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Leukämie-Häufung ist deutlich

Rodewald Leukämie-Häufung ist deutlich

In der Gemeinde Rodewald hat es in den Jahren 2004 bis 2007 eine deutliche Häufung an Leukämiefällen gegeben. Kathrin Otte, die für das Gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke (GENUKin einer Arbeitsgruppe sitzt, geht davon aus, dass die Erdölförderung im Ort die Erkrankungen verursacht hat. 

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Das Kinderkrebsregister bestätigt eine erhöhte Zahl – aber keine neuen Fälle seit 2007.

Quelle: Symbolbild

Neustadt. Drei Kinder erkrankten in dieser Zeit im Dorf an dem Blutkrebs, ein weiteres noch einige Jahre früher. Rein statistisch wären in der 2750-Einwohner-Gemeinde zwischen 1987 und 2014 nur 0,6 Fälle zu erwarten gewesen, wie es hieß. Knut Hallmann, Samtgemeindebürgermeister in Steimbke und selbst Rodewalder, setzte am Donnerstagabend den Gemeinderat in Kenntnis. „Die Betroffenheit war groß, aber die Menschen gehen verantwortungsvoll mit den Fakten um“, sagt er.

Die Häufung in den drei Jahren sei zwar tragisch, aber immerhin seien danach keine weiteren Erkrankungen aufgetreten. „Ich warne davor, nun voreilig Verbindungen zu knüpfen“, sagt er.

Damit spielt er auf den Verdacht an, die Erdölförderung im Ort habe die Erkrankungen verursacht. Davon geht hingegen Kathrin Otte aus, die für das Gemeinnützige Netzwerk für Umweltkranke (GENUK) in einer Arbeitsgruppe sitzt, die sich mit den Krankheitsfällen beschäftigt.

Sie kämpft an vielen Fronten gegen Industriegifte und einen allzu sorglosen Umgang damit. Dies sei aber nicht einfach, weil paradoxerweise die Beweislast auch bei Kontakt mit nachgewiesen gesundheitsgefährdenden Stoffen nach wie vor beim Geschädigten liege.

Nach Jahren solche Zusammenhänge gerichtswirksam herzustellen sei nahezu unmöglich, kritisiert Otte. Bis 1991 habe die Umgebung der Förderstelle im Ort deutlich erhöhte Benzolwerte aufgewiesen, auch Bodengrenzwerte seien deutlich überschritten worden. Aus ihrer Sicht hätte bereits damals ein Gesundheitsmonitoring beginnen müssen, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.

Vier kranke Kinder in Rodewald, zwei weitere in der Samtgemeinde Steimbke zwischen 1987 und 2014: Aus Sicht des Landkreises Nienburg ist das zumindest Anlass für eine sorgfältige Untersuchung. Denn statistisch wären für Rodewald 0,6 Fälle normal gewesen, für die Samtgemeinde 1,7. „Der Landkreis geht von einer zeitlich wie räumlich eng umfassten Leukämiehäufung bei Kindern aus“, fasst Dr. Torsten Vogel, Leiter des Gesundheitsamtes beim Landkreis, zusammen. „Aber auch wenn in den letzten Jahren keine kindlichen Leukämiefälle mehr aufgetreten sind, muss versucht werden, die näheren Umstände aufzuklären.“ Dazu sollen nun die individuellen Krankheitsgeschichten erfragt werden, sagt er. Eine Verbindung zum Bohrplatz in Rodewald will auch Kreissprecher Torsten Rötschke zunächst nicht herstellen, wie er sagt. Dies sei vorab in einem Bericht des NDR geschehen. Man erwarte im Frühjahr zunächst weitere Zahlen vom Epidemologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN), das mitteilen kann, ob und in welchem Ausmaß auch Erwachsene betroffen sind. „Die Ursachenforschung wird lang dauern und sehr akribisch zu führen sein“, so Rötschke.

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