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Hinze: Nachwuchsmangel bedroht Existenzen

Neustadt Hinze: Nachwuchsmangel bedroht Existenzen

Da steht er nun, er kann nicht anders. Erneut muss Thomas Hinze einen Zustand beklagen, der sich seit Jahren verfestigt: Ein akuter Nachwuchsmangel wirke sich existenzbedrohend auf das Handwerk aus, mahnt der Kreishandwerksmeister.

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Ein Kreishandwerksmeister, ein Streberchor und viele interessante Gespräche: Das war das Martinsgansessen der Handwerker.

Quelle: Kathrin Götze

Neustadt. Da konnten viele Gäste beim Martinsgansessen der Kreishandwerkerschaft Neustadt-Burgdorf am Freitagabend nur versonnen nicken. Bei der Traditionsveranstaltung wird Tacheles geredet, ob auf der Bühne oder an den Tischen, an denen die Handwerker ihre Gäste regelmäßig zu interessanten Runden mischen. Politiker und Polizisten, Schulleiter und Verwaltungsleute, Banker, Pastoren und Militärs sitzen dort einmal im Jahr mit den Handwerkersmeistern zusammen, um das offene Wort zu pflegen.

Das würde wohl auch einem anderen Martin gefallen, dessen Geist gewissermaßen im Saal schwebte. Martin Luther war das Thema der Festansprache, für die sich Michael Hagen, Superintendent im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf, starke Unterstützung mitgebracht hatte: Kreiskantorin Birgit Pape und ihr "Streberchor" gaben Kostproben aus dem von Pape verfassten Luther-Musical, das zum Reformationsjubiläum mit Schulen weit über das Gebiet des Kirchenkreises hinweg aufgeführt werden soll. 

Hagen zeichnete nach, wie sich Luthers Kritik am Ablasshandel und anderen Auswüchsen der Weltmacht Kirche vor 500 Jahren so rasant verbreiten konnte: Parallel lief mit dem Buchdruck ein Medienwandel und eine Bildungsrevolution ab, die den Blick auf die Welt nachhaltig veränderte. Karikaturen und populäre Lieder unterstützten die Verbreitung weiter. Eine Idee, die der Kirchenkreis mit seinem Musical nun aufnimmt. "2000 Schüler beteiligen sich an den Aufführungen unseres Musicals", sagte Hagen freudig. Und fügte mit einem Lächeln hinzu: "Vielleicht sollten auch die Handwerker bei der Arbeit wieder mehr singen?"

Das ist sicher eine gute Idee, wird aber nicht reichen, um das Nachwuchsproblem zu lösen. Der Kreishandwerksmeister versucht es mit einem Appell an die Politik: "Ich habe leider den Glauben verloren, dass Politik tatsächlich gegensteuern will", sagt er, "solange die EU regelmäßig unsere angeblich zu geringe Hochschulstudienquote anprangert, machen wir ganz brav einen Bückling." Dabei seien es doch auch Handwerk und Mittelstand, die mit ihren Gewerbesteuern das Gemeinwesen trügen. Allerdings finde sich dieses Geld auch allzu selten in der Infrastruktur vor Ort wieder. Stattdessen sehen sich die Kommunen mit einem teils immensen Investitionsstau konfrontiert.

Von diesen Anmerkungen angeregt, hielten es die Gäste im Anschluss mit einem weiteren Luther-Wort: "Iss, was gar ist, trink was klar ist, red', was wahr ist."

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Von Kathrin Götze

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