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Bürgerschaftliches Engagement rettet Bad

Pattensen Bürgerschaftliches Engagement rettet Bad

Die Stadt Pattensen hatte Schulden - auch ab 2000 schon. Deshalb sollte das Hallen- und Freibad geschlossen werden. Das bürgerschaftliche Engagement in Pattensen rettete 2004 das Bad. Und erhält es bis heute.

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Wegweisend: Ein von Malermeister Mathias Reinsch gestalteter Leuchtturm schmückt seit 2008 die Fassade des Hallen- und Freibads Pattensen.

Quelle: Kim Gallop

Pattensen. Dass die Stadt kein Geld hat, ist also nichts Neues. Nach der Jahrtausendwende wurde die Forderung von Verwaltung und Politik immer lauter, das Bad zu schließen. Zu schwer drückten die Subventionen, zu abschreckend schien der Sanierungsbedarf für das schon damals 30 Jahre alte Gebäude.

Die Pattenser wollten an ihrem Bad festhalten, mehrere Konzepte wurden entwickelt und verworfen. 2003 arbeiteten Uwe Rosner, Uwe Gotthardt und Marcus Krohn insgeheim einen Plan aus, "wie man das Bad retten konnte, ohne viel zu investieren" (Gotthardt). Am 10. November 2003 wurde der Bad-Förderverein Rettungsring gegründet, mit zunächst acht Mitgliedern.

Schon für den 11. November 2003 hatte der Verein zu einer öffentlichen Versammlung im Ratskeller eingeladen, von der viele Pattenser immer noch schwärmen. Die Türen zum Gang mussten geöffnet werden, weil zu viele Menschen dabei sein wollten. Die allererste Vorsitzende Birgit Geyer konnte sich am Ende des hochemotionalen Abends über 718 Mitglieder freuen. Das Besondere - damals wie heute: Viele Mitglieder wollten nicht nur Beiträge zahlen, sondern sich aktiv einbringen. Bei der Pflege des Außengeländes, beim Erarbeiten von Energiesparmaßnahmen, beim Einwerben von Spenden.

In den folgenden Monaten gab es noch viel auszuhandeln. Das Bad sollte im Besitz der Stadt bleiben, die gemeinnützige Betreibergesellschaft musste aber mit begrenzten Zuschüssen auskommen. Es wurde ein Badmanager gesucht, der mit Fred Oeltermann schließlich gefunden wurde.

Am 17. Juni 2004 beschloss der Rat der Stadt Pattensen mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme die Übergabe des Bades an die Betreibergesellschaft. Am 1. Juli 2004 wurde diese Übergabe offiziell vollzogen. An diesem Vormittag besuchte eine vierköpfige Delegation der Stadtverwaltung das Bad: der damalige Bürgermeister Günther Griebe, der damalige Erste Stadtrat Klaus Grupe sowie Sylvia Düring und John Szymber, die beide bis heute beruflich mit den Geschicken des Bades befasst sind.

Das Quartett wurde empfangen von Fred Oeltermann, bis heute Geschäftsführer, und Uwe Gotthardt, bis heute Vorsitzender des Aufsichtsrats. In einem Zeitungsbericht hieß es: "Oeltermann und Gotthardt hoffen, dass die Bürger nun ihr Engagement für den Erhalt des Bades honorieren und zumindest zum Schwimmen kommen." Auch das ist bis heute so geblieben.

Rettungsring-Vorsitzender Klaus-Dieter Theur hat ein großes Ziel

Seit fünf Jahren ist Klaus-Dieter Theur Vorsitzender des Bad-Fördervereins Rettungsring. Der heute 71-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern. "Meine Kinder haben hier Schwimmen gelernt", sagt er, "auch meine Enkelkinder." Und er sagt noch etwas zu seiner Motivation: Es seien in den letzten Jahren in Deutschland etwa 350 öffentliche Bäder geschlossen worden. Im Jahr 2015 seien in Deutschland 488 Menschen ertrunken, darunter viele Kinder. Es sei gut, dass in Pattensen wohl kaum ein Kind die vierte Klasse verlässt, das nicht schwimmen kann, bekräftigt er.

Theur wollte sich von Anfang an aktiv an der Badrettung beteiligen. Als Maschinenbauer im Ruhestand meldete er sich bei der Arbeitsgruppe Energie, Wasser, Technik, wo unermüdlich nach Energiesparmöglichkeiten gesucht wird. Als vor einigen Jahren nach einem neuen Vorsitzenden für den Rettungsring gesucht wurde, wurde Theur angesprochen. "Du brauchst auch gar nichts machen", habe man ihm gesagt, berichtet er lächelnd. Er sei "kein Alleinunterhalter", sagt er, er könne sich auf die anderen Vorstandsmitglieder verlassen. Aber es sei schon ein aufwändiges Ehrenamt.

"Es sind immer wieder neue Aufgaben." Derzeit sucht er nach tragfähigen Konzepten für die Nutzung des schönen Außengeländes. Der sehr erfolgreiche Mittelaltermarkt sei ein zu großes Risiko geworden, weil der Rettungsring gegenüber den Schaustellern in Vorleistung treten müsse. "Und wenn das Wetter schlecht ist, bleiben wir auf dem Verlust sitzen." Immer wieder sucht er auch unter Pattensens Handel- und Gewerbetreibenden nach Förderern und Sponsoren. "Aber es ist gar nicht so leicht, an anderer Leute Geld zu kommen."

Froh ist Theur, dass zu allen Parteien gute Kontakte besehen. "Die Politiker werden von uns unterrichtet, und sie haben ihre Unterstützung zugesagt." Auch Bürgermeisterin Ramona Schumann sei Rettungsringmitglied. Sie habe bei der jüngsten Mitgliederversammlung ein Grußwort gesprochen und die Unterstützung der Stadt zugesagt.

Theur beobachtet mit Sorge, dass die Euphorie der Gründerjahre verflogen ist. Viele Pattenser würden das Bad inzwischen wieder als selbstverständlich ansehen. "Ich erwarte von Eltern und Großeltern zumindest ein bisschen Dankbarkeit in Form einer Mitgliedschaft." 30 Euro im Jahr für eine Einzelperson und 50 Euro für eine Familie seien doch nicht zuviel.

Derzeit sind 1013 Menschen Mitglied im Rettungsring. Wann er den Vorsitz aufgeben werde, wisse er nicht, sagt Theur. Aber bis dahin hat er ein Ziel klar vor Augen: "Wenn ich aufhöre, möchte ich 1500 Mitglieder im Verein haben."

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