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In kleinen Schritten zu mehr Zufriedenheit?

Neustadt In kleinen Schritten zu mehr Zufriedenheit?

Das Thema interessiert und es polarisiert: über 60 Gäste der Gewerkschaft IG BCE diskutierten Montagabend über Zustände im Krankenhaus vor Ort.

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Wenig zu lachen: Reiner Schiltz (von links), Hauke Jagau, Matthias Bracht.

Quelle: von Werder

Neustadt. Mehr ging nicht: Der Tagungsraum im Ratskeller war völlig überfüllt. "Anmeldungen hätten wir weit über 100 annehmen können. Leider mangelt es an einem entsprechenden Veranstaltungsraum in Neustadt", sagte Gewerkschafts-Ortsgruppenchef Reiner Schiltz. Und schilderte - aus eigener Erfahrung - Probleme in der Neustädter Klinik, die zur regionseigenen Gesellschaft Klinikum Hannover gehört. Demnach mangelt es an Personal, Ausstattung und Essen. Schiltz zeigte Fotos von defekten Patientenschränken, maroden Türen und einem wenig schmackhaft aussehendem Abendessen "da frage ich Sie, Herr Regionspräsident, möchten Sie das Abend für Abend vorgesetzt bekommen?" Die Aufnahme in Neustadts Klinikum sei "top", fast alles andere lasse zu wünschen übrig. Auch die Personalausstattung: "Eine Nachtschwester ist hier im Regelfall für 36 Patienten zuständig. Im Bundesdurchschnitt sind es meiner Meinung nach 24". Das Krankenhaus benötige "mehr Pflegekräfte, mehr Ärzte und mehr Reinigungspersonal".

Im Grunde konnten die beiden Adressaten, die Schiltz von Seiten des Klinikums eingeladen hatte, der Forderung nicht widersprechen: "Wir sind in einer schwierigen Situation", sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD), der zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft Klinikum ist. Und auch Dr. Matthias Bracht, Geschäftsführer Medizin, weiß um die Probleme, verweist auf "Veränderungen, die gewollt sind", und zwar von handelnden Personen auf anderen Ebenen - Gesetzgeber, Krankenkassen. "Wir können die Rahmenbedingungen nicht beeinflussen." Gerade dem Pflegepersonal sei in Deutschland in den vergangenen Jahren ein "schneller laufen" am Arbeitsplatz abverlangt worden. Diese Strategie sei am Ende. "Statt schneller laufen, heißt die Herausforderung ,anders laufen' und der stellen wir uns."

Regionspräsident Jagau versuchte, der Situation Gutes abzugewinnen: "Wir wollen unsere Kliniken zukunftsfähig gestalten." Die Region sei nicht den Weg vieler anderer Kommunen gegangen und habe ihre Krankenhäuser verkauft. "Das wollten wir verhindern." Die vergangenen Jahre hätten der Konsolidierung gegolten, jetzt sei ein Etappenziel erreicht, "wir schreiben eine schwarze Null." Er wisse, "im Moment läuft manches suboptimal." Doch jetzt solle "in kleinen Schritten wieder aufgebaut werden", mit dem Ziel, "dass wir hoffentlich eine höhere Zufriedenheit erreichen".

Kommentar: Bittere Realität

Wer älter ist, der kann sich erinnern: Neustadt hatte einst ein ausgewiesen  "klassenloses Krankenhaus". Jeder, der der Hilfe bedurfte, sollte diese bestmöglich erhalten - unabhängig von Einkommen und sozialem Stand. Das ist längst vergessen, auch in Neustadt gibt es "Komfortzimmer", in denen besser liegt und intensiver umsorgt wird, wer dafür zu bezahlen bereit und in der Lage ist. So ist die Realität und sie ist bitter für viele, die ein Arbeitsleben lang Beiträge in eine Krankenkasse bezahlt haben und die jetzt erleben, dass der Service in der Klinik nicht dem entspricht, was möglich und wünschenswert erscheint. Zur weniger bitteren Realität gehört, dass die medizinische Versorgung im Lande gewiss nicht die schlechtestes ist - und das gilt auch für Neustadt.

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Von Dirk von Werder

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