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Wochenmarkt bleibt an Matthäuskirche

Lehrte Wochenmarkt bleibt an Matthäuskirche

Nach zwei Sitzungen und ausführlichen Diskussionen hat der Bauausschuss am Montagabend endgültig eine Verlegung des Lehrter Wochenmarkts an die Zuckerpassage abgelehnt. An die Burgdorfer Straße aber, wie von der Politik favorisiert, will der Betreiber nicht. An der Matthäuskirche sei die Zukunft aber ungewiss.

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Der Standort für den Wochenmarkt bleibt wie bisher an der Matthäuskirche.

Quelle: Kühn

Lehrte. Die Enttäuschung war dem Betreiber des Lehrter Wochenmarkts nach der Entscheidung anzusehen. „Die Zuckerpassage wäre ein idealer Standort“, sagte Jörn Böttcher, Geschäftsführer der Attraktiven Wochenmärkte, einer 100-prozentigen Tochter des Großmarkts Hannover. Man müsse dorthin, wo die Menschen seien - und das sei in Lehrtes neuer Mitte am Zuckerzentrum. Das sehe auch die große Mehrheit der Händler so, die dort ihre einzige Überlebenschance sähen. An der Burgdorfer Straße reiche zum einen die Kundenfrequenz nicht aus, zum anderen könne man lokalen Handel nicht mit einem wöchentlichen Markttag stützen oder beleben.

Böttcher malte ein düsteres Zukunftsbild: „An der Matthäuskirche geht es vielleicht noch zwei Jahre gut.“ Die Entwicklung der Wochenmärkte sei ohnehin rückläufig. „Wir haben ein Händlersterben, und Nachfolger gibt es kaum noch.“ Jedes Jahr würden 3 bis 5 Prozent der Händler aufgeben. Dazu komme die Konkurrenz der Supermärkte und der großen Wochenmärkte in der Region.

Der Bauausschuss zeigte sich davon unbeeindruckt. Ronald Schütz (Grüne) warf dem Betreiber vor, sich nicht zu bewegen: „Beide Standorte leben vom Prinzip Hoffnung.“ Es fehle eine Bedarfsanalyse, etwa wer zum Markt geht und wie er dort hinkommt. Auch ein späterer Beginn sei nie erörtert worden. Armin Hapke (CDU) berief sich auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das den Standort Burgdorfer Straße präferiert. Auch Fraktionskollege Peter Düe fragte, warum die Stadt Zehntausende Euro in eine Verlegung investieren solle, wenn es den Markt womöglich bald ohnehin nicht mehr geben werde.

Lediglich Hans-Egon Seffers (SPD) war anderer Meinung: „Ich könnte dem Standortwechsel etwas abgewinnen.“ Der Markt im Alten Dorf liege abseits, wer aus den Ortschaften komme, müsse gezielt dort hinfahren und sich für weitere Einkäufe noch mal ins Auto setzen.

Marktbetreiber: Wollten Investitionskosten senken

Die Entscheidung des Bauausschusses nagt auch an Michael Riebe, Prokurist der Attraktiven Wochenmärkte: „Wir bedauern die Ablehnung.“ Bei dem Vorstoß für eine Verlegung sei es allein um die Zukunftssicherung des Markts und gegen den Abwärtstrend gegangen. „Ich habe den Eindruck, dass das bei der Diskussion aber nicht im Vordergrund stand.“ Ganz habe man die Hoffnung noch nicht aufgegeben und wolle die Entscheidung des Rates am nächsten Mittwoch abwarten. Schade finde er, dass die vom Ausschuss geforderten Nachbesserungen nicht mehr zur Sprache gekommen seien. Etwa die Stromanschlüsse. Man habe neue Pläne mit drei statt vier Energiesäulen vorgelegt, die die Investitionskosten für die Stadt von 60.000 auf 40.000 Euro gesenkt hätten. Und von einer Marktbedarfsanalyse, wie sie Ronald Schütz (Grüne) forderte, sei nie die Rede gewesen.

Kommentar: Dilemma ist kaum lösbar

Lehrte steckt in einem Dilemma. Die Markthändler wollen nicht an die Burgdorfer Straße. Einen späteren Beginn, wie von vielen Kunden gewünscht, haben sie aber auch nicht angeboten. Die Zuckerpassage wiederum ist der Politik nicht recht – warum eigentlich nicht? Weil sie den Handel an der Burgdorfer Straße schützen will. Aber das birgt die Gefahr, dass es in absehbarer Zukunft womöglich überhaupt keinen Wochenmarkt mehr gibt. Die Stadt dagegen hätte sich mit der Zuckerpassage anfreunden können, selbst Anlieger wie die Volksbank hatten keine grundsätzlichen Bedenken. Hoffentlich ist jetzt nicht eine Chance vertan. Eine Lösung wird jedenfalls schwierig.

Von Oliver Kühn

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