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Die 4. Kompanie ist 72 Stunden auf Achse

Neustadt Die 4. Kompanie ist 72 Stunden auf Achse

Mit mehr als 60 Fahrzeugen und rund 150 Soldaten hat die 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 141 bei einer dreitägigen Übung ihr Können in Sachen Landesverteidigung gezeigt. Egal, ob die Weser überquert werden oder Fahrzeuge geborgen werden mussten - stets ging es darum, in Bewegung zu bleiben.

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Auf dem Standortsübungsplatz in Luttmersen geht es noch einmal um Tarnung.

Quelle: Thomas Tschörner

Luttmersen. An der Weser in Minden sind zunächst die Soldaten der 4. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901 gefragt, die eine Brücke und eine Fähre bereitstellen müssen. Beides ist mit der Amphibie M 3 möglich, die an Land wie ein etwas plumperer Bus aussieht. Im Wasser zeigt das Fahrzeug seine wahren Qualitäten. In wenigen Minuten koppeln sich sieben Amphibien zu einer schwimmenden Brücke zusammen, drei weitere bilden eine Fähre. Die Pioniere sind gut geübt. "2016 haben wir in Polen bei der Übung Anakonda zusammen mit den Briten eine 350 Meter lange Brücke über die Weichsel in 38 Minuten gebaut", sagt Hauptmann Hendrik Rösler, der Kompanieführer. Dann rollen auch schon Fahrzeuge der ersten Marscheinheit der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 141 aus Luttmersen heran, die zuerst die Brücke für den "Wesersprung" nutzen und dann mit der jeweils zwei Fahrzeuge Platz bietenden Fähre zurückfahren.

Die Übung ist eine Vorbereitung für die sogenannte Speerspitze der Nato, die offiziell unter der Bezeichnung VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) Einheiten mit sehr hoher Einsatzbereitschaft aufstellt. Die Versorger aus Luttmersen sollen Logistik und Instandsetzung des deutschen Anteils dieser Einheit sicherstellen. Für viele Soldaten sei dies ein neuer Auftrag, sagt Major Amrei Schuster, Chefin der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 141. Denn in den vergangenen Jahren sei die Bundeswehr eine Einsatzarmee gewesen, Landesverteidigung habe praktisch keine Rolle mehr gespielt. Seit einiger Zeit sei Landes- und Bündnisverteidigung wieder verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Dies sei auch für die Bevölkerung neu, die seit Ende des Kalten Krieges kaum noch größere Truppenkontingente außerhalb von Kasernen und Übungsplätzen zu Gesicht bekommen habe. Um Verkehrsbehinderungen in Grenzen zu halten, seien die Fahrzeuge auf sechs Kolonnen aufgeteilt worden. Nicht alle dafür benötigten Fahrzeuge hatte die Kompanie selbst verfügbar, einige mussten von anderen Dienststellen "geliehen" werden. Und die Masse der Fahrzeuge verfügt im Unterschied zur Ausstattung bei Auslandseinsätzen über keinerlei Panzerschutz. An der Übung ist jedoch nur etwa die Hälfte der Kompanie beteiligt: Die in Luttmersen verbliebenen Soldaten müssen weiterhin die Versorgung der Brigade aufrecht erhalten.

Von Minden geht es weiter ins Lager Ostenholz im Süden von Bad Fallingbostel. Für die Fahrer eine Herausforderung, weil sie bei Geschwindigkeiten von 40 Kilometern pro Stunde auf der Landstraße und 60 auf der Autobahn die vorgegebenen Abstände von 50 und 100 Metern einhalten müssen. Auf dem Übungsplatz stehen diverse Stationen auf dem Programm: Tanken im Gelände direkt aus dem Tankfahrzeug, Bergen eines liegen gebliebenen Fahrzeugs, Wenden einer Kolonne, technischer Halt sowie Verteilung und Sicherung von Fahrzeugen in einem zugewiesenen Geländeabschnitt. Um Tarnen und Eigensicherung ging es auch am dritten Tag das Thema auf dem Standortübungsplatz Luttmersen.

Krönender Abschluss der Übung war ein Wettkampf zur Förderung des Teamgeistes mit schweißtreibenden Übungen wie unter anderem Tauziehen, Tragen von einem Kameraden auf einer Palette sowie Ziehen und Schieben eines Lastwagens mit Muskelkraft.

Die Kompaniechefin ist mit den Leistungen zufrieden. Die Frage sei gewesen, wo die Truppe nach 20 Jahren Einsatzdenken stehe. "Ich stelle fest, dass die Soldaten auf einem guten Ausbildungsstand sind", sagt Major Amrei Schuster. Auch wenn es bewusst einfache Aufgaben unter Anleitung gewesen seien, sei das Ausbildungsziel deutlich übertroffen worden. Jetzt könne unter erschwerten Bedingungen das Können weiter verbessert werden, etwa bei schlechter Sicht oder auf kleinen Seitenstraßen. Zudem seien es nur 72 Stunden gewesen, es habe feste Unterkünfte und Essen gegeben. Logistik brauche aber immer eine gewisse Infrastruktur, auf der grünen Wiese sei sie schwer zu betreiben. Dies sei den Kampftruppen oft nur schwer zu vermitteln. "Logistik ist nicht sexy." Die Leistungen der Versorger würden oft nicht wahrgenommen, nur dann, wenn sie nicht funktionierten.  

Einige Soldaten kaufen sich bessere Ausrüstung: Grundsätzlich stellt die Bundeswehr die Ausrüstung, die auch von der Masse der Soldaten genutzt wird. Doch nicht alle sind damit zufrieden. So kaufen sich einige bessere Stiefel, Jacken mit zusätzlichen Taschen und Rucksäcke. Damit hat es Hauptfeldwebel Igor Tissen nicht bewenden lassen. "Ich habe mir vieles beschafft, was es dienstlich nicht gibt", sagt Tissen , der mit seiner Ausstattung  eher ein Einzelfall ist. Sein Ziel sei, Kampfkraft und Durchhaltefähigkeit zu erhöhen. Dies hat er sich etwas kosten lassen. Für das Funkgerät hat er sich für 350 Euro ein Headset gekauft, um unter schwierigen Bedingungen besser hören und sprechen zu können. Weiteres Geld hat der Hauptfeldwebel für eine Weste (230 Euro), Magazintaschen (70 Euro), ein GPS-Gerät (650 Euro), Funktionstaschen (40 Euro) und ein Holster (250 Euro) investiert. Im Einsatz habe er 2008 festgestellt, dass es entweder keine GPS-Geräte gab oder sie unzuverlässig waren, nennt er einen Grund für seine Privatbeschaffung. "Deshalb habe ich beschlossen, zu investieren."

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Von Thomas Tschörner

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