Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Aus Neustadt zum G7-Gipfel in Italien

Neustadt Aus Neustadt zum G7-Gipfel in Italien

Wenn Ende Mai die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder in Rom zusammenkommen, mischt auch eine gebürtige Neustädterin mit: Rona van der Zander arbeitet gerade mit einer Jugenddelegation an einem Papier, dass unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem US-Präsidenten Donald Trump vorgelegt wird.

Voriger Artikel
Grundbesitzer fühlen sich ausgesperrt
Nächster Artikel
Ein Kinoerfolg kommt auf die Bühne

Rona van der Zander ist in der Welt zuhause - nun diskutiert sie als Delegierte beim G7-Jugendgipfel über globale Herausforderungen.

Quelle: privat

Neustadt. Zur Person: Rona van der Zander (27) wurde in Neustadt am Rübenbergen geboren und verbrachte dort ihre Schulzeit bis zum Abitur am Gymnasium Neustadt 2009. Kurz darauf begann ihre Reise durch die Welt: Als Sprachlehrerin arbeitete sie über neun Monate in China und bereiste den asiatischen Kontinent. Darauf folgte ein Studium in Nizza, bevor sie Frankreich wieder verließ um nach Nottingham, England, umzusiedeln. Gelebt und gearbeitet hat die Wahlberlinerin inzwischen in insgesamt acht Ländern, darunter neben den genannten in Kambodscha, Australien, Myanmar und die Vereinigten Staaten von Amerika - überwiegend im Zuge von Projekten mit den Vereinten Nationen (UN). Derzeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit, gründet ihre eigene Firma und bereitet sich auf den G7-Gipfel in Italien vor.

Es sind intensive Tage, die Rona van der Zander gerade erlebt. „Manchmal arbeite ich bis in die Nacht“, sagt die 27-Jährige. „Aber es macht Spaß.“ Ihr Studium ist fast vorbei – nur die Masterarbeit muss sie noch fertig schreiben. Und auch für das Berufsleben wappnet sich die gebürtige Neustädterin gerade, indem sie in Berlin ihre eigene Firma gründet. Als wäre das noch nicht genug, sucht sie in diesen Tagen mit jungen, politisch engagierten Menschen aus sieben Ländern nach Lösungen für die Probleme der Welt und globale Herausforderungen: Der G7-Gipfel in Italien steht an, und Rona van der Zander steuert als Delegierte ihren Teil dazu bei.

Vom 7. bis zum 9. Mai sind beim Jugendgipfel in Rom jeweils vier Vertreter aus sieben Nationen zusammengekommen. Sie diskutierten zum Beispiel über eine Erneuerung des Bildungssystems, die Chancen der Digitalisierung sowie Veränderungen im Berufsleben und im Wohlfahrtssystem. Ort der Verhandlungen ist die geschichtsträchtige Villa Mondragone, die Eröffnungszeremonie wurde in jenem Raum abgehalten, in dem Papst Gregor XIII im Jahr 1582 den Gregorianischen Kalender geltend gemacht hatte. "Heute haben wir den ganzen Tag lang verhandelt", sagt van der Zander. Manche Themen hätten ein bisschen mehr Zeit in Anspruch genommen, aber schlussendlich sei man doch auf der gleichen Wellenlänge gewesen. "Letztlich sind die Herausforderungen doch sehr ähnlich, die jungen Vertreter der G7-Staaten auf einer Linie und wollen das gleiche für ihre Länder und die Zukunft", sagt die gebürtige Neustädterin.

Viele Ideen, viele Kompromisse

Ganz unkompliziert ist die Aufgabe für die jungen Delegierten nicht. Denn nach den Debatten in Rom soll ein Schriftstück entstehen, dem jeder einzelne Jugendvertreter ohne Einschränkung zustimmt. Erst dann kann es an den italienischen Premierminister Paolo Gentiloni übergeben werden. "Sieben Staaten mit vier Individuen und man muss einfach einen Konsens finden - dieser Prozess ist unglaublich spannend", sagt van der Zander. Dafür müsse man viel lesen, zuhören können und auch für Standpunkte offen sein, die auf den ersten Blick vielleicht unrealistisch erschienen. "Wir haben inzwischen eine 'neue Agenda' erarbeitet, wie die Bildung für junge Menschen an unsere aktuellen Herausforderungen angepasst werden soll", sagt sie. " Und es ist sehr gut geworden." Am Mittwoch werden dann die Ergebnisse in besagtem Dokument zusammengeführt und an Premierminister Gentiloni übergeben.

Das politische Papier der Jugenddelegation habe durchaus Gewicht, betont die 27-Jährige: "Bis jetzt fühlen wir uns ernst genommen." So hat sie gute Chancen darauf, mit ihrem Standpunkten einige der mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt zu beeinflussen - darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump, der in Italien erstmals als Regierungschef europäischen Boden betreten wird. Sie sollen die gesammelten Ideen aus dem Jugendgipfel vorgelegt bekommen, wenn sie selbst Ende Mai auf Sizilien zum G7-Gipfel zusammenkommen.

Die Jugend hat etwas zu sagen

Besonders gespannt sei sie auf die Deligierten aus den USA und Großbritannien gewesen, sagt van der Zander. Denn vor allem im Vereingten Königreich hätten junge Menschen andere politische Ansichten als etwa die älteren Briten. "Den Brexit haben die jungen Leute nicht gewählt", sagt die 27-Jährige. Und dennoch wird er nun kommen. Situationen wie diese könnten zu einer Politikverdrossenheit führen. "Deshalb muss jungen Menschen wieder das Gefühl gegeben werden, ihr könnt etwas bewirken und ihr werdet gehört", sagt van der Zander. Sie denkt dabei auch an die Menschen aus ihrer Heimatstadt. "Ich würde auch gerne mal zu meiner alten Schule zurückkehren und den Schülern erzählen, was man alles machen kann", sagt sie.

Auch wenn sie gerade in der Welt zuhause ist, hält van der Zander eine Rückkehr ans Steinhuder Meer nicht für ausgeschlossen: "Es war eine super Stadt, um dort aufzuwachsen." Zwar fühle sie sich gerade sehr wohl in Berlin - "Aber sag niemals nie."

Die Vernetzte schafft ein Netzwerk

Ihre Erfahrungen im Ausland hat Rona van der Zander inzwischen in eine Geschäftsidee umgemünzt: Über ihr Netzwerk Growbeyound sollen junge Menschen ins Ausland vermittelt werden, um eine internationale Karriere starten zu können. "Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass ich fast wöchentlich Anfragen von jungen Leuten bekomme, die gerne ins Ausland gehen möchten und nicht wissen, wie sie anfangen wollen", sagt die 27-Jährige. Zur Vorbereitung bietet sie Schulungen an, die den Einstieg in das Arbeitsleben eines fremden Landes vereinfachen sollen. Dazu wird ein Profil von persönlichen Stärken und Schwächen erstellt. Rat sollen auch Experten aus dem jeweiligen Land geben, in das eine Vermittlung gewünscht wird. "Es geht auch darum, in dieser Anti-EU-Stimmung einen Gegenpol zu setzen", sagt van der Zander. Sie wolle sich dazu besonders für Frauen einsetzen, um ihnen eine Karriere in einer von Männern dominierten Welt zu ermöglichen. In gut 15 Länder hat das noch junge Netzwerk bereits Kontakte geknüpft. Die Arbeitserfahrung im Ausland soll sich gleichermaßen auf die Persönlichkeit und den Lebenslauf auswirken.

doc6up7edo63091hzmhh2gn

Die vier Delegierten aus Deutschland (von links): Rona van der Zander, Armand Zorn, Maxi Pethoe-Schramm und Anna Raiß.

Quelle: privat

Von Nils Oehlschläger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6wauy69bffqaeata669
Tragisches Ende eines Anglertreffens

In der Alten Leine wurde ein toter Angler gefunden.