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"Ich hatte ein ganz eigenartiges Gefühl"

Neustadt "Ich hatte ein ganz eigenartiges Gefühl"

Murat Köse, Vorsteher der türkisch-islamischen Gemeinde in Neustadt, ist nach dem Putschversuch in der Türkei noch in der Nacht mit acht weiteren türkischstämmigen Neustädtern nach Hannover gefahren, um vor dem Konsulat Unterstützung für die gewählte Regierung zu demonstrieren.

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Cuma Özen (von links), Harun Bayrak und Murat Köse unterhalten sich vor der Teestube der Neustädter Moschee über die Ereignisse in der Türkei. Die Flagge hängt allerdings schon seit der Fußball-EM im Fenster.

Quelle: Kathrin Goetze

Neustadt. Köse, 38-jähriger Familienvater und Maschinenbauingenieur bei Volkswagen, hält sich sonst mit politischen Statements zurück. Er erklärt, was ihn angetrieben hat, auch zur Mahnwache am Folgetag zu fahren:

Herr Köse, wie haben Sie von dem Putsch erfahren?

Wir haben es über die türkischen Medien erfahren, im Fernsehen, über Facebook, wie die meisten anderen wohl auch. Wir waren alle ganz schön erschrocken."

Wie haben Sie reagiert?

Ich hatte die Nacht über ein ganz eigenartiges Gefühl. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, fahre sonst nur zum Urlaub in die Türkei, wie viele andere auch. In der Nacht habe ich das erste Mal eine so starke Verbundenheit zur Türkei gespürt und gedacht, ich muss was machen. Ich habe erst gedacht, wir müssen eine Mahnwache in Neustadt organisieren. Dann kam der Aufruf zum Treffen in Hannover. Acht Freunde und Bekannte und ich sind noch nachts hingefahren.

Worum ging es Ihnen? Sie wissen, dass Präsident Erdogan in Deutschland eher kritisch betrachtet wird...

Wir wollten zeigen, dass wir hinter der gewählten Regierung stehen. Es waren nicht nur Anhänger von Erdogans AKP dabei, denn es geht ums Prinzip. In der Türkei hat es schon mehrere Militärputschs gegeben, allesamt haben nichts Gutes für die Bevölkerung bewirkt.

Es gibt Befürchtungen, dass alles nur fingiert war, um Erdogan zu stärken.

Das kann ich mir nur schwer vorstellen, wenn man sieht, wie die Menschen reagieren. Ich glaube, wenn ein Herr Erdogan sich so etwas erlauben würde, und das kommt raus, dann würde er glatt gelyncht. 

Haben Sie Freunde und Verwandte in der Türkei? Wie geht es denen?

Ja, wir sind die einzigen aus unserer Familie, die im Ausland leben. Die Verwandtschaft wohnt in Anatolien. Dort ist es friedlich, allen geht es gut.

Wollen Sie weiter demonstrieren?

Nein, erst einmal ist ja Ruhe eingekehrt. Aber wir beobachten genau, wie es weiter geht, ich bin die ganze Zeit in Aktion, um E-Mails und Facebook-Nachrichten in alle Richtungen zu schreiben. So etwas treibt einen schon ganz schön um.

Erkan: "Jetzt müssen Weichen für mehr Demokratie gestellt werden"

Mustafa Erkan, Landtagsabgeordneter aus Neustadt mit türkischen Wurzeln, ist gerade zum Urlaub in der Türkei. Er schrieb am Sonntag: "Das war schon eine schlaflose Nacht die ich hier im Urlaub mit meinen Freunden aus Neustadt erlebt habe! Ich stand die ganze Zeit in engem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und unserer Deutschen Botschaft in der Türkei. Wir waren immer auf dem Laufenden. Viele Freunde und Bekannte aus Deutschland und auch aus Neustadt waren hier in der Gegend ebenfalls im Urlaub. Ich konnte sie beruhigen, dass ihnen und uns keine Gefahr droht.

Eine demokratisch gewählte Regierung mit Gewalt zu stürzen, widerspricht allem, woran ich glaube. Jetzt müssen die Weichen in Richtung mehr Demokratie in der Türkei gestellt werden. Europa und wir als Deutschland müssen unsere türkischen Freunde und Partner in diesem wichtigen Prozess ganz eng begleiten!"

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Mustafa Erkan (SPD)

Quelle: privat

Von Kathrin Götze

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