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Warum dieser Sieg für die Feuerwehren so wichtig ist

Lehrte gewinnt "Feuerwehr-Oscar" Warum dieser Sieg für die Feuerwehren so wichtig ist

Die Freiwillige Feuerwehr Lehrte hat am Freitagabend den „Feuerwehr-Oscar“ gewonnen. Die Anerkennung als beste Feuerwehr Deutschlands tut gut in schwierigen Zeiten. Es könnte helfen, die Leistungen der Retter öffentlich zu machen.

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Für die Lehrter Feuerwehr sind Einsätze auf der Autobahn Routine. Die Ehrenamtlichen müssen oft zu schweren Unfällen auf die A 2 ausrücken.

Quelle: Geofrey May

Lehrte. Im Grunde war es ein Einsatz, wie die Lehrter Feuerwehr ihn schon oft gehabt hat: Ein Lkw-Fahrer verunglückt auf der Autobahn 2, ist in seinem Führerhaus eingeschlossen und schwer verletzt. Doch dass dieser Einsatz am 12. April vergangenen Jahres für die Freiwilligen der Feuerwehr Lehrte noch ein glückliches Ereignis zur Folge haben würde, hätte wohl niemand gedacht. Denn Freitagabend wurde die Lehrter Feuerwehr in Ulm mit dem Conrad Dietrich Magirus Award geehrt, sozusagen dem Oscar der deutschen Feuerwehrwelt. Neben der goldenen Trophäe bekamen die freiwilligen Feuerwehrkräfte eine Reise nach New York, bei der sie das legendäre Fire Department von New York City kennenlernen werden. Und ausschlaggebend für den Sieg war die Teamarbeit, mit der die Feuerwehr an jenem Tag im April dem eingeklemmten Fahrer das Leben rettete.

Am Stauende eines vorangegangenen Unfalls sind bei Lehrte-Hämelerwald vier Lastwagen aufeinander gefahren.

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„Ich finde es toll, dass dieses herausragende Beispiel für Teamarbeit so gewürdigt wird“, sagt der Chef von Hannovers Berufsfeuerwehr, Claus Lange. Er ist überzeugt, dass der Preis nicht nur Strahlkraft nach innen hat, sondern auch zur Attraktivität der Freiwilligen Feuerwehr bei potenziellen Ehrenamtlichen beiträgt, um die sich die Freiwilligen Feuerwehren verstärkt bemühen müssen.

Rund 200 Ortsfeuerwehren kümmern sich in den 20 Städten und Gemeinden der Region um die Bekämpfung von Bränden, die Rettung von Menschen und Tieren und um technische Hilfeleistung. Je nach Bedeutung und Ausstattung der Feuerwehr müssen sie mindestens 22 bis 42 ständig rufbereite Mitglieder haben. Doch das wird immer schwieriger. „Freiwillige zu motivieren, 24 Stunden einsatzbereit zu sein, ist für viele Wehren ein Problem“, sagt Lange. Denn Berufsleben, Familie und Ehrenamt so zu organisieren, dass auch noch Freizeit übrig bleibt, fällt oft schwer.

„Viele wissen gar nicht, was die Feuerwehr tut“

Dazu kommt die abnehmende Bereitschaft der Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter für Einsätze freizustellen. „Dabei haben die Arbeitgeber auch etwas davon“, sagt Lange. Wer sich bei der Feuerwehr engagiere, besitze ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Einsatzbereitschaft. „Diese Leute sind im Berufsalltag spärlich gesät.“

Die Politik kann nach Langes Auffassung in diesen Bereichen nur wenig helfen. „Freiwillige Feuerwehr muss innerhalb der Kommune gelebt werden“, sagt er. „Viele Leute wissen gar nicht so genau, was die Freiwillige Feuerwehr eigentlich tut.“ Ihr Dienst werde oft als Selbstverständlichkeit betrachtet.

Alles andere als selbstverständlich aber war der Einsatz der Lehrter an jenem Apriltag. Dafür nun gab es den Preis, der seit 2012 vom Unternehmen Magirus verliehen wird, das vor allem Feuerwehrfahrzeuge herstellt. Ihr Gründer, Conrad Dietrich Magirus, gilt als einer der Mitbegründer des Freiwilligen Feuerwehrwesens in Deutschland. Beworben hatten sich auch in diesem Jahr mehrere Hundert freiwillige Feuerwehren aus dem ganzen Bundesgebiet. Lehrte bewarb sich mit der Rettung des Lkw-Fahrers.

Erfolg mit speziellem Einsatzkonzept

Als die Feuerwehr gegen 13.15 Uhr den Unfallort zwischen Hämelerwald und Lehrte-Ost erreicht, gleicht der Autobahnabschnitt einem Trümmerfeld. Gut 30 Zentimeter hoch ist die Schicht aus Pellets und Autoteilen, die sich auf allen drei Spuren verteilt. Mittendrin steht der beladene Lkw, dessen Fahrerkabine sich auf dem Auflieger des vorausgefahrenen Lastwagens verkeilt hat und völlig eingedrückt ist. Der schwer verletzte Fahrer sitzt noch hinter dem Steuer, unfähig, sich selbst zu befreien.

Die Feuerwehrleute warten jedoch nicht, bis die Verstärkung mit dem Schwerlastkran aus Hannover eintrifft. Stattdessen fahren sie mit zwei nahezu baugleichen Hilfeleistungsfahrzeugen auf beiden Seiten an die Kabine heran. Normalerweise schneidet die Feuerwehr immer erst die Tür auf, hinter der der Verletzte sitzt. Doch die Lehrter wollten wertvolle Zeit sparen und brechen daher beide Türen mit einem Spreizer gleichzeitig auf. Dann drücken sie die gesamte Fahrerkabine mit einem Rettungszylinder nach vorn und können durch die beiden geöffneten Türen Teile der Konsole ausbauen. Nun kommen mehrere hydraulische Zylinder zu Einsatz, um das deformierte Wrack aufzubiegen. Die ganze Aktion dauert 45 Minuten. Als der Rüsttrupp aus Hannover mit dem Kran eintrifft, ist der verletzte Fahrer schon befreit.

Die Ehrung dafür kommt für Hannovers Feuerwehrchef Lange gerade recht. Schließlich könnte er helfen, die Leistungen der Retter öffentlich zu machen. „Tue Gutes und rede darüber“, sagt Lange. Das Gefühl, etwas zu tun, was bedeutsam ist, sei eine wichtige Triebfeder bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen. Und da kann Anerkennung nicht schaden - wie mit dem „Feuerwehr-Oscar“.

Von Isabel Christian

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