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Zytanien-Festival begeistert 2000 Besucher

Lehrte Zytanien-Festival begeistert 2000 Besucher

Livemusik von Rock bis Reggae und Barfußtanzen vor der Bühne: Beim 29. Zytanien-Festival haben rund 2000 Besucher ein buntes Programm auf dem alten Ziegelei-Gelände zwischen Lehrte und Immensen genossen. Das "Woodstock des Nordens" nennt man das gemütliche Festival 25 Kilometer südöstlich von Hannover.

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Zu später Stunde chillten die Festivalbesucher am Lagerfeuer.

Quelle: Katja Eggers

Immensen. Entspannte Reggaeklänge wabern über die Wiese. „Zytanien, geht’s euch gut?“, ruft Jonas Baumeister, Sänger der Roots-Reggae-Band Coffee, ins Publikum. Die Menge antwortet mit einem lang gezogenen „Jaaaa“ und reckt die Arme in die Höhe.

Vor der Bühne wird barfuß getanzt. Ein Rollstuhlfahrer steuert sein Elektrogefährt im Takt der Musik vor und zurück. Pärchen knutschen. Seifenblasen steigen auf. Zwei Mädchen machen Selfies mit dem Handy. Jungs jonglieren mit Bällen und Keulen. In der Weltraumhalle findet ein Polka-Tanzkurs statt, in Ongolito Ville legen DJs Elektro auf – all das ist Zytanien. „Oh, hier gibt’s ja auch Kondome“, ruft der Coffee-Sänger. Vor der Bühne verteilt Thomas Tschirner von der Suchtberatungsstelle Lehrte (Drobel) im grünen Kondomkostüm Präservative. „Puh, ich schwitze in dem Ding ohne Ende, und Kinder halten mich für eine Gurke“, sagt er und lacht.

Livemusik von Rock bis Reggae, Polka in der Weltraumhalle und Barfußtanzen vor der Bühne: Beim Zytanien-Festival haben rund 2000 Besucher am Wochenende ein buntes Programm genossen.

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Als die Sonne untergeht, tauchen Scheinwerfer die Hauptbühne in buntes Licht. Zytanier „Dippen“ alias Christian Topf vom Veranstaltungsteam winkt lachend ab. „Beim Bühnenaufbau hat es Donnerstag total geschüttet – die Elektrostecker haben wir mit dem Fön trockengefönt“, sagt Dippen.

Das Festival ist jedes Jahr wieder eine logistische Meisterleistung. Rund 250 Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz, packen beim Auf- und Abbau der zwölf mal zehn Meter großen Hauptbühne mit an, betreuen Buden, Bars und Bands, stemmen Licht- und Tontechnik, helfen beim Einlass und als Security-Personal.

Dippen ist seit 1986 dabei. Der 50-Jährige ist einer der 18 Zytanien-Bewohner. Sohn Niklas wurde in Zytanien geboren. Der 17-Jährige kann sich vorstellen, bei der Festivalorganisation später mal in Papas Fußspuren zu treten. „Da wächst jetzt eine neue Zytanien-Generation heran“, sagt Dippen.

Auch das Festivalpublikum werde immer jünger. „Früher waren viele Ältere aus der Hausbesetzerszene dabei“, sagt Dippen. Und während auf vergangenen Festivals noch Bier, Bratwurst und Krautsalat über den Tresen gingen, werden in Zytanien heute auch asiatische, indische und vegane Speisen angeboten.

Die Musik habe sich ebenfalls verändert. „Früher gab es viel Reggae, heute will die Jugend mehr Elektro“, sagt Dippen. Wichtig ist ihm, „dass trotzdem auch immer handgemachte Musik gespielt wird“. Musiker lieben das Festival. „Das hat hier alles total viel Charme“, sagt Coffee-Keyboarder Tim Ole Heib. Die Besucher loben an Zytanien zudem „die familiäre und friedliche Atmosphäre“.

Überschattet wurde diese nach Ansicht einiger Besucher aber durch „übertriebene Polizeipräsenz“. Mehrere Zivilbeamte kontrollierten das Publikum auf illegale Drogen und achteten auf die Einhaltung des Jugendschutzes.

Von Katja Eggers

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