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Pflege: Hohe Anforderungen, niedriger Lohn

Pattensen-Mitte Pflege: Hohe Anforderungen, niedriger Lohn

Bürgermeisterin Ramona Schumann hat in ihrer Reihe "Schumann geht mit" die DRK-Sozialstation in Pattensen besucht. Krankenschwester Sabine Haß nahm sie mit auf eine Tour und gewährte einen Einblick in ihre Arbeit. Geschäftsführer Mario Damitz machte anschließend auf den Pflegenotstand aufmerksam.

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Krankenschwester Sabine Haß (links) nimmt Bürgermeisterin Ramona Schumann mit auf eine Pflegetour.

Quelle: Tobias Lehmann

Pattensen-Mitte. Pflegefachkräfte geben Spritzen, helfen beim Duschen, kaufen ein und sind für viele Bedürftige auch ein wichtiger Gesprächspartner. In der DRK-Sozialstation betreuen zurzeit 24 Fachkräfte und Pfleger insgesamt 154 Pattenser. Die Krankenschwester Sabine Haß und die Altenpflegerin Elke Wehrich üben ihren Job mit Leidenschaft aus. "Ich arbeite bereits seit 27 Jahren hier in der Station", sagt Wehrich.

Doch die Ansprüche sind hoch. Schließlich gehört zu ihrer Arbeit unter anderem auch, dass sie deutlich schwereren Menschen als sie selbst es sind, unter die Dusche helfen. "Doch dafür gibt es entsprechende Hilfsmittel", sagt Wehrich. Auch die psychische Belastung ist zuweilen hoch. "Mir hat ein Patient einmal gesagt, dass wir uns vielleicht noch einmal in sechs Wochen sehen, länger werde er nicht leben. Er starb dann kurz darauf", sagt Haß. Solche Erlebnisse müssten erst einmal verarbeitet werden.

Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren voraussichtlich steigen. "Wenn wir dem gerecht werden wollen, muss der Beruf attraktiver werden", sagt DRK-Geschäftsführer Mario Damitz. Bereits jetzt sei die Zahl der Fachkräfte so gering, dass einige Stationen regelrecht um sie wetteifern. Dabei sei die Bezahlung angesichts der Herausforderungen gering. Die Pflegesätze werden in den jeweiligen Bundesländern von den Krankenkassen ausgehandelt. "In den westlichen Bundesländern hat Niedersachsen die niedrigste Vergütung", sagt Damitz. 

Von den 17 DRK-Sozialstationen in der Region Hannover haben sieben bereits einen Aufnahmestopp. Dort müssten Patienten abgelehnt werden, weil die Mitarbeiter die Arbeit nicht mehr schaffen. "Dabei wollen wir helfen. Doch wenn 20-Stunden-Kräfte bereits regelmäßig 40 Stunden arbeiten, geht der Mitarbeiterschutz dann auch vor", sagt Damitz. Es sei wichtig, dass sich die Mitarbeiter bei ihrem Arbeitgeber auch wohlfühlen. "Ein gutes Betriebsklima ist in einem umkämpften Markt auch ein Wettbewerbsvorteil", sagt Damitz. 

Schumann bedankte sich bei den DRK-Mitarbeitern für den Einblick in ihre Arbeit. Sie hat gemeinsam mit Haß vier Patienten besucht. "Ich hatte den Eindruck, dass es den Patienten auch wichtig ist, wenn die Pflegekräfte ein wenig Zeit mitbringen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Doch gerade die Zeit fehlt häufig leider", sagt sie und schließt sich Damitz' Forderung an, dass die Bedingungen für den Beruf besser werden müssen.

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