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Hotel Scheve schließt nach neun Jahrzehnten

Neustadt Hotel Scheve schließt nach neun Jahrzehnten

Jahrzehntelang war es das erste Haus am Platz - kurz vor Silvester hat der letzte Gast ausgecheckt. Mit dem Jahreswechsel hat das Hotel Scheve den Betrieb eingestellt - und die Stadt nutzt das Haus als Flüchtlingsunterkunft.

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Auch Dekoartikel für das nächste Weihnachtsfest sind beim Räumungsverkauf des Hotels Scheve zu finden.

Quelle: Benjamin Gleue

Neustadt. Ein bisschen sentimental ist Udo Czernay schon zumute, als er sich beim gestern gestarteten Räumungsverkauf die aufgereihten Biergläser ansieht und sich zwei Exemplare für seine Kellerbar aussucht. „Wir haben hier im Saal viele Feste gefeiert. Das geht jetzt leider nicht mehr“, sagt der Neustädter. Er verbindet mit dem Haus noch eine weitere schöne Erinnerung: 1958 hat er in der damaligen Gaststätte als 19-Jähriger erstmals ein Fußballspiel der Nationalmannschaft in einem Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher verfolgt.

Wie Czernay geht es vielen der über 400 Besucher, die sich gestern im Saal mit Geschirr, Lampen, Topfpflanzen und Dekoartikeln aller Art eindeckten. Auch wenn sie vorrangig als Schnäppchenjäger gekommen waren - viele verbinden mit den gekauften Stücken auch Erinnerungen oder kleine Geschichten. „Wir haben heute so viele herzliche Worte gehört und sogar Blumensträuße zum Abschied geschenkt bekommen. Das ist schon toll“, sagt Ursula Scheve, die seit 53 Jahren im Betrieb tätig ist und das Hotel bis vor viereinhalb Jahren mit ihrem damals verstorbenen Mann geführt hatte. Der Abschied falle ihr indes nicht allzu schwer, wie sie sagt. „Ich hatte eine schöne Zeit und bleibe ja in Neustadt.“

Wer sich noch ein Stück aus dem Hotel sichern will, sollte sich beeilen. „Wir haben nicht mit solchem Andrang gerechnet“, sagt Inhaberin Britta Wilkens. Bis Sonnabend ist noch täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Beliebter Treffpunkt seit vier Generationen

Gaststätte, Restaurant, Hotel – wer in den vergangenen fast 90 Jahren eine Versammlung oder Familienfeier plante oder als Ortsfremder eine Übernachtungsmöglichkeit suchte, kam zu Familie Scheve. Seit 1928 befindet sich das in unmittelbarer Nähe des Neustädter Bahnhofes gelegene Gebäude im Familienbesitz – damals hatte Konrad Scheve das 1898 gebaute Wohnhaus gekauft und zu einem Gasthof umgestaltet. Sein Sohn Herbert und dessen Sohn Helmut haben den Gasthof dann in den Siebzigerjahren zum heutigen Hotel und Restaurant erweitert, 1997 folgte der letzte große Ausbau des oberen Geschosses mit neuen Zimmern. Seit 2011 führen nun Helmuts Tochter Britta Wilkens sowie ihre Brüder Hergen und Henning Scheve das Hotel – als Dreigestirn in vierter Generation. 

Flüchtlinge ziehen ein

Ein großer Teil des Hotelmobiliars bleibt auch nach der Übergabe an die städtischen Wirtschaftsbetriebe am 15. Januar in den Zimmern stehen. Denn zunächst soll das Gebäude als Unterkunft für bis zu 70 Flüchtlinge genutzt werden. Etliches werde aber noch neu eingerichtet, sagte Stadtsprecherin Nadine Schley gestern. Genutzt werde das Gebäude frühestens ab 1. März. Bis Ende März ist die Ankunft von 399 Flüchtlingen angekündigt. Auch die ehemalige Grundschule Mardorf wird demnächst belegt. Heute von 10 bis 12 Uhr öffnet sie für interessierte Besucher. 

bg/göt

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