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Toter Soldat bleibt einfach stehen

Pattensen-Mitte Toter Soldat bleibt einfach stehen

In Hildesheim und Hannover wehten die weißen Flaggen - meist Betttücher. Doch das kleine Pattensen sollte gehalten werden. So starben dort kurz vor Kriegsende, am 8. April 1945, 44 Menschen im Bombenhagel.

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Eine Gedenktafel auf dem Friedhof an der Jeinser Straße in Pattensen erinnert an die Tragödie am 8. April 1945. Hinter der Mauer sind die Grabsteine der getöteten Frauen und Kinder sowie 13 Soldatengräber (Bildhintergrund rechts).

Quelle: Kim Gallop

Pattensen-Mitte. Schon am Vortag hatten die Bomber der Alliierten Flugblätter abgeworfen. Sie forderten die Bevölkerung auf, sich zu ergeben. Der in Pattensen stationierte Kommandant weigerte sich. Als die Panzer der Amerikaner vorrückten, wurden die beschossen. Die  Antwort: Am 8. April 1945 gegen 17 Uhr griffen amerikanische Tiefflieger an. 13 Häuser wurden zerstört, 44 Menschen getötet - Soldaten, Frauen und Kinder.

"Wir hatten ja ständig Fliegeralarm", erinnert sich Manfred Presuhn. Der heute 78-Jährige - pensionierter Dachdeckermeister und seit 25 Jahren Ratsmitglied - war damals sieben Jahre alt. Weil sein Elternhaus an der Ecke Steinstraße/ Talstraße stand - und dort noch heute steht - durfte er bei Alarm nach Hause laufen. Die anderen Kinder mussten hinter der Volksschule (heute Grundschule) in einem Erdwall Schutz suchen. Doch als Pattensen an diesem Sonntag bombadiert wurde, waren die meisten Kinder daheim.

Die Familie Presuhn war gerade bei einem frühen Abendessen: Eltern - der Vater war als Soldat im Krieg gewesen, wurde als Dachdecker aber an der zerbombten Heimatfront gebraucht -, Großeltern, der kleine Manfred und seine drei Geschwister. "Sie kamen im Tiefflug und es ballerte auch schon", erinnert sich Presuhn. "Meine Schwester hat sich in einem Abstellraum versteckt, mein jüngster Bruder hinter der Garderobe. Ich bin über den Hof in unseren Bunker gelaufen." Dort saß der kleine Junge mutterseelenallein. "Ich habe mächtig gezittert."

Als es ruhiger war, guckte er hinaus. Die benachbarte Schule hatte einen Volltreffer abbekommen: In dem Gebäude war das Infanterie-Bataillon stationiert. 

In die Nähe der Schule wagte sich der Junge erst am nächsten Tag. Dort war früher eine Gärtnerei. An einer Mauer neben einem Gewächshaus entdeckte der Siebenjährige einen Soldaten: tot. "Er stand dort, zwischen Mauer und Gewächshaus, und sein Helm saß ganz schief. Das weiß ich noch wie heute", sagt Presuhn leise. Da hat das Kind noch nicht erfahren, dass es seinen besten Freund verloren hat. Der Schulfreund starb, wie seine Mutter und seine Tante, in dem Haus am Kirchplatz (heute das Pastorenhaus am Corvinusplatz).

"Ich denke nicht oft daran zurück", sagt Presuhn. "Nur manchmal kommen Bilder und Erinnerungen hoch." Auf dem Friedhof an der Jeinser Straße erinnern heute die Grabsteine von Soldaten und Zivilisten sowie eine Gedenktafel an die Tragödie.

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