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Neues Baugebiet soll von Süden her wachsen

Neustadt Neues Baugebiet soll von Süden her wachsen

Die Nachfrage nach Wohnraum in Neustadt ist ungebremst - nun steht auch ein Gebiet zur Entwicklung an, das vor Jahren zunächst zurückgestellt worden war. Die Rede ist von einem weitläufigen Areal zwischen Landwehr und Siemensstraße, zu dem auch das Gelände der früheren Eisenhütte gehört.

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Nach Plänen der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Neustadt (GEG) wird ein mögliches Baugebiet rund um das ehemalige Hüttengelände vom Süden her erschlossen.

Quelle: Kathrin Götze

Neustadt. Insgesamt gut 180.000 Quadratmeter umfasst das Gelände. Im Rahmenplan sind 180 bis 270 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sowie 90 Einfamilienhäuser vorgesehen, außerdem ein Lebensmittelmarkt, eine Kindertagesstätte sowie eine Einrichtung zum Service-Wohnen für Senioren. Eigentümer des Geländes sind die  Grundstücksentwicklungsgesellschaft Neustadt (GEG), eine Tochter der städtischen Wirtschaftsbetriebe, und die Volksbank-Entwicklungsgesellschaft.

Wie Sven Kannegießer von der GEG berichtet, soll das Gelände zunächst von der Südseite, der Siemensstraße aus erschlossen werden. Die ersten Bauabschnitte liegen auf Grundstücken, die aktuell als Ackerflächen genutzt werden. Gen Norden wird es komplizierter. Auf dem alten Hüttengelände ist der Boden mit Schlacken aus der frühindustriellen Phase Neustadts belastet, lag daher über Jahrzehnte brach. In dieser Zeit ist dort ein Naturidyll entstanden, das unter anderem etliche gefährdeten Tier- und Pflanzenarten beheimatet.

Jede Entwicklung dort finde also in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover statt. Auf deren Beratung basieren die Pläne, die die GEG jetzt in den politischen Gremien der Stadt vorstellt. "Dort liegen glücklicherweise nur Feststoffe - nichts, das ausdünstet oder das Grundwasser belastet", sagt Kannegießer.Belasteter Boden werde je nach Nutzung ausgetauscht - etwa, wo Kinder spielten - oder versiegelt, wie unter Gebäuden oder Straßenflächen.

Nachfrage nach Häusern und Wohnungen dort gebe es schon lange, sagt Kannegießer, er habe bereits 30 Interessenten auf seiner Liste. Die Grundstückspreise sollen im Rahmen des Üblichen bleiben, werden die aktuell im Baugebiet Auengärten gehandelten 190 Euro pro Quadratmeter voraussichtlich nicht überschreiten.

Die Entwickler haben ihren Plan schon einmal im Umwelt- und Stadtplanungsausschuss vorgestellt, werden das noch einmal in der nächsten Sitzung des Ortsrats Neustadt tun, die am Mittwoch, 4. Oktober, 18 Uhr, im Raum 7 des Veranstaltungszentrums Leinepark beginnt. Konkrete Abstimmungen sind zunächst noch nicht vorgesehen. Die Idee, auf der großen Brachfläche Wohnungen zu entwickeln, hat bei Verwaltung und Politik Rückenwind. Im vergangenen Jahr haben es CDU und SPD-Ratsfraktionen als ein gemeinsames Ziel ihrer Zusammenarbeit im Rat genannt.

Industriegeschichte: Neustädterin schreibt über Eisenbahnkönig

Mit einem interessanten Akteur aus Neustadts Industriegeschichte beschäftigt sich Susanne Höger-Kunze in einem Aufsatz für den Museumsverein. Das Wirken des "Eisenbahnkönigs" Bethel Henry Strousberg in Neustadt ist eng mit dem Hüttengelände verknüpft. Strousberg (1823 - 1884) war ein Meister der Selbstdarstellung und der Kontaktpflege gewesen, er fungierte etwa beim Bau der Eisenbahnlinie Tilsit-Insterburg ab 1862 in Ostpreußen als Generalagent. Bis 1868 habe er in Preußen bereits 1000 Kilometer Bahnstrecke gebaut, erhielt dann die Konzession zum Bau weiterer 900 Kilometer in Rumänien.

Strousberg habe bei seinen Projekten stets als Generalunternehmer agiert und angestrebt, möglichst viele Arbeitsschritte in eigenen Händen zu halten. Daher habe er ständig Industriebetriebe aufgekauft - darunte auch die Neustädter Hütte mit der hoch herrschaftlichen Direktorenvilla, die noch heute an der Landwehr steht. "Auf dem Höhepunkt seiner Macht beschäftigte er nach eigenen Angaben 150.000 Menschen und hatte ein Vermögen von 50 Millionen Talern", schreibt die Heimatforscherin.

Die Neustädter Hütte habe Strousberg 1869 nach einem Konkurs aufgekauft und wieder in Schwung gebracht, habe dort bereits zwei jahre später 400 Männer beschäftigt, Bleche, Gußwaren und Roheisen produziert. Er holte Arbeiter in die Stadt, ließ für sie Wohnungen in der Nähe bauen. Auf diese Ansiedlungen gehe die katholische Gemeinde in Neustadt zurück, auch eine Schule ließ er einrichten.

Dauerhaftes Glück sei ihm dennoch nicht beschieden gewesen: "Sein Konkurs 1876 mit einer schuldensumme von 100 Millionen mark soll der bis dahin größte in Deutschland gewesen sein", heißt es im Bericht, den Höger-Kunze nun einer Sammlung des Museumsvereins zu Lebensgeschichten bedeutender Neustädter hinzufügen wird.

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