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Junger Migrant bringt verlorene Brieftasche zurück

Neustadt Junger Migrant bringt verlorene Brieftasche zurück

Ein junger Zuwanderer hat der Neustädterin Rosemarie Blank am Sonnabend den Tag gerettet: Er brachte ihr das Portmonee zurück, das sie am Morgen am Bahnhof verloren hatte. Einen Finderlohn lehnte der Mann ab.

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Rosemarie Blank ist froh, dass ihr Portmonee wieder da ist.

Quelle: Kathrin Götze

Neustadt. Früh morgens war die Neustädterin in den Zug Richtung Hannover gestiegen, wollte einen Besuch in Celle machen. Doch kurz nach dem Einsteigen fiel ihr auf, dass die Brieftasche fehlte. "Ich habe alles abgesucht, im Zug war sie nicht. Und weil ich vorher noch in der Hand hatte, wusste ich, sie musste auf dem Bahnsteig liegen", erzählt Blank.

Sie sprach den Schaffner an. Doch der sagte, am Sonnabend sei kein Kollege am Bahnhof tätig, der das verlorene Stück hätte einsammeln können. "Da bin ich bis Hannover gefahren und zur Bahnpolizei gegangen", berichtet Blank. Dort bekam sie den Rat, alle Konten sperren zu lassen. "Dafür gibt es eine zentrale Notrufnummer, 116116, das wusste ich vorher auch nicht", so Blank.

Sie sagte ihren Besuch ab, fuhr wieder nach Hause und verbrachte den Tag in Unruhe. Bis es abends an der Tür klingelte. Durch die Sprechanlage hörte sie einen ausländischen Namen, den sie nicht kannte. "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat, aber ich habe aufgemacht", sagt Blanke achselzuckend. Vor ihr stand ein junger Mann, "vielleicht Syrer oder Iraker", in der Hand ihre Brieftasche. Aus seinem gebrochenen Deutsch und vielen Gesten verstand sie, er habe das Portemonee gefunden. Warum nicht ein Zettel mit Telefonnummer drin steckte? Er habe den ganzen Tag nach der Adresse gesucht, die er auf einem Ausweis gefunden habe.

"An so etwas hatte ich nie gedacht", sagt die erleichterte Frau. Alle Ausweise, Karten und das gesamte Geld steckten noch in der Börse. "Es fehlte kein Cent." Voll Freude habe sie nach einem 50-Euro-Schein gegriffen und ihn dem Mann als Finderlohn geben wollen. Doch der habe strikt abgelehnt. "Er wollte es auch nicht nehmen und anderen geben, nichts zu machen", berichtet Blank. Nur mit einer herzlichen Umarmung habe sie sich bedanken dürfen, das habe er zugelassen. Im Gehen habe er sich noch einmal umgedreht und lächelnd gesagt, sie solle nicht vergessen, die Telefonnummer einzustecken.

Eine erfreuliche Geschichte, die aber auch Unterschiede der Kulturen zeigt. So würde etwa Neustadts Polizeichef Gerd Klingenberg nicht raten, die Telefonnummer in der Börse mit sich zu tragen. "Ein nicht ehrlicher Finder könnte so ganz leicht herausfinden, ob man zu Hause ist. Wenn dann auch noch ein Notschlüssel mit in der Tasche steckt, hat er leichtes Spiel." Er rät dazu, gefundene Wertsachen beim Fundbüro oder der Polizei abzugeben. "Viele Flüchtlinge haben in ihren Heimatländern schlechte Erfahrungen mit Behörden und Polizei gemacht", sagt er. Die Kollegen arbeiteten behutsam daran, Berührungsängste abzubauen und sich auch den Migranten als "Freund und Helfer" vorzustellen.

Von Kathrin Götze

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