rentner“, sagt Schölzel. Ferner ist dort auch das Merkblatt zur Lebensmittelausgabe veröffentlicht, wer berechtigter Empfänger ist und wie die Registrierung funktioniert.

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