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Blinder König trifft ins Schwarze

Neustadt Blinder König trifft ins Schwarze

Wie kann ein blinder Mann Schützenkönig werden? Die Königsvase der Schützengesellschaft zeugt von dieser Ehre, die einst König Georg V. zuteil wurde.

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Archivar Sebastian Post (von links) und Marcus Berning vom Team Kultur freuen sich, die historische Königsvase der Schützengesellschaft , vertreten durch Kommandeur Heiner Plinke und Ehrenhauptmann Hans-Erich Hergt, im Schloss zu zeigen.

Quelle: Susanne Doepke

Neustadt. Die Königsvase ist ein Stück Neustädter Geschichte - und findet nun ihr neues Heim im Schloss Landestrost. Das historische Stück gehört der Schützengesellschaft, die es in der Ausstellung „Erinnern für die Zukunft“, zeigt, die heute im Schloss eröffnet wird. Anschließend soll sie als Dauerleihgabe im Foyer des Schlosses ausgestellt werden.

Das Stück stammt aus königlichem Besitz, war ein Geschenk der Bürgerschaft Neustadts an König Georg V. Der Herr des Hauses Hannover war blind und trotzdem 1859 „bester Mann“, also Schützenkönig geworden. Das wurde er aufgrund einer Sitte - die ersten vier Schuss beim Wettbewerb um den Königstitel beim Schießen gebührten dem Landesherrn.

Als sein Vertreter schoss Bürgermeister Lodemann und gewann für den blinden König. Eigentlich hätte der Majestät ein Silberlöffel als Siegespreis zugestanden, doch den hatte ihm die Bürgerschaft schon 1850 für den Siegschuss des vorherigen Bürgermeisters Mühry geschenkt und wollte wohl nicht zum zweiten Mal das gleiche Präsent senden. Es wurde Geld gesammelt und in der Buckauer Porzellan-Manufaktur eine Vase bestellt, die eines Königs würdig war.

Auf dem vergoldeten Stück ist auf der einen Seite eine Ansicht der Stadt aus dem Siegesjahr, auf der Rückseite eines nach einem Merian-Stich aus dem Jahr 1654 abgebildet. Zum Dank ließ König Georg V. einen Silberpokal schicken, wie bereits bei seinem ersten Königstitel. Aus beiden Stücken wird noch heute der Umtrunk beim Herrenessen des Schützenfests gereicht. Die Vase allerdings verschwand im Fundus des Hauses Hannover, bis 2005. Welfenchef Ernst-August hatte gerade seine deutschen Besitztümer an seine Erben übertragen, die sich daran machten, das kulturelle Tafelsilber zu Geld zu machen. Mithilfe des Auktionshauses Sotheby’s wurde eine Versteigerung angesetzt, bei der auch die Neustädter Königs- vase unter den Hammer kommen sollte. Die Schützengesellschaft ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und bekam für rund 10 000 Euro den Zuschlag.

Die Königsvase fand zunächst ein Heim im Museum für Stadtgeschichte und wurde in der Bibliothek ausgestellt - bis sie dieser Tage ins Schloss umgezogen ist.

Von Susanne Döpke

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