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Explosion: Vier Jahre Haft für Brandstifter

Lehrte Explosion: Vier Jahre Haft für Brandstifter

Vier Jahre Haft wegen schwerer Brandstiftung: Dieses Urteil hat das Landgericht Hildesheim am Mittwoch gegen einen 39-jährigen Lehrter verhängt. Der Mann hatte im Dezember 2014 eine Gasexplosion in einem Eckhaus an der Burgdorfer Straße ausgelöst. Sein Motiv nach Ansicht der Richter: Rache am Vermieter.

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Das Landgericht Hildesheim verurteilt einen 39-jährigen Lehrter wegen schwerer Brandstiftung zu vier Jahren Haft.

Quelle: Uli Deck

Lehrte/Hildesheim. Die schwere Explosion in der Woche vor Weihnachten hatte die halbe Innenstadt erschüttert. Die Detonation war derart stark, dass die Wände des Eckhauses regelrecht nach außen gedrückt wurden und sich das Dach anhob. Es gab Feuer im Dachgeschoss, das erst kurz zuvor sanierte Gebäude galt als Totalschaden und wurde später abgerissen.

Auslöser für die Explosion waren nach Überzeugung des Gerichts Zündeleien des 39-Jährigen, bei denen der Mann sehr ungewöhnlich vorging. Er trieb Hohlräume in Wände, platzierte dort Brandbeschleuniger und zündete diese an - mit der Absicht, das Haus in Brand zu setzen. Zu dieser Erkenntnis waren Gutachter gekommen, die während des Prozesses aussagten.

Die Urteilsfindung war für das Gericht nicht leicht. Dass der 39-Jährige zwingend eine Gasexplosion herbeiführen wollte, lasse sich aus den Zündeleien nicht zweifelsfrei schließen, sagte ein Gerichtssprecher. In seinen Aussagen vor Gericht habe der Mann auch stets beteuert, er habe nicht bewusst das Gas entzündet. Wohl aber habe er angegeben, dass er die kleine Flamme an seiner Gastherme wegen eines defekten Zünders oft per Hand entzündet habe. Dazu sei es notwendig gewesen, die Gaszufuhr aufzudrehen.

Die Gutachter schilderten den Sachverhalt dem Gericht schließlich so: Der 39-Jährige hatte gezündelt, um in der Wohnung Feuer zu legen, während aus dem offenen Hahn an der Therme Gas strömte. Dadurch detonierte das Gas-Luft-Gemisch. Mithin liege ein Fall von schwerer Brandstiftung vor - und nicht von "Herbeiführen einer Explosion", wie es noch in der Anklageschrift stand.

Dem 39-Jährigen hielt das Gericht zugute, dass er keine Menschen bewusst zu Schaden kommen lassen wollte. Er habe nach der Detonation auch umgehend die anderen Bewohner des Hauses gewarnt.

Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei der Brandstiftung um einen Racheakt des 39-Jährigen. Der Mann habe den Eigentümer des Hauses schädigen wollen, mit dem er schon seit längerer Zeit Ärger hatte. Unter anderem habe der Brandstifter nur unregelmäßig seine Miete gezahlt, sagte der Sprecher. Es habe auch Beschwerden von Nachbarn gegeben, unter anderem wegen Ruhestörung. Der Vermieter habe dem 39-Jährigen schon einige Zeit vor dem Unglück im Dezember 2014 gekündigt gehabt. Eine Räumungsklage habe es aber noch nicht gegeben. Gutachter hatten den 39-Jährigen während des Prozesses auch psychiatrisch begutachtet und ihn als voll schuldfähig eingestuft.

Unmittelbar nach dem Urteil gab es indes starke Kritik von seiten der Familie des Mannes. Diese bezweifelt unter anderem die Angaben der Gutachter mit den Hohlräumen in den Wänden und bemängelt, das Gericht habe weitere fachliche Gutachten nicht gehört. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision noch möglich.

Von Achim Gückel

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