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Ex-Pastor "entrümpelt" christlichen Glauben

Jeinsen Ex-Pastor "entrümpelt" christlichen Glauben

Wie ist es, wenn man morgens aufwacht und feststellt, dass man tot ist? Diese Frage beantwortet Harry Flatt-Heckert aus Jeinsen in seinem neuen Roman "Türen". In einem weiteren Buch, an dem er gerade arbeitet, will der ehemalige Pastor außerdem mit Ungereimtheiten des christlichen Glaubens aufräumen.

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Harry Flatt-Heckert schreibt "Theologie für Schwergläubige"

Quelle: Stephanie Zerm

Jeinsen. Wie kann eine Jungfrau ein Kind gebären? Wieso lässt Gott all das Elend in der Welt zu, wenn er allmächtig ist und es ändern könnte? Ist er dann überhaupt noch ein "lieber" Gott?

Mit diesen existentiellen Glaubensfragen setzt sich Harry Flatt-Heckert zur Zeit auseinander. Und da er nicht gerade leichtgläubig ist, nennt er sein neues Buch "Theologie für Schwergläubige". Untertitel: "Ein Sach- und Lachbuch". Denn auch wenn es dabei um grundlegende Dinge geht, beschreibt der ehemalige Pastor seine Gedanken mit viel Humor. Selbst da, wo es für einige Leser unangenehm werden könnte. Etwa, wenn er seinen früheren Kollegen vorwirft, dass sie "oftmals einen so unreflektierten Blödsinn von den Kanzeln predigten, dass ich Kopfschmerzen und Ohrensausen davon bekam".

"Die Leute sollten ihren Kinderglauben erwachsen werden lassen und dabei nicht ihren Verstand ausschalten", findet Flatt-Heckert. Vieles, was in der Kirche gepredigt werde, sei wissenschaftlich längst überholt und würde so auch im Thelogiestudium nicht gelehrt.

Etwa der Glaube an die Jungfrauengeburt. Laut Flatt-Heckert stand der Evangelist Lukas damals unter dem Zugzwang, seine Geschichte von der Lehre Jesu im hellenistischen Raum gut verkaufen zu müssen. "Er musste mit der gesamten griechischen Götterwelt konkurrieren", erklärt er. Von daher sei die Jungfrauengeburt "eine geile Einstiegsgeschichte, besser noch als die griechischen Mythen". Dies sei seit mindestens 100 Jahren in der Bibelforschung bekannt.

Die ersten 100 Seiten seines "Versuchs einer Entrümpelung der christlichen Glaubenskultur" sind bereits geschrieben. Doch fertig ist das Buch noch längst nicht. Denn Flatt-Heckert will das gesamte christliche Glaubensbekenntnis auseinander nehmen, mit den größten Missverständnissen, Ungereimtheiten und falsch verstandenen Glaubensweisheiten aufräumen.

"Ganz ehrlich, ich kam mit dem, was Kirche mir da verkaufen wollte, nie wirklich klar", gesteht der Ex-Pastor, der nach 14 Jahren frustriert kündigte, aus der Kirche austrat und heute als freier Theologe arbeitet.

Die "Theologie für Schwergläubige" erscheint voraussichtlich im nächsten Jahr.

Bereits im Druck ist Flatt-Heckerts Buch "Türen". Darin beschäftigt er sich auf humorvolle Weise mit den Themen Tod und Jenseits. In dem Roman wacht der Finanzbeamte Herr Hackroth eines Morgens auf und stellt fest, dass er gestorben ist. Das Skurile daran: Weder er selbst noch seine Frau bemerken zunächst etwas davon. Er unternimmt eine abstruse Reise durch seinen toten Körper und muss feststellen, dass er das Opfer seiner durchtriebenen Ehefrau Gisela geworden ist.

Den knapp 300 Seiten dicken Roman hat Flatt-Heckert innerhalb von sechs Monaten geschrieben. Er ist bereits als E-Book erhältlich und soll noch im Juli als Paperback erscheinen. "Das Buch soll zum Nachdenken anregen und sich auf humorvolle Weise mit existentiellen Fragen auseinander setzen", erklärt der Jeinser, dessen Bücher, trotz aller Bezüge zum Sterben, eine Liebeserklärung an das Leben sind.

"Das Leben nach dem Tod beginnt für mich bereits im Diesseits", sagt der Theologe. "Es gibt so viele Umbrüche und Verluste von geliebten Menschen, nach denen wir jedes Mal wieder neu anfangen müssen zu leben." Und was nach dem Tod kommt? "Da lass ich mich überraschen."

Die erste öffentliche Lesung von "Türen - die seltsamen Erlebnisse des toten Herrn Hackroth" ist am Sonnabend,  27.  August,  18 Uhr,  im Biergarten des Landgasthauses Jeinsen, Calenberger Straße 7. Der Eintritt ist frei, Platzreservierung unter www.harry-flatt-heckert.de

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Von Stephanie Zerm

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