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Er schreibt gegen das Vergessen an

Neustadt Er schreibt gegen das Vergessen an

„Jahrgang 1930 - zwei erlebte Diktaturen“: So nennt Ulrich Druß seine ganz persönlichen Erinnerungen an 85 Jahre Mensch in Deutschland. Der frühere Gymnasiallehrer (Chemie/Sport) ermutigt andere, ihre Geschichte gleichermaßen niederzuschreiben.

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Ulrich Druß hat seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben.

Quelle: Dirk von Werder

Neustadt. „Mir wurden beim Schreiben Ereignisse und Erlebnisse in Erinnerung gebracht, an die ich schon lange nicht mehr gedacht hatte“, sagt der bald 85-Jährige. „Ich habe viele Dinge und Situationen vom Standpunkt der heutigen Zeit neu beurteilen und einschätzen können.“

Geboren in Frankfurt/Oder, hat er als Kind und Jugendlicher noch mehrere Jahre in Nationalsozialismus und Krieg erlebt, wuchs dann in einer Teilrepublik auf, die sich „deutsch und demokratisch“ nannte, aber seine „zweite erlebte Diktatur“ war. Die Bilanz seines Lebens fasst der frühere Lehrer in zwei Sätzen zusammen: „Ich habe den Krieg miterlebt, habe Zerstörungen und Elend gesehen, und nach dem Krieg habe ich ein System kennengelernt, das unliebsame und kritische Menschen durch Diskreditierung und Spitzeleien verletzt hat. Mein sehnlicher Wunsch: Mögen zukünftige Generationen ihre eigene Gegenwart mehr kritisch betrachten, damit ihnen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, wie wir es erleben mussten.“

Den Krieg selbst habe er „damals als eine Art Naturereignis empfunden, dem man sich nicht entziehen kann, man war also gezwungen, sich zu wehren“. Die Tragweite des Geschehens habe er nicht abschätzen können. „Vielleicht war ich sogar ein bisschen stolz, dass mein Vater nun Soldat war.“ Unterhaltsam schildert der Pädagoge dabei auch die kleinen persönlichen Erlebnisse, wie eine Ausflugsfahrt mit den Eltern im neuen Auto. „Da zeigte das Tachometer 80 km/h. Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis.“

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