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Mitreißende Show begeistert im Forum

Lehrte Mitreißende Show begeistert im Forum

Die berühmten Worte „Willkommen! Bienvenue! Welcome“ als Entreé in das Berliner Nachtleben der dreißiger Jahre gab es auch beim Musical „Cabaret“ von John Kander und Fred Ebb im gut besuchten Kurt-Hirschfeld Forum zu Beginn zu hören.

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Sexy und schrill präsentieren sich die Revue-Girls um den Conférencier (Alexander Prosek) des Kit-Kat-Club.

Quelle: Susanne Hanke

Lehrte. Das Musical von Fred Ebb, John Kander und Joe Masteroff wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Im November 1966 wurde das Stück in New York uraufgeführt. Spätestens seit der Verfilmung 1972 gehört Cabaret zum klassischen Musicalrepertoire und wurde weltweit aufgeführt. Und dennoch lässt sich eine erschreckende Aktualität nicht abstreiten. Das Thema Rechtsextremismus ist noch immer beziehungsweise schon wieder hochbrisant und aktuell.

Auch in lehrte wurden die Zuschauer schnell in die Zeit Ende der 20er Jahre versetzt. Herrlich verrucht umschwirrten leicht bekleidete Damen den schwarzgewandeten Conférencier wie Motten das Licht.

Dem sehr frivolen Auftakt folgten auch romantische und aufwühlende Szenen. Die Liebesgeschichte zwischen dem amerikanischen Schriftsteller Cliff und der exzentrischen Sally, die als Sängerin im zwielichtigen Kit-Kat-Klub auftritt, entwickelte sich zwischen politischen Umwälzungen, spielte mit Moral und Erotik.

Maskenhaft geschminkt und mit arroganter Pose beeindruckte Alexander Prosek als Conférencier in Perfektion. Auch blieb er sich in seiner Rolle treu, als er im erotischen Spiel mit zwei Damen in Unterhosen und Strumpfhaltern da stand. Ebenso musste sich Judith Bloch als Sally in ihrer Rolle standhaft zeigen. Denn ein Versprecher drohte sie aus der Bahn zu werfen, aber das Publikum lachte mit ihr mit und so wurde aus „die Tür kommt herein“ wieder „die Tür geht auf, ein Mann kommt herein“.

Mitten in die Leichtigkeit schlich sich dann jedoch die rote Armbinde mit Hakenkreuz. Wurden zuvor noch romantische Gefühle geweckt durch die schüchterne Annäherung des jüdischen Obsthändlers an das ältliche Fräulein Schulz, zeigte Armbindenträger Ernst Ludwig seine rassistische Gesinnung ganz offen. Dabei wurde es für einen Moment ganz still auf Bühne. So erlebte das Publikum ein Wechselbad der Gefühle. Schrille Akzente dagegen setzten die Szenen mit dem Conferenciér und den Kit-Kat Girls. Glamour und laszive Posen wechselten mit Tragik und Rassismus.

Die vom Ragtime und Jazz inspirierten Nummern Kanders wurden gekonnt aufgespielt. Unklar bleib jedoch, warum die Liedtexte in einer zweisprachigen Mischung von Englisch und Deutsch gesungen wurden. Diese etwas gewöhnungsbedürftige Interpretation lenkte jedoch nicht von der Leistung der Darsteller ab und bescherte den Zuschauern einen genussvollen Abend für Auge und Ohren.

Die mitreißende Show mit großartigen Sängern und Schauspielern des Theaters für Niedersachsen kam beim Publikum in Lehrte gut an. Zum Schluss gab es viel Applaus.

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Schriftsteller Clifford Bradshaw (Tim Müller) und Revuegirl Sally Bowles (Judith Bloch) finden zueinander.

Quelle: Susanne Hanke

Von susanne Hanke

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