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Nach Horrorcrash ein schwerer Weg ins Leben zurück

Neustadt Nach Horrorcrash ein schwerer Weg ins Leben zurück

Dieser Unfall kennt nur Opfer: ein junger Neustädter, als Unfallfahrer für den Tod zweier Freunde verantwortlich, kehrt als Pflegefall zurück. Seine Schwester will sich um ihn kümmern, benötigt aber eine andere Wohnung.

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Trauer am Unfallort.

Quelle: von Werder

Neustadt. „Wir lassen ihn nicht allein, er soll bei uns am täglichen Leben teilhaben“, sagt die Schwester. Das ist in der aktuellen Bleibe im 2. Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses aber nicht möglich. Hier wohnt die 24-Jährige mit einer weiteren Schwester und ihrer Mutter in einer 72 Quadratmeter großen Wohnung, in der auch der Bruder zu Hause war. Das größte Problem: 38 Treppenstufen sind von Haus- bis Wohnungstür zu überwinden. Für den auf den Rollstuhl angewiesenen Bruder ist das unmöglich.

Im Februar 2015 hatte der damals 19-Jährige auf der Bundesstraße 6 zwischen Bordenau und Frielingen einen Unfall verursacht - zwei seiner Freunde starben. Das Auto war, soviel ist gutachterlich belegt, viel zu schnell unterwegs. Zwei Insassen, 21 und 24 Jahre, waren sofort tot, der Fahrer überlebte mit schwersten Verletzungen. Seit dem Unfall hat er diverse Krankenhausaufenthalte hinter sich, ist zur Zeit in einer Rehaklinik. Und wird nach seiner Rückkehr vermutlich immer auf Pflege angewiesen sein. „Was passiert ist, ist schrecklich für alle Beteiligten. Mein Bruder kann es leider nicht wieder gut machen“, sagt seine Schwester.

Die türkischstämmige Familie sucht nun eine Erdgeschosswohnung. Wegen der Nähe zum Krankenhaus am liebsten in der Kernstadt. „Wir sind alle Neustädter, wir drei Kinder sind alle hier geboren“, sagt die 24-jährige Studentin.

Doch bisher sind alle Versuche gescheitert, eine Bleibe mit etwa 90 Quadratmetern Wohnfläche zu finden. Bis 650 Euro Warmmiete kann die Familie aufbringen.

Enttäuscht ist die Familie vom Bauverein Neustadt. Eine zunächst erteilte Zusage für eine neue Wohnung sei zurückgezogen worden, sagt die Schwester. "Offiziell hieß es, dass eine benötigte Rollstuhlrampe im Treppenhaus zu viel Lärm machen würde“, sagt sie, fragt sich aber auch, ob nicht die Kopftücher eine Rolle gespielt haben könnten, die sie, ihre Mutter und Schwester tragen.

Lutz Nolte, Vorstand des Bauvereins, sagte auf Anfrage, er kenne den Fall bisher nicht, habe aber Zweifel an der Darstellung: „Das kann nicht sein. In unseren Wohnungen hat fast jeder zweite Mieter einen Migrationshintergrund. Und der Rollstuhl oder der eventuelle Lärm können auch kein Grund für die Absage sein.“

Unabhängig davon: Für die Familie drängt die Zeit. Voraussichtlich Ende März soll der pflegebedürftige Mann dauerhaft nach Hause kommen. Wer eine entsprechende Erdgeschosswohnung vermieten möchte, kann sich unter neustadt@haz.de melden. Wir leiten Angebote weiter.

Von Benjamin Gleue und Dirk von Werder

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