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Jagdszenen auf dem Binnensee?

Neustadt Jagdszenen auf dem Binnensee?

Wassersportler auf dem Steinhuder Meer erheben schwere Vorwürfe gegen Naturpark-Ranger Hendrik Holte. Der habe mehrfach Kite-Surfer in voller Fahrt mit seinem Boot bedrängt, auch angefahren - und so in höchste Gefahr gebracht.

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Kitesurfer und Surfer auf dem Steinhuder Meer

Quelle: Frank Oheim/Archiv

Mardorf. Kite-Surfer holen die Antriebskraft für ihre Bretter aus häufig bis zu zwölf Quadratmeter großen Segeln, die sie einem Lenkdrachen entsprechend steuern - und erreichen dadurch auch auf dem Steinhuder Meer rasante Geschwindigkeiten von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde. Ihren Sport dürfen sie auf dem Binnensee allerdings nur auf einer sehr begrenzten Fläche am Nordufer ausüben - auf etwa einem der rund 32 Quadratkilometer großen Wasserfläche. Fahren sie über die durch Bojen gekennzeichnete Fläche hinaus, handeln sie ordnungswidrig.

Rechtfertigt das aber ein massives Einschreiten des Naturpark-Rangers? Der fährt als Mitarbeiter der Region ein Motorboot, soll, so sagt Behördensprecherin Christina Kreutz, "darauf aufpassen, dass die Regeln eingehalten werden." Dabei müsse er auf sich aufmerksam machen können.

Vor Gericht soll Holte vor wenigen Tagen davon gesprochen haben, es sei "manchmal nötig, Kite-Surfern einen Stups zu geben." Diese Aussage steht in der Öffentlichkeit, wird auch in sozialen Netzwerken im Internet kräftig kommentiert und auch von der Region nicht in Zweifel gezogen. "Der Ranger ist Vollzugsbeamter und vereidigt", sagt wiederum Sprecherin Kreutz, Holte solle ordnungsrechtlich Verstöße gegen die Dümmer-Steinhuder-Meer-Verordnung verhindern. Ein "leichtes Touchieren" gehöre zu den aus Sicht der Region legitimen Möglichkeiten, für die Einhaltung von Regeln zu sogen.

"Das ist ein absolutes Unding", sagt dagegen Thomas Iseke, selbst Kite-Surfer und angesehener Kommunalpolitiker der Stadt. Der FDP-Ratsherr spricht von "absoluter Lebensgefahr", in die der Surfer gebracht werde, wenn ihn ein Boot unvermittelt ramme. Denn ein "leichtes Touchieren" sei bei den Geschwindigkeiten auf dem Meer nicht möglich. Für Iseke völlig unverständlich: "Es gibt vereinzelt Surfer, die Grenzen überfahren; doch die gefährden niemanden." Wenn auf der Autobahn ein Fahrzeug zu schnell unterwegs sei, gehe die Polizei seines Wissens nach auch nicht das Risiko ein und versuche, den Fahrer durch Rammen und  aufzuhalten. Iseke will jedenfalls seine parteipolitischen Verbindungen spielen lassen, um "Rambo-Manieren künftig zu verhindern." Die Wasserfläche des Steinhuder Meeres gehöre dem Land Niedersachsen. Er werde den FDP-Landesvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Stefan Birkner um Unterstützung bitten. "Diese Hatz auf Wassersportler müsse ein Ende haben.

Auch Johannes Franke, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Notgemeinschaft Steinhuder Meer, hat sich eingeschaltet. In einem offenen Brief an Regionspräsidenten Hauke Jagau (SPD). "Ich fordere Sie auf, vor Beginn der Wassersportsaison auf dem Steinhuder Meer einzuschreiten und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen." Es dränge sich seiner Meinung nach auf, "Herrn Holteb das Motorboot ab sofort nicht mehr zur Verfügung zu stellen." Dem Ranger fehle "offenbar jedes Augenmaß bei Ausübung seiner Dienstgeschäfte". Franke spricht von "Straftatbeständen", die dazu führen müssten, dass der Regionspräsident "die zuständige Staatsanwaltschaft" einschalten werde.

Die Region wiederum sieht bisher keinen besonderen Handlungsbedarf. Der Ranger - laut Iseke bisher "nur durch einen Strohhut auf dem Boot auffallend" - soll, sagt Sprecherin Kreutz, "in Funktion und Kleidung stärker erkennbar" ausgestattet werden.

Von Dirk von Werder

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