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Schüler schreibt Buch über sein Wunschleben

Koldingen Schüler schreibt Buch über sein Wunschleben

Benjamin sieht die Welt anders als viele seiner Mitmenschen. Er hat das Asperger-Syndrom, den "unsichtbaren Autismus", wie es oft genannt wird. In einem Buch hat der 14-Jährige jetzt seine Vorstellung von seinem Traumleben beschrieben. In diesem lebt er in Eintracht mit der Natur im Wald.

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Benjamin (rechts) arbeitet mit Friederike Seeger an seinem Buch.

Quelle: Stephanie Zerm

Koldingen. Vier Jahre lang haben die Arbeiten an dem Buch "Mein Waldhaus" gedauert. Unterstützung bekam Benjamin dabei von Friederike Seeger, die mehrere Jahre lang seine Schulbegleiterin war und von ihm vertrauensvoll "Friedeline" genannt wird. "Wir haben uns regelmäßig getroffen und gemeinsam an dem Buch gearbeitet", berichtet die studierte Pädagogin, die nun gemeinsam mit Benjamin einen Verlag sucht, der das Manuskript veröffentlicht.

Die Idee zu dem Buch ist Benjamin bei einem Spaziergang im Wald gekommen, als er neun Jahre alt war. "Ich habe mir damals gedacht, in einem Jahr bin ich fertig mit dem Buch", berichtet der heute 14-Jährige. "Nun haben wir viel länger gebraucht, weil uns immer mehr eingefallen ist." Für das Schreiben hätten sich beide Zeit genommen und auch viel dabei gelacht. "Das hat mir viel Freude gemacht", sagt Benjamin, der sich in seinem Buch eine eigene Welt erschaffen hat. Darin lebt er in einem kleinen Haus mitten im Wald, hält Kühe, Schafe, Katzen und einen Hund. Damit es ihm nicht zu einsam wird, erschafft ihm eine Fee einen Freund. "Der sieht aus wie Pippi Langstrumpf - ist aber ein Junge", erzählt Benjamin, der die 8. Klasse der Ernst-Reuter-Schule (KGS) Pattensen besucht und nach dem Abitur Informatik studieren will.

In seinem Buch beschreibt Benjamin, wie er Butter und Käse herstellt, Kühe zu der Musik von Mozart melkt und Schafe schert. Das Wissen darüber hat er sich auf Wikipedia angelesen - denn das Online-Lexikon gehört zu seiner Lieblingslektüre.

"Benjamin ist ein Junge mit besonderen Begabungen", sagt Friederike Seeger. "Er hat ein großartiges Gedächtnis, ist ein Computerfreak, lernt schnell und muss nicht viel pauken." Da er sehr wach und empfindsam sei, sei ihm früher oft alles zuviel geworden. "Nachdem das in den ersten Schuljahren sehr extrem war, und er überfordert war von der Flut an Informationen, hat er gelernt, sich selber zu schützen", berichtet Seeger. So könne er heute auch einen hohen Geräuschpegel in der Klasse ertragen - was früher für ihn der reinste Horror war.

"Asperger-Autisten müssen im sozial-emotionalen Bereich viele Frustationen erleben, und lösen sie auch oft bei anderen aus", erklärt die Pädagogin. Ihnen fehlten die Spiegel-Neuronen im Gehirn, die für das Empfinden von Empathie und Mitgefühl verantwortlich seien. Dies habe Benjamin jedoch lernen können. "Ich habe ein großes Herz", sagt dieser bestätigend. So legt er auch großen Wert darauf, dass es den Tieren in seinem Buch gut geht. Wenn die Kühe gemolken werden, hören sie Mozartmusik und bekommen den Rücken massiert, und die Hunde dürfen am warmen Ofen schlafen.

"Ich glaube, wenn ganz viele Menschen so mit der Natur verbunden leben könnten wie ich in meinem Waldhaus, wären sie glücklicher, und die Welt wäre friedlicher", sagt Benjamin, der in seinem wirklichen Leben auch auf dem Land, in Koldingen, wohnt.

"Wenn ich einmal unglücklich bin, gehe ich in meinen Gedanken in mein Waldhaus", berichtet der 14-Jährige - und rät den Lesern im Schlusswort seines Buches: "Und wenn du dir dein eigenes Waldhaus wünschst, so baue es dir in deinen Träumen oder finde ein Stück Land und erfülle dir deine Träume."

Asperger-Syndrom ist eine Kontaktstörung
Das Asperger-Syndrom ist eine Kontakt- und Kommunikationsstörung, die als abgeschwächte Form des Autismus gilt. Typisch sind mangelndes Einfühlungsvermögen, starres Festhalten an Gewohnheiten, motorische Auffälligkeiten sowie ausgeprägte Spezialinteressen. In der Schule fällt es Kindern mit Asperger-Syndrom oft schwer, sich an Regeln zu halten. Dafür beeindrucken sie in bestimmten Teilbereichen, etwa in der Mathematik, mit enormem Detailwissen. Viele haben ein ausgesprochen gutes Gedächtnis, eine große Leistungsbereitschaft und ein fotografisches Gedächtnis.

Von Stephanie Zerm

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