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Wer Lebensmittel liebt, verramscht sie nicht

Neustadt Wer Lebensmittel liebt, verramscht sie nicht

Von wegen "wir lieben Lebensmittel". Der Slogan einer führenden Lebensmittelkette wird nach Meinung von Landwirten aktuell ad absurdum geführt: Lebensmittel werden viel mehr "verramscht", eine kostendeckende Erzeugung auf den Höfen nicht mehr möglich.

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Landwirte werben für höhere Preise für Lebensmittel

Quelle: von Werder

Neustadt. In vielen Ställen und auf ganzen Höfen gehen die Lichter aus, sagen die Bauern, die gestern im Gewerbegebiet Ost mit einem Plakat am Traktor für Aufsehen sorgten: Im populären Slogan "Wir lieben Lebensmittel" einer der marktbeherrschenden Handelsketten ist das Verb ersetzt: "verramschen" steht da statt "lieben". Zehn Landwirte aus dem Neustädter Land gingen auf Kunden der Märkte an der Justus-von-Liebig-Straße zu, suchten das Gespräch. "Zu den derzeitigen Preisen können wir nicht erzeugen", sagt Thorsten Klingemann aus Averhoy. Auf den Betrieben würden hochwertige Produkte erzeugt, für die die Bauern immer weniger Geld erhielten, während bei weitgehend stabilen Verbraucherpreisen die Gewinne im Handel steigen würden.

Mittwoch zur Mittagszeit: Der Termin war nicht optimal gewählt. "Sind ja soviele nicht hier", sagt einer der Landwirte. Doch, wer einkaufte, wurde angesprochen und war fast immer auch zum Gespräch bereit. "Ich kann  verstehen, dass die Landwirte in Sorge sind", sagt der Neustädter Leo Linder, "aber das Problem ist die Überproduktion. Wenn es zuviel von einer Ware gibt, fällt der Preis." Landwirt Stephan Ruhnow-Thieße aus Schneeren setzt dem entgegen, dass "wenn wir die Waren nicht mehr erzeugen, andere liefern". Mitbewerber aus anderen Ländern, zu anderen Produktionskosten, möglicherweise auch in anderer Qualität. Die Marktmechanismen seien nicht leicht zu durchschauen, seien voller Risiken für die Betriebe vor Ort. Auch Renate Liebrenz, die gerade ihren Ostereinkauf getätigt hat, hat Verständnis für die Bauern. "Lebensmittel müssten mehr kosten." Sie erinnere sich an Zeiten, in denen es "ein- oder zweimal pro Woche Fleisch gab. Das reichte doch auch." Wenn alles nur noch möglichst billig erzeugt werden müsse, blieben zwangsläufig Landwirte auf der Strecke. "Und was machen wir, wenn es keine mehr gibt?"

Wenn die Milch im Güllekanal landet

Gesundes Essen ist ein preiswertes Vergnügen, zu preiswert, sagen Erzeuger. Ein Liter Milch – ein hochwertiges Lebensmittel – sei an der Supermarktkasse deutlich billiger als ein Liter Cola. Für 60 Cent gibt es die Milch; Erzeuger wie Sven Klingemann aus Schneeren erhalten von ihrer Molkerei „zurzeit ganze 25 Cent“ pro Liter – Tendenz fallend. „Für Juni/Juli werden uns nur noch 22 Cent prognostiziert“. Da lege er Geld zu, sagt der Landwirt. Vor über sieben Jahren hat er für Aufsehen gesorgt, hat die Milch von 80 Kühen drei Tage lang in den Güllekanal geleitet – weil er 23 Cent erhielt. Und nun? Spektakuläre Aktionen, sagt er, helfen nicht wirklich.vw

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Von Dirk von Werder

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