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Viel Lob fürs beheizte Außenbecken

Arpke Viel Lob fürs beheizte Außenbecken

Sommerzeit ist Badezeit, will man einen kühlen Kopf bewahren an heißen Tagen. Darum sind wir reingesprungen in unsere Freibäder. Und haben dort Menschen getroffen, die ihrer Badeanstalt in besonderer Weise verbunden sind. Heute: Karin Ringleb-Schulz im Waldbad Arpke.

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Stammgäste: Marlies Lutter (von links) und Birgit Thöne aus Dollbergen sowie Marita Schulz aus Schwüblingsen.

Quelle: Achim Gückel

Arpke. Damals, als ihre Tochter noch kein Jahr alt war, fing es an. Jeden Morgen, wenn die Kleine noch schlummerte, setzte sich Karin Ringleb-Schulz im Bademantel auf ihr Rad und fuhr zum Waldbad. Fix ein paar Bahnen ziehen und dann schnell nach Hause, bevor die Kleine aufwacht. 40 Jahre ist das her, längst hat Ringleb-Schulz Enkelkinder. Doch eines hat sich für sie nicht geändert: Die Arpkerin fährt im Sommer sieben Tage in der Woche zum Waldbad. Stets um viertel vor sechs. Meist ist sie dann die erste aus der eingeschworenen Schar der Frühschwimmer. In aller Ruhe zieht die 63-Jährige dann ihre 20 Bahnen im Arpker Waldbad. Und das wirke „wie Massage für die Seele“, sagt sie.

Diese Ruhe, diese Idylle, dieses familiäre Umfeld. Das sei es, was das Arpker Waldbad ausmacht, sagt die Arpkerin. In der Tat scheint es in der Badeanstalt zwischen den Bäumen des Hainhoop etwas beschaulicher zuzugehen als in anderen Freibädern. Selbst wenn die Frühschwimmer längst wieder zu Hause sind und Kinder, Jugendliche und Familien lautstark das Bad bevölkern, geht dieser Charme nicht verloren. Und wer behauptet, das Waldbad versprühe die Aura jener Zeit, als es gebaut wurde, nämlich der Fünfzigerjahre, der erntet hier eher ein Lächeln als ein Naserümpfen. Die Arpker lieben ihr Bad. So wie es ist. Die zwölf Umkleiden ohne Beleuchtung und mit knarzenden Holztüren. Die nicht kleinen Duschräume. Das Mini-Kassenhäuschen. „Wir mögen diesen Charme. Das ist doch wunderschön. Und das soll so bleiben“, sagt Ringleb-Schulz. Gebaut wurde das Arpker Waldbad anno 1954. Christoph Dannheim, Chef eines Handwerksbetriebs im Dorf, ließ es errichten. „Er wollte den Arpkern etwas Gutes tun“, sagt Ringleb-Schulz. Bei der Gebietsreform 1974 fiel das Bad an die Stadt Lehrte – mit der Auflage, es zu erhalten. Seither achten viele Arpker mit Argusaugen darauf, was mit ihrem Waldbad passiert.

Vor einigen Jahren gab es einen Förderverein, dessen Vorsitz Klaus Schulz übernahm, Ehemann von Karin Ringleb-Schulz und Ortsbürgermeister in Arpke. Als Lehrtes Bäder in eine GmbH überführt wurden, löste der Verein sich auf. Eine GmbH darf keinen Förderverein haben. Doch das Engagement für das Waldbad ist weiterhin groß. Ein Kreis von Aktivisten hat in diesem Frühjahr Arbeiten an den Grünanlagen erledigt. Er würde noch mehr tun, wenn es die Bestimmungen zuließen, meint Ringleb-Schulz. Und dass es jetzt dreimal hintereinander eine holprige Saisoneröffnung gab – einmal wegen einer kaputten Umwälzpumpe, einmal wegen Rissen im Bassin und einmal wegen Verzögerungen bei Handwerkerarbeiten – macht die Waldbadfreunde alles andere als glücklich. Das Bad werde ein wenig stiefmütterlich behandelt, meint auch Ringleb-Schulz und fügt entschieden hinzu: „Wir Arpker kämpfen für unser Waldbad, wenn es nötig ist.“ Vor allem aber geht es am Hainhoop familiär zu. „Guten Morgen Marita, du hast noch Schaum im Haar“, ruft Ringleb-Schulz einer Dame zu. Marita Schulz stammt aus Schwüblingsen und gehört zu den ältesten Stammgästen. Sie sei schon vor 55 Jahren hier gewesen, sagt sie.

Stammgäste sind vor allem die Frühschwimmer. Jene eingeschworene Truppe von knapp 30 Leuten, die sich allmorgendlich trifft, ein Maskottchen hat (ein Plastikfrosch namens Gerry), zum Saisonende stets eine Mottoparty macht (dieses Jahr: Flower-Power) und zu dessen Kreis auch Kurt Dreyer gehört, der gern über Gerry und das Waldbad kleine Gedichte verfasst. Karin Ringleb-Schulz liebt all das. Es gehört zu ihrem Leben wie der vertraute Plausch am Rand des Schwimmbeckens. Und dass sie seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen nur noch als Rückenschwimmerin unterwegs ist, stört sie kaum: „Legen Sie sich mal hier auf das Wasser, blicken Sie in den Himmel und gleiten Sie dahin. Besser geht’s nicht.“

Von Achim Gückel

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