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Saatgutmenge wird per Satellit ermittelt

Neustadt Saatgutmenge wird per Satellit ermittelt

Lohnunternehmer Oliver Genz arbeitet satellitenunterstützt: Beim Mais drillen werden Bodenqualität und Traktorstandort kontinuierlich miteinander abgeglichen, so dass die Saatgutmenge optimal auf die jeweiligen Standortbedingungen abgestimmt wird.

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Das gebeizte Maiskorn kommt beim Drillen in eine mehrere Zentimeter tiefe Furche. Abhängig von der Bodenqualität wird der optimale Abstand der Maiskörner zueinander ermittelt. 

Quelle: PATRICIA CHADDE

Brase. Ackerbauern und Umwelt profitieren von den Möglichkeiten der Digitalisierung, was als "smart farming" bezeichnet wird. "Mein Traktor hat eine eigenen IP-Adresse", erklärt Landwirt und Lohnunternehmer Genz, der in Brase lebt. Dann zeigt er auf die kleine schwarze Antenne auf dem Dach der Traktor-Fahrerkabine. Wie beim Navigationsgerät für Autofahrer, lässt sich der jeweilige Standort des Traktors auf einer Ackerfläche mittels GPS exakt ermitteln.

Im Zusammenspiel mit Informationen zur Bodenbeschaffenheit werden die optimalen Saatgutabstände ermittelt und die Körner dann entsprechend gelegt. Damit die Pflanzen möglichst gleichmäßig abreifen, werden Informationen zu Nährstoffgehalt, Fruchtfolge und klimatischen Bedingungen abgerufen und miteinander in Zusammenhang gebracht.

Daraus wird einen so genannte Managementzonenkarte entwickelt, die mit unterschiedlich gefärbten Flächen den jeweilis empfohlenen Saatgutabstand darstellt. Der Bildschirm in der Fahrerkabine spielt die Ergebnisse in Echtzeit ein, der Fahrzeugführer ist sozusagen online. Vorteil: Jedes einzelne Pflänzchen steht dann später in einem solchen Abstand zum nächsten, das es Nährstoffe und voraussichtliches Wasserangebot am besten nutzen kann.

Die Bodenqualität sei entscheidend, erklärt Genz: Während ein tonhaltiger Schlag in der Leinemasch attraktive 90 Bodenpunkte erreichen kann, kommt mancher Welzer Acker nur auf 20 Bodenpunkte. Grundlage dieser Skala ist übrigens bis heute die Reichsbodenschätzung aus dem Jahr 1934. Der 90er Tonboden hält Wasser und Nährstoffe um ein Vielfaches besser als der 20er Sand.

Während der Abstand der Maispflanzen auf kargen Böden etwas lockerer sein sollte, können sie auf sehr guten Böden viel enger zusammen stehen. Darüber hinaus haben Maissorten je nach Nutzungsart und Erntezeitpunkt unterschiedliche Wasseransprüchen. "Wasser ist der limitierende Faktor", erklärt Anbauberater Kai-Olaf Knuth. Daher werden auch die Niederschläge einer Region exakt gemessen und fließen in die Auswertung ein.

Die Voraussetzungen für den computerunterstützten Feldfruchtanbau hat Genz mit seiner Maisdrillmaschine geschaffen, die sich hochexakt steuern lässt. Ein Beispiel: Sein Mitarbeiter Olaf Dierks fährt mit der Maisdrillmaschine über den Acker, so dass sich die Theorie praktisch überprüfen lässt. Am Ende des Ackers schaltetet die sogenannte "Section Control", am Ende jeder Reihe, automatisch ab. Ob der vorgegeben Abstand der Pflanzen im Saatbett auch eingehalten wurde, überprüft Genz dagegen mit dem Taschenmesser. Er kratzt die eben gedrillte vier bis fünf Zentimeter tiefe Furche frei, bis das rot gebeizte Maiskorn zu sehen ist. Dann misst er per Hand den Abstand zum nächsten Maiskorn. Zufrieden stellt er fest: "Dat klappt". Nur das Taschenmesser ist im Laufe der Zeit schon reichlich stumpf geworden.

Rund 70 Hektar Maissaat mit entsprechender Technik stehen in Genz' Auftragsbuch. Er bietet seinen Kunden die Managementzonenkarte von AGRAVIS NetFarming, die satellitenunterstützte Maisdrille, ohne Zusatzkosten an. Er selber zahlt 600 Euro pro Schlepper für das Referenzsignal aus dem Weltall und 1500 Euro für Lizenzen, der Kunde muss für das Kartenmaterial 150 Euro übernehmen. Dafür rechnen alle Beteiligten mit einer Ertragssteigerung, durch die sich die Investitionen rechnen. "Schon mein Vater Klaus hatte Pioniergeist und führte in dieser Gegend den Rübenanbau ein", sagt der 37-Jährige Genz.

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Von PATRICIA CHADDE

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