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Ein Feriendomizil, wo einst Bunge wohnte

Neustadt Ein Feriendomizil, wo einst Bunge wohnte

Dieses Haus birgt viele Geschichten: das Bunge-Haus am Nordufer des Steinhuder Meeres. Josef Ehlert erzählt sie gern, am liebsten seinen Feriengästen. Diese darf er nun offiziell im Haus begrüßen. Nach einer Änderung des Bebauungsplans dürfen auf dem Grundstück Ferienwohnungen vermietet werden.

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Josef Ehlert hat das Bunge-Haus in Mardorf mit viel Liebe zum Detail renoviert.

Quelle: Nadine Kirst

Mardorf. Als Josef Ehlert und seine Frau Marion im Jahr 2013 das Bunge-Haus kauften, ahnten sie nichts von den vielen Besonderheiten und Geschichten, die das Haus hinter dem kunstvollen Tor am Bungeweg 1 nach und nach freigeben würde. Freilich, dass es sich um eine besondere Immobilie handelte, war dem Mardorfer Paar bewusst. Anfang der fünfziger Jahre vom Pelikan-Gründer Günther Wagner erbaut, wurde das Gebäude zunächst als Ausbildungsstätte genutzt. Nach einem Unglück im September 1963 trennte sich Wagner von dem 6000 Quadratmeter großen Anwesen. Führende Mitarbeiter waren am Nachmittag des 25. September aufs Meer hinausgefahren, ihr Boot kenterte während eines heftigen Gewitters, sechs Männer ertranken.

Das Haus wechselte den Besitzer, Aloys Bunge übernahm es. Dem Inhaber des namhaften Bekleidungshauses in Hannovers Oststadt fehlte es nicht an finanziellen Mitteln. Er baute das Haus mit seinen rund 340 Quadratmetern um und ließ es sich und seiner Familie am neuen Wohnsitz an nichts fehlen. „Bunges waren wohl recht sammelverrückt und detailverliebt“, sagt Josef Ehlert bei einer Führung durch Haus und Garten.

Den ersten Vorgeschmack auf den exklusiven Lebensstil der Familie gibt die Treppe im Eingangsbereich des Hauses: gefertigt von einem Tischler aus Rehburg nach dem Vorbild einer Schlosstreppe, das massive Eichenholz in üppige Ornamente gefasst. Ein Bildhauer aus dem Weserbergland wurde mit weiteren Verzierungen beauftragt. Der Clou: Die Treppe wurde geräuchert, nicht gestrichen. Im umgebauten, lichtdurchfluteten Eingangsbereich von heute scheint sie den Bogen zu den Ursprungsjahren des Gebäudes zu schlagen. Genauso wie Wandschränke, Türen und ein imposanter Türbogen, die Ehlert im Original erhalten hat.

Von der Terrasse des Hauses bietet sich ein herrlicher Blick gen Süden aufs Steinhuder Meer, über den aufwendig angelegten Garten mit Teich und den reetgedeckten Pavillon. Ob Aloys Bunge ihn tatsächlich seiner Frau Waltraud zur Silberhochzeit geschenkt hat, oder umgekehrt sie ihm zum 60. Geburtstag, lässt sich nicht mehr klären. Gewiss jedoch ist, dass dort rauschende Feste gefeiert wurden. Wohlig warm dürfte es dabei immer gewesen sein. Dafür sorgte die Heizung im Gartenhaus, die mit der Anlage im Haupthaus verbunden war. Auf einen stolzen Verbrauch von 17.500 Liter Heizöl haben es die Bunges in einem Jahr gebracht, wie aus alten Unterlagen hervorgeht.

Es ließe sich noch vieles berichten: über die historische Weinpresse im Garten, die Mühlenstein-Tische am Grillplatz, den riesigen Blasebalg oder den Findling vorm Haus, für den Bunge eigens ein Manöver der Bundeswehr abgewartet hatte, um ihn aus der Feldmark zu seinem Haus zu bugsieren. Bunge konnte sich das erlauben, genoss er doch in Mardorf und Umgebung großes Ansehen. Für die Jugend hatte er ein Fachwerkhaus im Mardorfer Ortskern wieder aufbauen lassen. Auch Spielmannszug, Schützen und Feuerwehr haben ihm viel zu verdanken. Der Ort dankte es ihm später mit dem Namen Aloys-Bunge-Platz. „Bunge hat sich hier verdient gemacht“, sagt Ehlert. „Es ist etwas Besonderes, sein Haus zu erhalten.“

Die neuen Besitzer führen das Bunge-Haus als Feriendomizil weiter, vier Wohnungen sind eingerichtet. „Bis dahin war es ein langer Weg“, sagt Ehlert. Acht Jahre Leerstand hatten Spuren hinterlassen. Die Eheleute haben das Gebäude saniert, Schäden beseitigt, die Gartenanlage wieder freigelegt. Die letzten offiziellen Hürden nehmen sie nun.

Neuer Bebauungsplan erlaubt Ferienwohnungen

Bevor Hausbesitzer wie Ehlert Ferienwohnungen das ganze Jahr über vermieten dürfen, bedarf es einer Änderung des Bebauungsplans. Denn die meisten Grundstücke am Nordufer des Steinhuder Meeres gelten als Wochenendgebiet. Dort allerdings ist lediglich die eigene, gelegentliche Nutzung der Häuser erlaubt, und das auch nur an maximal 180 Tagen. Ortsrat, Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss, Verwaltungsausschuss und Rat müssen der Änderung zustimmen. Im Fall des Bunge-Hauses dürfte das Ende April erledigt sein. Die Gremien werden aller Warscheinlichkeit nach eine Beschlussvorlage bewilligen, „um den Tourismus- und Erholungsstandort am Nordufer zu stärken“, wie es heißt.

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