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Kunst am Bauzaun - das gefällt

Neustadt Kunst am Bauzaun - das gefällt

So etwas hat Neustadt noch nicht gesehen: Fast 400 Kunstobjekte auf rund 650 Quadratmetern einer Betriebshalle, ein Dutzend Künstler, das seinem Publikum gern Rede und Antwort steht, dazu Livemusik. „Kunst bei Temps“, so der Titel der zweitägigen Schau, setzte am Wochenende neue Maßstäbe.

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Gemeinschaftsausstellung "Kunst bei Temps" in Neustadt

Quelle: Nadine Kirst

Neustadt. Bereits die Vernissage am Sonnabendmorgen übertrifft die Erwartungen des Organisatoren. Gut 150 Kunstinteressierte, darunter Vertreter aus Wirtschaft, Kirche und Kultur, hören die Begrüßungsrede des Firmenchefs Ulrich Temps, launige Eröffungsworte von Martin Drebs aus Bordenau und Jazz des Ehepaars Michaele Henrichs-Möller und Burkhard Möller. Zwei Shuttle-Busse bringen derweil Besucher vom Temps-Firmengelände an der Hans-Böckler-Straße zum modernen Schulungs- und Ausbildungszentrum nur knapp 300 Meter weiter. Dann erobert die Kunst in der Halle die Aufmerksamkeit der Besucher.

Und wie ihr das gelingt! Betrachter verweilen vor Gemälden, Radierungen, Fotografien, Skulpturen und Installationen, lassen sich von Kunstschaffenden Techniken erläutern, kommen miteinander ins Gespräch, diskutieren, beobachten. Jeder begibt sich auf seinen eigenen Rundgang entlang von Bauzäunen, zu Aufstellern umfunktioniert. 23 Künstler zeigen, was in ihren Ateliers entstanden ist, ein Dutzend von ihnen lädt zum Gespräch ein. Auf ein leitendes Thema hatten die Kuratoren, Susan Tiedt und Rolf Manske, bewusst verzichtet. „Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet. Sieht ja vielversprechend aus“, sagt Studentin Hannah Wedman, die gemeinsam mit Schwester Sophia und Neeske Elsner die Ausstellung erkundet. Margot Börner aus Neustadt hat indes ihre Favoriten bereits ausfindig gemacht. „Ich finde diese Glasarbeiten wunderschön“, sagt sie und zeigt auf Skulpturen von Frieder Korff, Künstler aus Niedernwöhren (Landkreis Schaumburg). Drei farbige Nuggets ersteht sie bei ihm. Die meisten ausgestellten Kunstwerke stehen zum Verkauf, an einigen kleben rote Punkte: Verkauft.

Kunst zum Anfassen – auch das geht an diesem Wochenende. Ingolf Heinemann ermutigt Simone Grün, das von ihm erschaffene Papierobjekt in Schwarz-Weiß anzuheben. Sie traut sich, er erklärt, woraus es besteht: Fast 600 Elemente sind zu einem Ganzen zusammengefügt.
Diese Gespräche sind es, die Besucher und Künstler bei der Ausstellung gleichermaßen auskosten. „Hier erlebe ich unmittelbar, wie Energie, die ich in meine Objekte einfließen lasse, beim Betrachter ankommt“, sagt Peter Ballath, Kunstschaffender aus Schneeren. Das seien gute Momente, gute Gespräche. Sam Mabeu nickt und bestätigt: „Ich habe gute Kommentare bekommen. Die Leute sind neugierig.“ Die nächsten Besucher bleiben vor den Shona-Skulpturen des Garbseners stehen, der seine Wurzeln in Simbabwe hat. Nebenan ist der syrische Künstler Hayel Nasr von Besuchern umringt.

Draußen erreichen immer neue Besucher das Temps-Gelände, per Shuttle, Auto oder mit dem Fahrrad, drinnen sorgen die Teams vom Café Du&Ich und der Weinscheune für die Bewirtung. Während am frühen Nachmittag afrikanische Musik den Jazz abgelöst hat, blickt Rolf Manske zufrieden in die Runde. „Ein halbes Jahr Vorbereitung hat sich gelohnt“, sagt er. Er habe vor allem positive Rückmeldungen bekommen. „Vielleicht hätte die Ausstellung noch etwas mehr Industrieflair vertragen“, merkt eine Besucherin an. Die Schau insgesamt findet sie dennoch „anders“ und „gut für Neustadt“. Der „Versuchsballon“, wie Manske die erste Gemeinschaftsausstellung dieser Art nennt, ist jedenfalls gut abgehoben.

Interview mit Firmenchef Ulrich Temps

Herr Temps, wir erleben heute Kunst in einem Wirtschaftsbetrieb – wie verträgt sich das?
Ich finde, das ist eine gelungene Kombination. Für die Künstler ist es eine schöne Gelegenheit, sich an einem außergewöhnlichen Ausstellungsort darzustellen. Und wir können uns als weltoffenes Unternehmen präsentieren.

Wie kunstinteressiert sind Sie persönlich?
Sehr sogar! Ich kann stundenlang in Galerien verbringen. Pop-Art begeistert mich beispielsweise, und ich bin ein Fan von Elvira Bach, einer zeitgenössischen Berliner Künstlerin.

Wie sieht es mit Kunst aus Neustadt und Umgebung aus?

Da fällt mir sofort Bernd Otto Schifferings ein, dessen Arbeit ich sehr schätze. Er ist auch in der Ausstellung vertreten ist. Meine Frau und ich haben beim Rundgang aber noch einige andere interessante Stücke entdeckt.

Was macht die Ausstellung sehenswert?
Ich denke, es ist diese besondere Mischung. Wo sonst hat man so viele unterschiedliche Kunstschaffende an einem Ort? Auch die Begegnungen verschiedener Kulturen machen die Schau außergewöhnlich. Dass die Neustädter Interesse daran haben, zeigt sich heute.

Das klingt nach einer Wiederholung ...
Denkbar ist das, aber eher nicht in einem jährlichen Rhythmus. Außerdem muss die Halle dafür frei sein. Im Sommer ist das einfacher, wenn wir auf den Baustellen sind. Dann könnte ich mir hier vieles vorstellen. Ich warte nun die Nachbesprechung mit den beiden Kuratoren ab.

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