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Scharrels vergessenes Bauland

Neustadt Scharrels vergessenes Bauland

Ein Grundstückskauf in Scharrel, 1973 getätigt, war für mindestens 20, seinerzeit stolze neue Eigentümer, ein denkbar schlechtes Geschäft.

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Michael Drosch an seiner Parzelle, auf der er einst hatte bauen wollen und nicht durfte.

Quelle: Faber

Scharrel. Fünf Mark pro Quadratmeter zahlten die Eheleute Drosch aus Neustadt Ende 1973 für ihre Parzelle südlich der Resser Straße: 1000 Quadratmeter Fläche am Rande der Ortslage, die Natur vor dem künftigen Gartentor. Eigentümerin zuvor: Die Gemeinde Scharrel, die es gegen Ende ihrer Eigenständigkeit auf Wachstum angelegt hatte. Angrenzend - Im kleinen Moore - waren sämtliche Plätze längst verfügt, teilweise schon bebaut. Was sollte also schief gehen im nächsten Abschnitt, der als Bauerwartungsland verkauft wurde. Michael und Marlis Drosch einigten sich mit der Gemeinde, am 16. November 1973 wurde der Kaufvertrag notariell unterschrieben. Die Parzellen waren vermessen, Aufbruchstimmung erfasste Drosch und seine potenziellen Nachbarn. Im Frühjahr wollten die meisten an zu bauen fangen.

Doch im Frühjahr wurde besiegelt, was sich Stück für Stück seit mindestens zwei Jahren abgezeichnet hatte - Niedersachsen stellte seine kommunalen Strukturen um, kleine Gemeinden hatten ausgedient, sollten sich zusammenschließen. Scharrel wurde ein Teil der Stadt Neustadt, eines von 33 Dörfern, die in der neuen Stadt eingemeindet wurden. Ein weiteres Baugebiet? Rat und Verwaltung in Neustadt hatten andere Sorgen als diese, und bald schon ganz andere Vorstellungen von Stadtentwicklung.

Drei Jahre später waren die meisten Eigentümer desillusioniert. Auch Drosch. "Als 1977 immer noch kein Baugebiet ausgewiesen war, sind wir sind zur Stadt, haben denen nahegelegt, das Gelände zurückzukaufen." Das aber wollte die Kommune denn auch wieder nicht. Und so schlossen sich die Eigentümer zusammen, gründeten eine Interessengemeinschaft, zahlten jeder 300 Mark - Drosch: "ganz schön viel Geld, damals" - und schalteten einen Anwalt ein. Weitere elf Jahre gingen ins Land, auf der Parzelle machten sich längst Bäume und Büsche breit, dann äußerte der Anwalt, das Verfahren sei als abgeschlossen zu betrachten. Die Stadt wolle dort kein Bauland ausweisen; von einer Klage rate er ab: keine Aussicht auf Erfolg.

Michael Drosch fährt nur noch selten zu seinem Land. "Was soll ich da?" Kiefern, Birken, kleine Eichen stehen darauf. In Scharrel, das weiß er auch, wird mittlerweile Bauland gesucht. Vermutlich werden Flächen ganz in der Nähe des damaligen Bauerwartungslandes ausgewählt, die dichter am Ortskern liegen und in Nachbarschaft zu bereits bebauten Flächen. Ihn ärgert nur, dass die Stadtverwaltung in den 1980er und -90er Jahren jeden Versuch einer bescheidenen Nutzung der Parzellen unterbunden hat. Wer seine Parzelle einzäunte und als Garten nutzen wollte, musste zurückbauen. Jahrelang hätte die Bauverwaltung penibel darauf geachtet, mittlerweile nicht mehr. Manche Fläche werde wieder bewirtschaftet, das sei auch gut so. Droschs werden nichts unternehmen - "jetzt nicht mehr."

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Von Dirk von Werder

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