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Flüchtlingskurse: Ein Viertel sind Analphabeten

Lehrte Flüchtlingskurse: Ein Viertel sind Analphabeten

Nach dem Abebben der Flüchtlingswelle hat die Volkshochschule (VHS) Ostkreis Hannover bei ihren Deutschkursen eine erste Bilanz gezogen: In den vergangenen acht Monaten hat die Einrichtung 37 zusätzliche Kurse für 580 Flüchtlinge organisiert. Auffälligstes Merkmal: Rund ein Viertel davon waren Analphabeten - vor allem Frauen.

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Elke Vaihinger, Leiterin der Volkshochschule Ostkreis Hannover, und ihr Team haben in acht Monaten fast 600 Flüchtlinge in Deutschkursen geschult.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Normalerweise bietet die VHS in ihrem Programm zehn Deutschkurse mit 80 Teilnehmern an - in den vergangenen acht Monaten waren es dagegen 47 Kurse mit 660 Teilnehmern. Zur Zeit der großen Flüchtlingswelle im Herbst sei alles "etwas chaotisch" verlaufen, sagt VHS-Leiterin Elke Vaihinger: "Da war das Frustrationspotenzial auf beiden Seiten groß." Viele Flüchtlinge kannten keine feste Struktur mit festen Terminen. Mithilfe von Sozialarbeitern sowie der Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Asylbewerbern habe sich dies jetzt jedoch entspannt. "Das war ein großer Lernprozess." Wichtig sei der soziale Aspekt der Deutschkurse: Dort hätten die Teilnehmer einen festen Ansprechpartner, auch Freundschaften hätten sich schon entwickelt.

Eine große Herausforderung sei die Alphabetisierung von Flüchtlingen. Rund ein Viertel könne nicht schreiben und lesen - auch nicht in ihrer Muttersprache. Betroffen seien vor allem Frauen, sehr oft ältere. In ihren Heimatländern sei Bildung für Frauen oftmals schlicht nicht vorgesehen. Auf der anderen Seite gebe es Mut machende Erfolge: Eine junge Iranerin in Lehrte habe sich so ins Zeug gelegt, dass sie jetzt die Voraussetzungen für einen Einbürgerungskurs geschafft habe.

Das Deutsch-Angebot der VHS gliedert sich in fünf Sparten: Integrationskurse, die außer Deutschunterricht auch Schulung in allgemeiner Lebenspraxis vorsehen und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert werden. Zweite Säule sind die Deutschkurse der Bundesagentur für Arbeit, dritte Säule Deutschkurse, die die Städte und Gemeinden bezahlt haben. Vierte Sparte ist die Sprachförderung des Landes, fünfte Sparte sind die VHS-Kurse selbst - die allerdings als einzige auch selbst bezahlt werden müssen.

Von Oliver Kühn

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