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Turnhallen sind kein Tabu mehr

Lehrte Turnhallen sind kein Tabu mehr

Es wird eng in Lehrte: Die Unterbringung von immer mehr Flüchtlingen sprengt langsam die Kapazitätsgrenzen. Selbst Turnhallen zu belegen sei kein Tabu mehr, kündigte Bürgermeister Klaus Sidortschuk während einer Aktuellen Stunde im Rat an.

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Mithilfe eines Buchstabenspiels lernen Flüchtlinge die ersten Worte in Deutsch.

Quelle: Privat

Lehrte. Rund 500 Asylsuchende leben bereits in Lehrte. Bis Januar sind weitere 250 angekündigt - doch dafür gibt es nach heutigem Stand nicht genug Unterbringungsmöglichkeiten. „Abhängig vom Zulauf müssen wir eventuell auch Turnhallen in Beschlag nehmen“, sagte Sidortschuk. Eine Containeranlage für 44 Menschen in der Parkstraße ist schon geplant. Die Sammelunterkunft in der Manskestraße mit 60 Plätzen sei bald belegt und die neue Obdachlosenunterkunft in der Nordstraße mit ebenfalls 60 Plätzen werde frühestens im Dezember fertig. Sogar Trennwände und Betten hat die Stadt aufgrund der langen Lieferzeiten schon bestellt.

Im Rathaus bindet die Flüchtlingskrise viel Personal und Geld. Sieben Mitarbeiter beschäftigen sich nur noch mit der Unterbringung, für fünf weitere gibt es noch Bedarf. „Meine Mitarbeiter laufen an der roten Kante, irgendwann platzt der Motor“, beschrieb Sidortschuk die Lage. 600 000 Euro Personalkosten gehen nur auf dieses Konto, dazu kommen noch allein 100.000 Euro für Sprachkurse und Sprachlernklassen. „Auf Dauer können wir das nicht alleine finanzieren.“ Auch eine Willkommenskultur reiche nicht mehr aus - auf Dauer sei eine neue Integrationskultur gefragt.

Angesichts der dramatischen Zahlen appellierte SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann an Wohnungsbesitzer, freie Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Auch er befürchtet, dass Notmaßnahmen nicht mehr auszuschließen seien. Er erinnerte an die Lehrter Erklärung, die 550 Personen, Vereine und Einrichtungen unterschrieben haben, bei der Integration von Flüchtlingen mitzuhelfen. Mut mache ihm, dass jetzt sogar schon länger in Lehrte lebende Flüchtlinge Neuankömmlinge unterstützten.

Streit gab es um den Antrag der Gruppe CDU-FDP-Piraten, einen Migrationsrat zu gründen. Dieser sei wegen des bestehenden Netzwerkes „Lehrte hilft“ überflüssig (siehe Kasten unten), sagte Wiechmann. Auch Grünen-Chef Ronald Schütz war verstimmt: „Damit verlassen Sie die Gemeinsamkeit der Lehrter Resolution. Das Thema eignet sich aber nicht zur Profilierung, sondern nur für Konsens.“

CDU-Chef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens zog den Antrag deshalb zurück und betonte, dass die Gruppe nicht am Netzwerk vorbei arbeiten und weiterhin an einem Strang mit allen Beteiligten ziehen wolle.

Netzwerk-Homepage hat täglich bis zu 500 Klicks

Im Flüchtlingsnetzwerk „Lehrte hilft“ sind das DRK, die Kirchengemeinden Matthäus, ?St. Petri und Markus sowie der Sportverein Yurdumspor vertreten. Es hat das Montags-Cafe als Treffpunkt für Flüchtlinge und Unterstützer etabliert, unterstützt in Alltagsfragen, organisiert kostenlose Sprach-, Computer-, Schwimm- und Sportkurse, eine Fahrradwerkstatt sowie einen Stammtisch, aus dem sich bereits ein Kochkurs für Männer und ein Handwerkerteam gebildet haben. Auch ein virtuelles Kaufhaus und ein Stellenmarkt für Helfer auf der Homepage Lehrte hilft – die täglich bis zu 500-mal aufgerufen wird – gehören dazu. „Bei uns geht Integration durch Mitarbeit“, sagt DRK-Vorsitzender Achim Rüter, der das Netzwerk federführend betreut. Ein Migrationsrat als weiteres Gremium, wie von CDU-FDP-Piraten angeregt, sei damit überflüssig. Allerdings wünsche er sich mehr Geld für hauptamtliche Mitarbeiter – auch bei Hilfsorganisationen.

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