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Rückbau droht im Paradies

Neustadt Rückbau droht im Paradies

Sein Wochenendhaus am Nordufer ist ein echtes Juwel - doch der Herforder Zahnarzt Dr. Gerd Oberscheven soll nach einem Bescheid der Region jetzt wichtige Teile zurückbauen. Er klagt nun gegen die Region Hannover.

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Dürfen Terrasse, Dachfenster, Carport bleiben? Gericht und Beteiligte nehmen das Haus in Augenschein.

Quelle: Kathrin Götze

Mardorf. Carport, Terrasse, Dachgeschossausbau, ein Teil des Kellers und ein seitlicher Anbau am Haus standen gestern beim Ortstermin des Verwaltungsgerichts zur Debatte. Das Problem: Die Baugenehmigung stammt aus dem Jahr 1966, die strittigen Teile sind darin nicht verzeichnet.

Das Grundstück liegt westlich der Rote-Kreuz-Straße und damit am nördlichen Rand des Naturschutzgebiets Meerbruch, das 1981 verordnet wurde. Daher hatte auch die Untere Naturschutzbehörde bei der Region ein Wort mitzureden, als der Zahnarzt 2011, drei Jahre nach Erwerb des Hauses, eine Überdachung für die Terrasse bei der Stadt Neustadt genehmigen lassen wollte. Der Architekt hatte ihm geraten, auch die Veränderungen seit 1966 nachträglich legalisieren zu lassen.

Doch die Region schickte einen Bescheid: Die ungenehmigten Anbauten sollten verschwinden. „Es geht auch ums Prinzip, wir können so etwas nicht nachträglich absegnen“, sagt Wolfgang Fiedler, Leiter des Teams Naturschutz West. Den gleichen Standpunkt vertrat sein Kollege Konrad Helmsen von der Bauaufsicht.

Oberschevens Anwalt Eckhard David hinterfragte, ob denn die Anbauten die Natur beeinträchtigten. Überdies warf er der Region vor, sie habe bei mehreren Verkäufen des Hauses nicht von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und auch damals nicht den Rückbau verlangt. Das Gericht um den Vorsitzenden Richter Ingo Behrens will seine Entscheidung heute veröffentlichen.

Schuppen soll 2017 fallen

Gleiches Recht gilt auch für Nachbarn. Daher soll nun auch der 85-jährige Karl B. Bosse einen Carport-Schuppen abreißen, den er neben Wochenend- und Bootshaus gebaut hat, ebenfalls ohne Genehmigung, ebenfalls im Naturschutzgebiet. Dass dieser bis dato quasi geduldet war, hatten der Zahnarzt und sein Anwalt eigentlich als Argument für den Erhalt der Anbauten am Nachbarhaus geltend machen wollen. Stattdessen bekam in der Folge auch Bosse den Bescheid, er solle seinen Schuppen abreißen. Der Senior, der sein Wochenendhaus seit rund 60 Jahren nutzt, klagte ebenfalls gegen den Bescheid. Beim gestrigen Gerichtstermin ließ er sich in Absprache mit seinem Anwalt Manfred Colshorn auf einen Vergleich ein: Er darf mit dem Abriss noch zwei Jahre warten. „Ich dachte, ich hätte jetzt fünf Jahre“, sagte er noch verschmitzt – doch von weiterem Handel wollte das Gericht nichts wissen.

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