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Tornado zieht über Lehrte-Immensen hinweg

Windhose in der Region Hannover Tornado zieht über Lehrte-Immensen hinweg

Ein schwerer Sturm ist am Freitagmorgen über den Lehrter Ortsteil Immensen hinweggefegt. Zahlreiche Häuser, darunter mehrere alte Scheunen an der Bauernstraße, wurden erheblich beschädigt. Verletzt wurde niemand. Anwohner sprechen von einer Windhose, Wetterexperten halten einen Tornado für möglich.

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Eine Windhose ist am Freitag über Immensen hinweg gezogen.

Quelle: Achim Gückel

Immensen. Das ganze dauerte am Freitag gegen 7.30 Uhr nur wenige Minuten, doch die Auswirkungen waren enorm. Auf der Nordseite der Bauernstraße im altern Dorfkern gab es nach ersten Schätzungen an mehr als einem Dutzend Häuser und Scheunen erhebliche Schäden.

"Die Dachziegel wurden nur so durch die Luft gewirbelt", sagte eine Anwohnerin. Mehrere Dächer wurden teilweise abgedeckt, Fensterscheiben gingen zu Bruch, Bäume wurden abgeknickt. Sogar ein massives, mehrere Zentner schweres Scheunentor wurde aus den Angeln gerissen und quer über einen Hof gewirbelt.

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Fotostrecke Lehrte: Tornado beschädigt viele Gebäude in Immensen

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Auf dem Hof Heineke wurde ein komplettes Vordach zerstört, dessen Abdeckung in Fetzen gerissen. Bruchstücke wirbelten durch die Luft, prallten auf die Fassade des Wohnhauses und zerschlugen dort mehrere Fenster. Ein zerborstenes Teil des Vordachs fand sich später im Geäst einer alten Eiche wieder, mehr als 12 Meter über dem Erdboden. Herabstürzende Ziegel beschädigten auch Autos, Gartenmöbel und ein Wohnmobil. Der enorm heftige Regen, der mit dem Sturm einherging, ließ außerdem eine Rohrleitung unter dem Hof bersten.

Wie durch ein Wunder wurde kein Anwohner verletzt. Dabei mag eine Rolle spielen, dass einige der sehr großen Hofstellen nördlich der Bauernstraße mittlerweile unbewohnt sind. Viele aktive landwirtschaftliche Betriebe gibt es in diesem Teil Immensens nicht mehr.

Der Bereich in Immensen, in dem der heftige Sturmwind die Zerstörungen anrichtete, ist verhältnismäßig klein. Er liegt nördlich der Bauerstraße und erstreckt sich dort von Ost nach West über wenige hundert Meter. Schon an der Durchgangsstraße selbst und südlich von ihr gab es keine nennenswerten Schäden. Dort steht auch die St.-Antonius-Kirche, bei der erst vor wenigen Tagen die Renovierungsarbeiten begonnen haben. Das Gotteshaus ist mit einem Gerüst und großen Planen versehen, welche allesamt unbeschädigt blieben.

Kurz nach dem Sturm rückten Einsatzkräfte der Immensen Ortsfeuerwehr sowie die Lehrter Feuerwehr mit ihrem Leiterwagen an. Die Helfer sicherten mehrere Dächer und sperrten Hofeinfahrten ab, weil lockere Dachziegel drohten, von den Scheunen zu fallen. Schon gegen 9.30 Uhr nahmen auch Dachdecker ihre Arbeit auf.

Anwohner meinen nun, dass manche der Gebäude und Scheunen jetzt vollständig neu gedeckt werden müssen. Zunächst könnten aber Planen gespannt werden, damit kein Regen hinein gelangt. Geschehe das nicht, sei so manche der derzeit nicht mehr genutzten Scheunen möglicherweise bald abrissreif.

Für die Höhe des Schadens gibt es noch keine Schätzungen. Er dürfte jedoch Zehntausende von Euro betragen.

Experten haben "rotierende Zellen" auf dem Radar

Für die Immenser stand schnell fest: Es war eine Windhose, die über Teile ihres Dorfs gezogen ist. Experten des Instituts für Wetter und Kommunikation in Hamburg äußern sich differenzierter: "Das war ein massiver Sturm mit Spitzen um die 110 Kilometer pro Stunde", bestätigt Frank Böttcher, Direktor des Instituts. Möglicherweise handelte es sich dabei sogar um einen lokalen Tornado. "Das Wetterfeld war konfus", sagt Böttcher. Ein anderer Experte des Insituts bestätigt , dass es "rotierende Zellen auf dem Radar" gegeben habe. Diese seien Typisch für einen Tornado. Die Auswertungen dauerten aber noch an.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Dorf von einem Unwetter heftig getroffen wurde: Vor drei Jahren zog ein Hagelsturm über die Region Hannover und traf neben Arpke, Sievershausen, Hämelerwald und Sehnde auch Immensen besonders stark.

Anwohner sind schockiert

Der Schock über den schweren Sturm in Immensen und die Schäden, die er angerichtet hat, sitzt tieft. Karina Tiffert etwa wohnt in einem Gebäude auf dem Hof Heineke an der Bauernstraße und hat die Sache am Freitagmorgen mit eigenen Augen beobachtet. Die Luft habe sich zu einem Wirbel geformt und "sich bei uns einmal durch den ganzen Hof bewegt", sagt sie. Ihre ersten Empfindungen seien "pure Panik" gewesen.

Kurz darauf seien auch schon die ersten Ziegel vom Dach gefallen, ein Scheunentor abgerissen, ein Vordach zerfetzt und Fensterscheiben zertrümmert worden. All das habe aber nur Augenblicke gedauert und sei nach wenigen Minuten ganz vorbei gewesen. Schon zwei Stunden später kann Tiffert schon wieder tief durchatmen. Zum Glück sei niemandem etwas passiert, sagt sie.

Eine andere Augenzeugin, zwei Hofstellen weiter, spricht davon, dass auf ihrem Grundstück "die Dachsteine durch die Luft gewirbelt wurden". Wenn zu diesem Zeitpunkt jemand auf dem Hof gewesen wäre, hätte das böse enden können, meint sie. Auch Stunden nach dem Sturm sei es noch gefährlich, sich den Dachüberständen zu nähern. Jeden Moment könne dort noch ein geborstener Ziegel herabstürzen.

Karina Tifferts Bruder Christian ist indes aus Sievershausen herangeeilt, um die Schäden zu dokumentieren. "Das muss ich für die Versicherung machen", sagt er und meint, das möglicherweise mehrere Scheunen - und Hausdächer komplett erneuert werden müssen.

Das bestätigen auch auch andere Augezeugen. Sie haben gesehen, wie Bereiche der großen Dächer während des Sturms regelrecht angehoben wurden und dann wieder auf die Dachsparren knallten. Immensens Ortsbrandmeister Rainer Fricke meint, die Dächer seien wohl nicht von unten her, sondern vielmehr durch eine Sogwirkung von oben angehoben worden. Das spräche in der Tat für einen Tornado.

Von Achim Gückel und Frerk Schenker

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