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Vor 100 Jahren endete die Kriegsbegeisterung

Neustadt Vor 100 Jahren endete die Kriegsbegeisterung

Von wegen "Weihnachten sind wir wieder zu Hause": Vor 100 Jahren, im Frühjahr 1916, war in Europa jede Kriegsbegeisterung verflogen; auch fernab der Fronten wuchs die Not. Ein Vortrag nächste Woche beleuchtet die Lage im Raum Neustadt.

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Kinder am Neustädter Kriegerdenkmal 1914x

Quelle: privat

Neustadt. "Durchhalten bis zum Sieg" überschreibt Historiker Karl-Heinz Grotjahn das, was er über den Kriegsalltag in Hannover und seinem Umland herausgearbeitet hat. Die Fronten im Osten wie im Westen waren weit entfernt, und doch nahm die Not zu. "Es fehlte an Lebensmitteln, es fehlte an Heizmaterial", sagt Grotjahn, der neben anderem vor elf Jahren für die Reihe Garbsener Stadtgeschichte das Buch "Als geheim gebuttert wurde" verfasst hat. Sein Thema darin der Alltag im Krieg - Kinder, die mit Spielzeuggewehren das Töten übten, Frauen, die Granaten für die Front drehten, die Witwen wurden und verzweifelt versuchten, das Leben zu meistern.

Rohstoffe waren knapp, auch Pferde und Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Und doch war außerhalb der Städte zumeist noch Nahrung vorhanden. In Hannover und anderen Großstädten wuchs dagegen der Protest gegen Ungerechtigkeiten bei der Lebensmittelversorgung, gegen Wucherpreise. Trotz diverser Auflagen und Kontrollen gab es einen Schwarzmarkt. "Hamsterfahrten" führten Tausende an den Wochenenden raus aus der Stadt, um irgendwie die eigene Lebensmittelration zu erhöhen. "Viele Landwirte mussten sich gegen Vorwürfe wehren, sie behielten zuviel für sich", schildert Grotjahn die Atmosphäre zunehmenden Misstrauens.

Grotjahn spricht am Donnerstag, 7. April, 20 Uhr, im Ratskeller, auf Einladung des "Historischen Salons", der sich aktuell dem Ersten Weltkrieg als "der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" widmet. Seinem Ende 1918 folgte ein brüchiger Frieden. Nur 21 Jahre später nahm die Katastrophe eine Fortsetzung. "Auch, weil der Soldatentod heroisiert wurde", wie Hubert Brieden, einer der Initiatoren des Historischen Salons, sagt. Brieden zeichnet für den nächsten Teil der Reihe verantwortlich - einem Radioessay über "hannoverschen Heldenkult" am Montag, 9. Mai, 22 Uhr, Radio Flora, www.radioflora.de

Von Dirk von Werder

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