Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Umfrage führt aufs Abstellgleis

Lehrte Umfrage führt aufs Abstellgleis

Komplizierte Bedienung, fehlerhafte Software, mangelnde Information der Öffentlichkeit: Die Lehrter Bürgerinitiative MegaLeise hat die Online-Bürgerbeteiligung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) zum Lärm an Schienenstrecken als bürgerfeindlich kritisiert.

Voriger Artikel
Am Wasserturm entstehen Parkplätze
Nächster Artikel
Laienspieler bieten Theater zum Anfassen

Die Stadt Lehrte ist von Schienen durchzogen. Auch in der Kernstadt wie hier an der Kreuzung Berliner Allee/Germaniastraße, rauschen stündlich mehrere Personen- und Güterzüge durch.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. In der Online-Umfrage können Anwohner im Internet auf der Seite laermaktionsplanung-schiene.de die Orte an Eisenbahnstrecken angeben, an denen sie sich durch Schienenlärm belästigt fühlen. Die Ergebnisse sollen in die Lärmaktionsplanung des Bundes einfließen. „Die Bürgerbeteiligung wurde aber offenkundig unter Vermeidung der Öffentlichkeit gestartet“, moniert Initiativensprecher Maik Reiß. Er habe erst aus dem Anzeiger davon erfahren.

Die Bedienung sei zäh, kompliziert und überfordere insbesondere ältere Mitbürger. Frei nach dem Motto „gut gemeint, aber schlecht gemacht“. „Selbst auf einem 30 MBit-Internetzugang ist die Bedienung reine Glücksache“, sagt Reiß. „Es entsteht der Eindruck, eine Benutzung sei eher unerwünscht.“ Viele Anwohner in Ahlten hätten deshalb entnervt aufgegeben. Bundesweit sind bislang rund 14 500 Hinweise eingegangen, davon 84 aus Lehrte und 16 aus Sehnde.

Zudem seien die Datenabfragen über den Kartendienst OpenStreetMap fehlerhaft. Tatsächlich wurde etwa ein Eintrag für Ahlten unter „Panoramaweg, Hildesheim“ verortet. Darüber hinaus bezweifelt MegaLeise, dass eine ausschließliche Mitwirkung über das Internet dem Sinn des Bundes-Immissionsschutzgesetz entspreche. „Das hätte alles bürgerfreundlicher sein müssen“, resümiert Reiß. Die BI fordert deshalb, die Softwareprobleme zu beheben und die Bürgerbeteiligung zu verlängern.

Moritz Huckebrink, Sprecher des Eisenbahnbundesamtes, weist die Kritik zurück. Seine Behörde habe die Aktion über Verbände, den Städtetag und Gemeindebund bekannt gemacht. Die Stadt Lehrte hat allerdings erst vom Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim von der Online-Umfrage erfahren. Die jetzige Bestandsaufnahme sei ein Pilotprojekt. Maßnahmen könne man daraus nicht ableiten. Erst 2018 müsse laut Gesetz erstmals ein Lärmaktionsplan erstellt werden.

Wer sich noch beteiligen will, muss sich sputen: Die Frist läuft am Dienstag, 30. Juni, ab. Wer kein Internet hat, kann sich an das Eisenbahn-Bundesamt, Heinemannstraße 6, 53175 Bonn, Stichwort: Lärmaktionsplanung, wenden.

Vom Megahub zum Lärmplan

Die Bürgerinitiative (BI) MegaLeise Lehrte hat sich Ende April wegen des geplanten Baus des Megahubs bei Ahlten gegründet. Der Kern besteht aus zwölf Mitgliedern, und die Internetseite megaleise.wordpress.com hat bereits mehr als 50 Abonnenten. Treffen fänden meist zu bestimmten Anlässen statt, sagt Sprecher Maik Reiß. Der Lärmaktionsplan sei ein weiteres Betätigungsfeld. Während der Einspruchsfrist gegen den Megahub habe man 2000 Aufrufe an einem Wochenende gezählt, und Hunderte hätten das Einspruchsschreiben heruntergeladen. In Ahlten sei man bereits gut vernetzt, doch erhoffe man sich mehr Resonanz aus der Kernstadt. Das Problem sei, dass sich viele Lehrter schon an den Eisenbahnlärm gewöhnt hätten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Digitales Daumenkino: So wächst das Parkhaus

Das Parkhaus in Lehrte wächst zusehends. Woche für Woche macht HAZ-Redakteur Achim Gückel ein Foto des Baus aus derselben Perspektive. Daraus entsteht ein digitales Daumenkino.