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Ein Nachlass findet viele Freunde

Neustadt Ein Nachlass findet viele Freunde

Was macht man mit dem Elternhaus, wenn die Eltern plötzlich nicht mehr da sind? Meike Czekalla stand vor dieser Frage viel eher, als sie gedacht hatte. Sie lud zur öffentlichen Haushaltsauflösung - das hat sich gelohnt.

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Meike Czekalla behält Erinnerungsbilder, trennt sich aber von Zylindern und Geschirr.

Quelle: PATRICIA CHADDE

Vesbeck. „Meine Eltern starben innerhalb von neun Wochen“, erinnert sich die 41jährige an die tragische Zeit vergangenen Frühjahr und Sommer. Vater und Mutter erreichten nicht mal das Rentenalter, was neben Schock und Trauer die Frage aufwarf, wie intensiv Meike Czekalla ihre eigenen Lebenszeit noch nutzen möchte. „ich habe beim Bestatter Tischlerin gelernt – eigentlich ist mir die Frage immer präsent“. Meike Czekalla hatte viel Unterstützung:
„Mein Nachbar war sehr hilfsbereit und hat immer den Rasen unseres 2000 Qudratmeter großen Grundstücks gemäht“, berichtete die gebürtige Vesbeckerin. Die gepflegte Haushälfte mit dem aufwändig gestalteten Garten war das Lebenswerk ihrer Eltern – doch für Meike Czekalla viel zu groß und zu arbeitsintensiv.

Neben dem Hausverkauf stand also auch Haushaltsauflösung auf der „to do-Liste“. Ein professioneller Händler bot für den kompletten Hausstand, vom Werkzeug über Haushaltswaren bis zu Büchern und Kinderspielzeug komplett 1800 Euro an. „Das fand ich nicht passend“, erinnert sich die Erbin an ihr Gefühl. Obgleich sie weiß, dass der emotionale Wert nicht mit Geld aufzuwiegen ist.
Mit Unterstützung ihrer Freundin Rita Preuss und vielen tatkräftigen Bekannten übernahm Meike Czekalla einfach selber die Regie und rührte im Internet kräftig die Werbetrommel.

Historisches Leinen, Steiff Tiere und alte Puppen gingen an einen hannoverschen Flohmarkthändler. Alles andere konnten Schnäppchenjäger am Sonntag ab 11 Uhr auf dem Vesbecker Hof begutachten und gleich mitnehmen. Drei Stunden war mächtig Trubel, dann flaute der Besucherstrom etwas ab. Wer also eine Neustädter Mülltonne aus den 1970er Jahren oder ein Waschbrett, Laternen oder einen Radiator suchte, wurde fündig.

Das Fahrrad von Meike Czekallas Vater nahm sich ein sportlicher Mann, der darauf umgehend Richtung Bennemühlen radelte. Zehn Minuter später stand er wieder am Gartentor und keuchte: “Ist mir zu viel Gegenwind - ich fahr lieber nach Neustadt“. Wie auch immer: Das Rad und rund 2000 Teile des Nachlasses haben jetzt neue Besitzer.
Auffallend: Nur wenige Vesbecker waren unter den Kunden. „Ich kann mir das nicht angucken, das tut zu sehr wehr“, erzählte eine Nachbarin der Eltern. Meike Czekalla konnte das verstehen, möchte aber, dass jetzt andere Menschen Freude an den Erbstücken haben und nichts achtlos im Müll landet. Was am Sonntag keinen neuen Besitzer fand, wird sie dem Burgdorfer Fairkaufhaus spenden. Vielleicht tut sich sogar eine neuer Berufszweig auf: „Viele Menschen fragten mich, ob ich nicht auch bei ihrer Haushaltsauflösung helfen könnte“. Was sie im Nachhinein interessant fand: „Ich hatte vorher rund 300 Internetanfragen zu den historischen Kommoden und Truhen, aber die sind jetzt alle übrig geblieben. Dafür hätte sie 20 Waschmaschinen verkaufen können.  „Die Sachen sind nicht weg, nur woanders“, heißt ein typischer Postkartenspruch. Für Meike Czekalla war es der richtige Weg.

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Von PATRICIA CHADDE

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