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Die hohe Kunst der Ehrenmüller

Dudensen/Steinhude Die hohe Kunst der Ehrenmüller

Schön anzusehen sind die alten Wind- und Wassermühlen in der Umgebung allemal. Doch wer beherrscht eigentlich ihre Technik? Jetzt legten sechs Ehrenmüller ihre Prüfung ab.

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Ein Müller bei der Ausbildung.

Quelle: PATRICIA CHADDE

Neustadt. Die Technik ist nicht ohne. Sechs Nachwuchsmüller, die am Sonnabend an den Windmühlen in Dudensen und Steinhude ihre Prüfung abgelegt haben, wissen davon ein Lied zu singen. Ein Jahr lang haben sie gelernt, eine Mühle auf- und wieder abzurüsten, Wind und Wetterlagen zu bewerten, Segel zu reparieren sowie das Mahlwerk zu warten. Rüdiger Hagen, an allen sanierten Mühlen der Umgebung quasi zu Hause, hat ihnen Kniffe wie Handgriffe beigebracht.

Am Sonnabend war Prüfung. Drei Mühlenvereine - Steinhude, Dudensen und Wichtringhausen - hatten ihren „Berufsnachwuchs“ geschickt, denn „irgendwer muss ja wissen, wie das Ding funktioniert“, sagt Hagen. Spätestens am nächsten Mühlentag sollen die Zeugnisse alten Handwerks wieder in den Wind gedreht werden, soll Technik wie anno dunnemals funktionieren.

Die Müller im Ehrenamt, denen Hagen am Sonnabendnachmittag zum neuen „Job“ gratulierte, werden ab Frühjahr ihren Dienst an den Schautagen antreten. Sie wissen, dass sie besondere Verantwortung tragen. „Bei Windstärke fünf liegen hier locker 60 PS auf dem Wellkopf“, sagt Hagen. Dann muss der Müller aufpassen: Nimmt der Wind zu, muss er Segel reffen (zurücknehmen) oder Jalousien öffnen. Und er muss die Mühle jederzeit gegen Sturm sichern können. Früher hing das Schicksal der Familie von seinem Können ab, heute immerhin noch der Erhalt alter Handwerkskunst.

Im nächsten Jahr treten ihren Dienst als Ehrenmüller an: Fabian Schiller an der Mühle Paula in Steinhude, Lukas Dengg und Malte Worat in Dudensen sowie Ulrike Garben und Fred Wegener in Wichtinghausen.

Kalter Ostwind war der liebste

Der Müller liebt den Wind – oder das Wasser, je nachdem, welche Naturgewalt er im ursprünglichen Verständnis seines Handwerks zu beherrschen hatte. Während heutige industrielle Mühlen fast ausschließlich mit Strom und zu ganzjährig gleichen Bedingungen betrieben werden, war der Müller früher von natürlichen Einflüssen abhängig. Vor allem der Windmüller. „Ein kalter Ostwind war ihm immer der liebste“, sagt Rüdiger Hagen. Der Ostwind ist stet und somit berechenbar, und er hat Volumen. „Im Sommer standen die Mühlen oft bewusst still“, sagt Hagen, der zumindest weite Teile seines Wissens an die Müller im Ehrenamt weitergegeben hat.

Von Dirk von Werder

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