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Schlachterei wagt den Neustart

Bordenau Schlachterei wagt den Neustart

Ein Traditionsbetrieb vor dem Neustart: Die Schlachterei Schilder ist EU-zertifiziert - und lädt das Dorf zum Fest ein.

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Dirk Schilder (links) ist Chef der Bordenauer Großschlachterei, Ehefrau Jessica und Vater Georg sind ebenfalls im Betrieb aktiv. Mit Annabell (6), Tom (5) und Carolin (8) wächst die fünfte Generation heran.

Quelle: Patricia Chadde

Neustadt. Als gelernter Fleischer, Koch und Küchenmeister führt Dirk Schilder (32) die Bordenauer Großschlachterei Schilder & Sohn in vierter Generation. 106 Jahre Familien- und Weltgeschichte liegen zwischen dem Meisterbrief von Unternehmensgründer Josef Otto Schilder aus dem schlesischen Münsterberg und der EU-Zertifizierung, die sein Urenkel Dirk Anfang Juni für den Bordenauer Betrieb erhalten hat.

Im Neustädter Land gibt es neben Bordenau nur noch Schlachtbetriebe in Metel und Mandelsloh, außerhalb der Stadtgrenzen auch in Schwarmstedt und Dedensen. Dabei bedeuten kurze Wege von Stall oder Weide ins Schlachthaus geringen Transportstress für die Tiere. „Viele Landwirte gehen verstärkt in die Selbstvermarktung“, beobachtet Georg Schilder (71) den Trend zur Hausschlachtung. Jungbullen werden mit etwa zwei Jahren geschlachtet, wenn sie 300 bis 450 Kilogramm auf die Waage bringen; Schweine nach fünf oder sechs Monaten mit etwa 90 Kilogramm. Es fordert geübte Handarbeit von Vater und Sohn, die Rinder zu Filet, Roastbeef, Braten, Rouladen, Mett und Gulasch zu zerteilen, auszulösen und zu vakuumieren.

Im Laufe von mehr als 100 Jahren Firmengeschichte haben sich auch herausragende Ereignisse ins Gedächtnis geprägt. So war das älteste Schwein, das in Bordenau unters Messer kam, 16 Jahre alt. Es gehörte einem Einsiedler aus Schessinghausen. Das Fleisch war besonders trocken, hatte eine „Riesenfarbe“ und schmeckte fantastisch, erinnert sich Georg Schilder.

„Geschächtet wird nicht, die EU-Schlachtverordnung gilt natürlich für alle Tiere“, erklärt Dirk Schilder. Auch Ziege und Wild werden verarbeitet, „nur Pferd ist verpönt“, sagt Georg Schilder.

Viele Trends spiegeln sich im Leistungsspektrum der Schlachter wider. Nachdem die Hausschlachtung Ende der Fünfzigerjahre rückläufig war, wurde Spanferkel modern. Es folgte der Partyservice, der in Bordenau aktuell mit einem kleinen Ladengeschäft ergänzt wird. „Wir schlachten hier nur Tiere aus der Region“, sagt Dirk Schilder, der einen großen Teil seiner Arbeitszeit am Schreibtisch sitzt. Heute werden Herkunft und Lebensweg des Viehs detailliert dokumentiert.

Jessica und Dirk Schilder laden für Sonntag, 28. Juni, 10 bis 18 Uhr, zu einem großen Hoffest in die Bordenauer Straße 81 ein. Dann können Besucher einen Blick in den modernen Schlachtbetrieb werfen, Würstchen, Burgunderbraten und Spanferkel oder Kaffee und selbst gebackenen Kuchen genießen.

Aus der Chronik der Fleischerei

1897: Otto Josef Schilder erhält seinen Gesellenbrief als Fleischer.

1909: Clara und Otto Josef Schilder machen sich in Münsterberg mit einer Fleischerei selbstständig, nach bestandener Meisterprüfung von Otto Josef.

1946: Die Familie muss Schlesien verlassen und siedelt nach Bordenau. Georg senior öffnet später einen Viehhandel am Dammkrug, sein Bruder Albrecht eine Fleischerei am Standort der heutigen Holunder-Apotheke.

1968: Georg Schilder senior und junior müssen den Dammkrug wegen des B-6-Ausbaus verlassen und bauen auf dem alten Sportplatz an der Bordenauer Straße 81 einen neuen Schlachtbetrieb mit Wohnhaus.

2014: Dirk Schilder übernimmt die Großschlachterei mit Partyservice im Oktober.

2015: Am 4. Juni erhält Schilder & Sohn die fünfjährige EU-Zertifizierung.

Von Patricia Chadde

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