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Haft für Gewaltorgie in Flüchtlingsunterkunft

Lehrte Haft für Gewaltorgie in Flüchtlingsunterkunft

Es war eine Orgie der Gewalt in der Flüchtlingsunterkunft Am Sülterberg - versuchter Mord lautete denn auch die Anklage der Staatsanwaltschaft. Aber Mordmerkmale hat das Landgericht Hildesheim bei den beiden Angriffen eines Sudanesen auf einen Mitbewohner aus dem arabischen Raum nicht festgestellt. Die Kammer erkannte nur auf versuchten Totschlag und verurteilte den heute 27-jährigen Afrikaner zur einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

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Keine Mordmerkmale festgestellt: Deshalb hat das Landgericht Hildesheim den Sudanesen nur wegen versuchten Totschlags verurteilt.

Quelle: Rainer Dröse (Symbolfoto)

Lehrte. Der Angeklagte hatte sein Opfer im September und November 2014 attackiert. Im ersten Fall hatte er diesem mit einem Küchenmesser in die Hand gestochen und mit dem Kopf auf den Boden geschleudert, bis er bewusstlos liegenblieb. Beim zweiten Mal trat er ihn gegen den Kopf und schlug ihm eine Flasche ins Gesicht, bis diese zerbrach. Doch die Kammer habe nicht erkannt, dass er aus Heimtücke, Grausamkeit, niederen Beweggründen wie Habgier oder gar aus Mordlust gehandelt habe, sagt Gerichtssprecher Felix Muntschick.

So blieb es beim versuchten Totschlag. Dass das Opfer keine bleibenden Schäden davongetragen hat, wertete das Gericht strafmildernd. Völlig unterschiedlich hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung den Fall beurteilt: Der Staatsanwalt hatte vier Jahre und zehn Monate gefordert - die Verteidigung eine Bewährungsstrafe.

Irritationen gab es beim Prozessauftakt Ende August. Da war der Sudanese nicht erschienen - die Polizei hatte ihn aus der Flüchtlingsunterkunft in Lehrte abholen und vorführen müssen. Denn es waren trotz des schwerwiegenden Tatvorwurfs im Vorfeld weder ein Haftbefehl noch Untersuchungshaft angeordnet worden. Der Gerichtssprecher hatte das damit erklärt, dass sich seit den Taten vor knapp zwei Jahren keine Hinweise darauf ergeben hätten, dass sich der Angeklagte dem Verfahren entziehen und untertauchen wolle.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verurteilte kann noch Revision einzulegen. Dabei würde das Verfahren aber nicht neu aufgerollt, sondern lediglich das Urteil auf Formfehler überprüft.

Von Oliver Kühn

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