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Ein Hilfsprogramm eint Ost und West

Neustädter Land Ein Hilfsprogramm eint Ost und West

Die Tschernobyl-Hilfe lebt vom Mitmachen: Je mehr Gasteltern sich finden, umso mehr Kinder und Jugendliche können sich im Neustädter Land von der radioaktiven Belastung in ihrer Heimat erholen.

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Familie Hillerdt aus Großenheidorn hat 1998 zum ersten Mal
Alessia (27) eingeladen. Das „Gastkind“ von damals ist inzwischen Deutschlehrerin und kommt mit ihrem Sohn Daniel (7).

Quelle: Patricia Chadde

Neustadt. Als die Initiatorinnen vor 23 Jahren begannen, konnten rund 60 Gäste aus Gomel in Weißrussland betreut werden. In diesem Jahr waren es 28, davon fünf Mütter mit ihren Kleinkindern sowie die Dolmetscherinnen Tiassija Pusan und Elena Moloshik.

Beim sonntäglichen Abschlussfest im Marienseer Pfarrgarten bildeten die unterschiedlichen Sprachkenntnisse keine Barriere. Musik, Spiele und frisch gebackene Waffeln sorgten für super Stimmung, ein berührender Dankgottesdienst folgte zum Abend.

Nach vier erlebnisreichen Wochen fliegen die Besucher heute zurück in ihre Heimat, die nur zwei Flugstunden entfernt und trotzdem in einer anderen Welt zu liegen scheint. So bekamen die Kinder und Jugendlichen 30 Euro Taschengeld spendiert, mit denen die meisten äußerst sparsam umgingen. Zu Hause ist diese Summe ein Wochenlohn. Die ehemalige Pastorin Elisabeth Gülich, die Russisch in der Schule lernte und auch studierte, sieht aber auch Gemeinsamkeiten. „Beide Kulturen, also Weißrussen und Deutsche, werden ‚bulbaschie‘ (Kartoffelesser) genannt. Trotzdem war das Rezept des Kartoffel-Specksalates ihrer Gastfamilie eine leckere Neuheit für Alessia (27). Vor 17 Jahren kam sie zum ersten Mal nach Großenheidorn zur Gastfamilie Hillerdt, inzwischen ist sie als Deutschlehrerin selbst Kulturbotschafterin geworden.

Hillerdts laden Alessia und Sohn Daniel (7) privat ein, haben großes Interesse an weißrussischer Kultur und lernen die Sprache an der Volkshochschule. Die Wunstorfer Tschernobyl-Hilfsorganisation hat sich vor zwei Jahren aufgelöst. Wer weitermachen möchte, findet in Neustadt herzliche Aufnahme. „Wir freuen uns über alle, die im nächsten Sommer Gastgeber sein wollen und können“, sagt Ingelore Knigge.

Erholung im Urlaub hilft dem Immunsystem

Der radioaktive Fallout der Tschernobyl-Katastrophe im April 1986 belastet bis heute weißrussisches Territorium. Die Region um Gomel ist besonders betroffen, weshalb seit 23 Jahren Kinder und Mütter mit ihren Babys von Neustädtern zu einem vierwöchigen Erholungsurlaub eingeladen werden. Vier Wochen mit vitaminreicher, unbelasteter Kost stabilisieren das Immunsystem der jungen Gäste für sechs bis zwölf Monate. Neustadts Tschernobyl-Hilfe steht unter Schirmherrschaft der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Je mehr Gastfamilien mitmachen, umso mehr Kinder bekommen die Chance zum Besuch. Jeder bedürftige weißrussische Teilnehmer darf zweimal auf Kirchenkosten kommen. Auch Geldspenden für Arzneimittel- und Sachspendentransporte sind sinnvoll und gefragt. „Kleiderspenden nehmen wir wieder ab Frühjahr entgegen, Winter- und Kindersachen sind besonders gefragt“, sagt Mareile Rust.

Patricia Chadde

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