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Wolf am Stadtpark: Verdacht erhärtet sich

Lehrte Wolf am Stadtpark: Verdacht erhärtet sich

Ein toter Rehbock mit Bissspuren am Hals: Der Verdacht, dass sich im April ein Wolf ganz in der Nähe der Lehrter Kernstadt aufgehalten hat, erhärtet sich. Fachleute haben sich den am sogenannten Hohnhorst-Grabeland gefundenen Kadaver angesehen. Sie meinen, die Verletzungen deuteten auf Wolfsbisse hin.

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Dichte Sträucher und Büsche: In diesem Bereich am Rand des früheren Grabelandes vor der Hohnhorst wurde das verendete Reh gefunden.

Quelle: Achim Gückel

Lehrte. Insbesondere die Abstände der sogenannten Hauptperforationen der Bisse (3,5 bis 4 Zentimeter) könnten durch die Fangzähne eines Wolfes erfolgt sein, heißt es in dem tiermedizinischen Bericht aus dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), der nun vorliegt. Jagdpächter Andreas Eckerlin hatte den Bericht unlängst erhalten. Auch der Lehrter CDU-Landtagsabgeordnete Hans Joachim-Deneke Jöhrens, selbst promovierter Landwirt und Jäger, hat sich der Angelegenheit mittlerweile angenommen. "Der Wolf war also möglicherweise mitten unter uns Lehrtern", schreibt er in einer Stellungnahme. Der Vorgang mit dem toten Rehbock berge daher "besondere Brisanz".

Der tote Rehbock war am 24. April am Rand des alten Grabelands in Verlängerung des Stadtparks entdeckt worden. Das zu diesem Zeitpunkt möglicherweise schon mehrere Tage tote Tier lag in einem Brombeergebüsch. Von dort aus sind die nächsten Wohnhäuser kaum 100 Meter entfernt, auch Stadtpark, Friedhof und die Sportanlagen des FC Lehrte sind von dort nicht weit.

Zunächst stellte die Polizei das tote Reh sicher, dann kümmerte sich Eckerlin um den Kadaver und übergab ihn dem Laves zur Untersuchung. Die Experten kommen nun in ihrem mehrseitigen Bericht zu dem Schluss, dass tatsächlich ein Wolf den Rehbock gerissen haben könnte.

Dazu passen würde nach Ansicht Eckerlins auch eine weitere mögliche Wolfssichtung in dem Zeitraum um den 24. April. Ein Anwohner hatte am Ostrand der Kernstadt, unweit der Everner Straße, aus weiter Entfernung ein Tier gesehen, dass er für einen Wolf hielt und dieses der Polizei gemeldet. Ebenfalls zu dieser Zeit gab es Wolfssichtungen bei Müllingen (Sehnde) und Ingeln-Oesselse (Laatzen).

Eckerlin betont, dass der Kadaver des Rehbocks wohl schon einige Zeit am Rand des Grabelands gelegen hatte, bevor er entdeckt wurde: "Aber es war damals noch sehr kühles Wetter, und das Tier noch entsprechend gut erhalten. Die Verwesung hatte noch nicht eingesetzt." Der Jagdpächter spricht von deutlichen Bissspuren an einer Keule des Rehs. Dass der erwachsene Bock eines natürlichen Todes gestorben uns erst dann angebissen worden sein könnte, sei unwahrscheinlich. Denn das Tier habe sich vor seinem Tod "in guter körperlicher Verfassung" befunden, sagt Eckerlin. Das bestätige nun auch der Expertenbericht.

Eckerlin ist verwundert darüber, dass sich möglicherweise ein Wolf so dicht an eine geschlossene Wohnbebauung heran begeben hat. "Eigentlich halten die sich von Menschen fern", sagt er. Deneke-Jöhrens macht die Sache mit dem Wolf, der möglicherweise direkt neben der Kernstadt herumgelaufen ist, indes erhebliche Sorgen. Er weist darauf hin, dass sich direkt neben dem Gabeland, auf der Streuobstweise am Hohnhorstweg, auch ein Hundeauslauf befindet. Und nebenan hielten die Hobbygärtner auf dem neuen Grabeland Schafe. Auch Schwimmbad, Tennisplätze und eine Kita seien nicht allzu weit vom Fundort des toten Rehbocks entfernt.

Wolfsberater: Es könnte auch ein Hund gewesen sein

Eine absolute Sicherheit, dass es ein Wolf war, der den Rehbock am Rand Lehrtes gerissen hat, wird es nicht geben. Dazu müsste eine DNA-Untersuchung am Kadaver des Tiers her, für die es jetzt aber zu spät ist. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) kann solch eine Expertise nicht anfertigen. Das könne gesichert und behördlich abgesegnet in Deutschland ohnehin nur eine Stelle, sagt Thomas Behling, der in der Region Hannover als Wolfsbearbeiter tätig ist - und zwar das Senckenberg-Institut in Gelnhausen (Hessen).

Behling meint, es sei ebenso gut möglich, dass ein frei laufender Hund den Rehbock gerissen haben könnte. Die nachgewiesenen Abstände der Fangzähne bei den Halswunden des Tieres müssten nicht zwangsläufig von einem Wolfsbiss herrühren. Für unmöglich hält es Behling aber auch nicht, dass ein Wolf am Rand Lehrtes entlang gezogen und den Rehbock gerissen hat. "Wölfe meiden Menschen. Aber bei ihren langen Zügen können sie durchaus in die Nähe von Siedlungen kommen", sagt der Fachmann, der im Hauptberuf Förster bei den Landesforsten ist.

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