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Frauenberatung: Informierte Opfer sind stark

Lehrte Frauenberatung: Informierte Opfer sind stark

Trennung, Scheidung, häusliche Gewalt, Armut: Die Frauenberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Lehrte berät Frauen in allen Lebenslagen. Mit ihrem niedrigschwelligen Angebot und der Zusammenarbeit vieler Behörden gehört sie zu den Vorzeigeprojekten in der Region.

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Die Rechtsanwältin Sabine Regehr-Skopnik (links) unterstützt Frauen in der AWO-Frauenberatungsstelle in der Goethestraße, die Brigitte Mende leitet.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Die Frauenberatungsstelle ist auch für Sehnde, Burgdorf und Uetze zuständig. Von diesen Kommunen wird sie ebenso finanziell unterstützt wie von der Region Hannover, die die Stelle von Leiterin Brigitte Mende erst kürzlich von 22 auf 30 Stunden aufgestockt hat: "Das zeigt den Bedarf, aber auch unseren Erfolg", resümiert die Erziehungswissenschaftlerin.

Die Beratungsstelle existiert seit 2003, vor acht Jahren kam die Rechtsberatung hinzu - ein entscheidender Schritt. "Unsere Idee war ein niedrigschwelliges Angebot, das Frauen das Rückgrat stärkt und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt", sagt die Rechtsanwältin Sabine Regehr-Skopnik, die das Projekt mitinitiert hat: "Frauen sollen hier erst einmal Mut fassen können, es geht um eine erste rechtliche Orientierung." Für eine sogenannte Gewaltschutzanordnung etwa, die den Ex-Partner verpflichtet, Abstand zu halten, brauche man keinen Rechtsanwalt. "Das kann Frau selbst in die Hand nehmen", sagt Regehr-Skopnik, die auch Dozentin für angewandte Psychologie ist. "Denn informierte Opfer sind stark."

Viele Frauen wüssten wenig über ihre Rechte und seien gerade bei oder nach häuslicher Gewalt eingeschüchtert, weiß Mende. Mit dem großen Netzwerk im Hintergrund, zu dem etwa das Jugendamt, das Jobcenter, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lehrte und die Schuldnerberatung gehören, könne man vielen schnell weiterhelfen und Ansprechpartner, Ärzte oder Therapeuten vermitteln.

Meist geht es um praktische Dinge, die nicht so sehr das Straf-, sondern eher das Sozialrecht berührten: Wo bekomme ich finanzielle Unterstützung oder eine neue Wohnung her, wie eine Betreuung für eine alleinstehende und betagte Seniorin. Mithilfe der Frauenberatungsstelle und dem Jugendamt konnte aber auch schon eine 19-Jährige ihre Rechte gegenüber ihren Eltern einfordern. Im vergangenen Jahr hat die Beratungsstelle 337 allgemeine Beratungen und 60 Rechtsberatungen geleistet - doch die Dunkelziffer sei viel höher.

In Lehrte herrsche bei der Zusammenarbeit unter den Behörden ein "besonderes Klima", lobt Regehr-Skopnik. Etwa die Mediation mit einem Güterichter am Amtsgericht. "Das ist kürzer und günstiger als ein Gerichtsverfahren und nimmt Frauen die Angst vor Überschuldung", ergänzt Mende. Aber auch bei Cyber-Mobbing und Psychoterror in den sozialen Netzwerken oder ausbleibenden Unterhaltszahlungen könne man weiterhelfen. "Davon erzählt jede zweite Frau", sagt Mende.

Von Oliver Kühn

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