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Eine Firma auf immer neuen Wegen

Neustadt Eine Firma auf immer neuen Wegen

Tradition durch Innovation - mit diesem Motto hat es die Maschinenfabrik Schlüter zu weltweiter Bekanntheit gebracht. Seit 150 Jahren beweist das Neustädter Unternehmen, dass traditionelle Werte und innovative Geschäftsmodelle erfolgreich im Gleichschritt gehen können - ja müssen.

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Die Maschinenfabrik Schlüter residiert an der Wunstorfer Straße.

Quelle: Benjamin Gleue

Neustadt. „Auf den ersten Blick denken viele Menschen, die Firma befindet sich in einem Dornröschenschlaf“, sagt Olaf Schlüter, dessen Urgroßvater Heinrich Schlüter die Fabrik 1865 gegründet hatte. Doch hinter der denkmalgeschützten Fassade des Gebäudes an der Wunstorfer Straße befindet sich eine hochmoderne Fertigungsanlage, die stets weiterentwickelt und den Marktbedürfnissen angepasst wurde.

„Wer langfristig erfolgreich sein will, muss eine fortwährende Bereitschaft zeigen, das Bestehende infrage zu stellen und das Neuartige aufzugreifen“, sagt Schlüter. Der 74-Jährige stand selbst 27 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens. Bis er seine Anteile 2008 an seinen langjährigen Geschäftspartner Josef Joszko verkaufte, war die Firma 142 Jahre lang in Familienbesitz. „Wir haben ein ganz schönes Sitzfleisch gehabt“, sagt Schlüter mit Augenzwinkern.

Mit purem Durchhaltevermögen hatte die Familienära an der Firmenspitze allerdings wenig zu tun - vielmehr ist sie ein Beweis für Beständigkeit und eine gute Betriebsführung. „Die Gewinne wurden immer sinnvoll in Produkt- und Prozessinnovation reinvestiert, sonst hätten wir auf dem Markt nicht überlebt“, blickt Schlüter zurück.

Einen großen Aufschwung erlebte die Firma beispielsweise nach der Reichsgründung 1871, aber auch in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts, als die Nachfrage nach Schrottscheren sprungartig anstieg. „Damals begann für die Firma eine goldene Zeit“, erzählt Schlüter. Mehr als 200 Mitarbeiter waren in Neustadt beschäftigt - mehr Beschäftigte gab es nie.

Als in den Sechzigerjahren die bis dato produzierten Maschinen nicht mehr gefragt waren, musste der damalige Chef Carl Heinz Schlüter, der Onkel von Olaf Schlüter, neue Wege beschreiten. Er stellte auf die Produktion von Einzelteilen für die Maschinenzulieferung und neue Produkte um. „Damals haben wir Neuland betreten, das erforderte Weitsicht. Wir haben dann im großen Stil hergestellt“, sagt Schlüter. Diesen Weg ist das Unternehmen bis heute erfolgreich gegangen.

Der neue Chef Josef Joszko führt zwar nicht die Familiengeschichte, sehr wohl aber die Firmenphilosophie im Sinne seiner Vorgänger weiter. „Der Name Schlüter steht für Tradition und Qualität. An eine Änderung des Firmennamens habe ich nie einen Gedanken verschwendet“, sagt er. In den vergangenen sechs Jahren hat Joszko rund 2,8 Millionen Euro in die Gebäudesanierung und neue Maschinen investiert, im nächsten Jahr soll eine neue Schweißerei gebaut werden. Und auch in der Vermarktung und Produktpalette schlägt das Unternehmen jetzt einen neuen Weg ein. „Wir setzen künftig vermehrt auf den Wartungs- und Reparaturdienst für unsere Produkte.“

Patentes aus der Kleinwerkstatt

Firmengründer Heinrich Schlüter wurde am 22. August 1835 in Ockensen am Ith im heutigen Landkreis Hameln-Pyrmont geboren. Nach dem Besuch der Bauwerkschule in Holzminden arbeitete der gelernte Mechanikus zunächst in verschiedenen renommierten Maschinenfabriken, unter anderem bei der Firma Egestorf in Hannover-Linden, die später unter dem Namen Hanomag bekannt wurde. 1860 zogen seine Eltern aus Langenhagen nach Neustadt, wo sie ein Haus an der Wallstraße kauften. Dort richtete Heinrich Schlüter 1865 in einem 50 Quadratmeter großen Lagerraum eine Werkstatt ein, in der er von ihm entwickelte, patentierte Lochmaschinen und Metallscheren herstellte. Als Unterstützung stand ihm zunächst nur ein Hilfsarbeiter zur Seite. Der Umzug an den heutigen Firmenstandort am Bahnhof erfolgte 1882, wo das immer noch existierende Hauptgebäude errichtet wurde. Im Erdgeschoss wurde produziert, im Obergeschoss gewohnt. Nach und nach wurden das Areal und der Gebäudekomplex erweitert. Die Nachfrage nach den Produkten aus Neustadt stieg rasant, der Firmenchef fand Kunden im gesamten damaligen Reichsgebiet und europäischen Ausland. 1890, pünktlich zum 25-jährigen Bestehen, wurde die Auslieferung der 10?000. Maschine gefeiert. Heinrich Schlüter starb zwei Jahre später. Bis zur Volljährigkeit seiner Kinder wurde die Firma kommissarisch durch einen bestellten Vormund für seinen ältesten Sohn, der ebenfalls Heinrich hieß, geleitet. Der Sohn stand dann bis 1933 an der Spitze. Es folgten Carl Heinz Schlüter (1933 bis 1980) und dessen Neffe Olaf Schlüter (1981 bis 2008).

Kunden rund um die Welt

Die Maschinenfabrik Schlüter macht einen Jahresumsatz von rund 10 Millionen Euro. Seit dem 29. Februar 2008 steht Josef Joszko an der Spitze der Firma und ihrer 96 Mitarbeiter. Das Firmengelände an der Wunstorfer Straße umfasst circa 14?400 Quadratmeter, die Produktionsstätten sind auf 4600 Quadratmetern beheimatet. In Neustadt werden vor allem Spezialmaschinen gefertigt, dazu gehören unter anderem die bekannten Pferdekopfpumpen für die Ölindustrie, hydraulische Pressen und Druckbehälter. Die Firma beliefert Kunden, die über den gesamten Erdball verteilt sind. In Deutschland unterhält die Maschinenfabrik Schlüter seit vielen Jahrzehnten unter anderem enge Geschäftsbeziehungen zu Johnson Controls, Continental und dem Düsseldorfer Unternehmen Sack & Kiesselbach.

von Benjamin Gleue

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