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Uwe Herpig - ein Querdenker steigt aus

Neustadt Uwe Herpig - ein Querdenker steigt aus

Die Feuerwehr Helstorf ohne Uwe Herpig? Schwer vorstellbar. Doch Sonnabend wählen die Aktiven einen neuen Ortsbrandmeister.

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Ortsbrandmeister Uwe Herpig steigt nach 22 Jahren aus dem Amt aus.x

Quelle: Rautenstrauch (Archiv)

Helstorf. Sie ist ein Hort der Kontinuität: In den 42 Jahren seit der Gebietsreform 1974 hatte die Ortsfeuerwehr Helstorf erst zwei Chefs: Herpig und Vorgänger Klaus Grund. Vor allem Herpig galt und gilt als Querdenker unter den Ortsbrandmeistern im Stadtgebiet.

"Querdenker ja", sagt er, und weiß: bei manch Amtskollegen galt er bisweilen auch als Querulant. Herpig forderte oft, er machte aber auch. "Die Stadt ist für eine Grundversorgung der Feuerwehren zuständig. Wenn man mehr will, muss man sich selbst regen." Und das habe er immer getan. Was an Ausstattung fehlte, in Herpigs Augen aber sein musste, wurde beschafft. "Ich bin immer auf die Leute zugegangen, habe gefragt, und dann wurde uns auch geholfen." Herpig warb um Unterstützung im Dorf, bei Unternehmern, bei Menschen, die nicht aktiv mitmachen, aber der Feuerwehr helfen wollten. Er war einer der ersten im Stadtgebiet, der gezielt um fördernde Mitglieder warb - mit Erfolg.

Die Jugendfeuerwehr wurde in seiner Zeit gegründet (1999), die Kinderfeuerwehr (2006), eine Garage ans Gerätehaus angebaut, Zelte für die Jugendfeuerwehr angeschafft, eine eigene Übungsbahn. Und der mittlerweile 57-jährige Bundesbeamte hatte immer neue Ideen, Feuerwehr und Brandschutz populär zu machen. "Einmal habe ich das Praxixteam von  Zahnarzt Lohmann in Brandschutz ausgebildet. Hat Spaß gemacht." So etwas zahle sich aus im Dorf.

Seit 41 Jahren ist Herpig aktiv in der Truppe. Jetzt ist genug, sagt er. Gattin Heidi macht weiter mit, er irgendwann sicher auch wieder. Aber nicht in Funktion. "Man muss loslassen können. Und es gibt genug gute Leute in der Truppe."

Ein Start voll Angst und Schrecken

Die Zeit hat ihn geprägt, sie hat der Feuerwehr viel Rückhalt im Dorf verschafft  doch Uwe Herpig denkt nicht gern daran zurück. 1995/96, er ist noch neu im Amt und steht vor einer Herausforderung, die sich keiner wünscht: Ein Brandstifter treibt sein Unwesen in Helstorf; zündelt, wann und wo immer es ihm in den Sinn zu kommen scheint. Mülleimer, Container, Schuppen. Eines Nachts brennt die gesamte Bäckerei Rehbock. "Ich hatte furchtbare Angst um meine Aktiven", schildert Herpig den stundenlangen Großeinsatz, dem über Monate weitere Brände folgen. Dann ist klar: Es war ein Feuerwehrmann, einer aus der eigenen Truppe, ein Freund sogar. "Wir haben seinen Hochzeitstag gefeiert, und er ging in den Nebenraum, rief die Einsatzleitstelle an, schlug Alarm." Die Stimme auf Band verrät den Täter und der Benzingeruch, als er eines Abends versucht, das eigene Haus anzustecken. Der Mann wird verurteilt, ist längst wieder frei. Auf der Beerdigung eines anderen Ortsbrandmeisters vor Jahren hat Herpig ihn wiedergesehen. "Gesprochen haben wir nicht." Uwe Herpig hat kein Interesse an einem Kontakt - was verständlich erscheint.

Von Dirk von Werder

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