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Anwohner beklagen doppelte Papierabfuhr

Pattensen Anwohner beklagen doppelte Papierabfuhr

In den engen Straßen des Neubauviertels Am Archiv holen gleich zwei Firmen regelmäßig Altpapier ab, was Anwohnern kritisieren. Die Pattenser CDU-Fraktion hat sich nun der laut dem stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Jonas Soluk "sehr kuriose Konstellation" angenommen und bemüht sich um Änderungen.

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Anwohner Peter Hawel (Zweiter von rechts) und seine Nachbarn treffen sich mit den Ratsherren Georg Thomas (rechts) und Jonas Soluk (Dritter von rechts) an der Altpapiertonne.

Quelle: privat

Pattensen. Anwohner Peter Hawel aus der Straße Am Büchenfeld hatte sein Anliegen schon im Februar im Rat vorgetragen, dort jedoch nur zu hören bekommen, dass die Stadt nicht zuständig sei. Aber Jonas Sokuk und sein Fraktionskollege Georg Thomas verabredeten sich mit Hawel und weiteren Anwohnern und nahmen die Situation in Augenschein.

Dabei machten ihnen Hawel und seine Mitstreiter deutlich, dass es aus ihrer Sicht ökologisch wie ökonomisch unsinnig sei, dass ständig zwei große Lastwagen – aha verwendet einen 26-Tonner – durch ihre als Spielstraße ausgewiesene Straße führen, um nur wenige Altpapiertonnen zu leeren. Der öffentlich-rechtliche Entsorger aha hat in dem 76 Häuser zählenden Gebiet nach eigenen Angaben 24 Tonnen aufgestellt. 

Remondis macht zu der Anzahl der Tonnen keine Angaben, doch nach der Rechtslage können es nicht viele sein: Laut Regionssprecherin Frauke Bittner dürfen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz Firmen im Prinzip überall Altpapier einsammeln, "wenn dadurch das System des öffentlich-rechtlichen Entsorgers nicht gefährdet wird". Das sei hier nicht der Fall, denn seit 2008 habe Remondis im Gebiet der Region "zwischen drei und 5,7 Prozent des Altpapiers als Sammlung angezeigt". Remondis habe selbst eingeräumt, dass seine Sammlung "keinen großen Umfang" habe, bestätigt auch aha-Pressesprecherin Helene Herich. Deshalb könne das Aufstellen der Tonnen nicht untersagt werden.

"Das Umland Hannover ist eine sehr große und für uns bedeutende Region", erklärt dagegen Remondis-Sprecherin Anna Ephan. Dort herrsche "ein ganz normaler Wettbewerb", bei dem das im westfälischen Lünen ansässige Unternehmen alle zwei Wochen die Papiertonnen seiner Kunden leere.

Die CDU will nun "unsere Abfallexperten in der Regionsfraktion ansprechen, ob es nicht Handlungsbedarf gibt", kündigt Soluk an. Es bestehe allerdings auch die Möglichkeit, dass eine andere Lösung aus rechtlichen Gründen nicht durchsetzbar sei.

"Verbraucher müssen es richten"

Dass regelmäßig zwei schwere Lastwagen in ein kleines Wohngebiet fahren, um dort Altpapier abzuholen, ist völlig unsinnig. Die Doppel-Fuhren verursachen zusätzlichen Lärm und Gestank und ramponieren die Fahrbahn unnötig. Wettbewerb kann eben auch in einer Marktwirtschaft durchaus mal fehl am Platze sein. Aber unsere Gesetze scheinen das zuzulassen und der Verwaltung die Hände zu binden.

Wenn die Politik – hier der Bund – derartig unvernünftige Entscheidungen trifft, muss der Verbraucher es eben selbst richten. Und in diesem Fall scheint das sogar möglich zu sein: Wenn die Anwohner nicht wollen, dass zwei Lastwagen mit Altpapier durch ihre Straßen rattern, müssen sie sich zusammenschließen und alle für dieselbe Firma als Entsorger entscheiden.

In einem Wohngebiet mit nur 76 Häusern, wo sich die meisten untereinander kennen, müsste das eigentlich hinzukriegen sein. Es braucht nur ein bisschen Engagement und Organisationstalent. Der Ruf nach Vater Staat wäre dann überflüssig.

von Thomas Böger

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