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Flüchtling läuft für TSV im Halbmarathon

Pattensen-Mitte Flüchtling läuft für TSV im Halbmarathon

Mit Laufen auf dem Weg zur Integration vorankommen - dieses Ziel verfolgt aktuell Haftom Weldaj. Er ist aus Eritrea geflohen und lebt in Schulenburg. Am Sonntag startet er für den TSV Pattensen beim HAJ Marathon in Hannover.

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In der Pattenser Handelsagentur von Friedrich Weber (rechts) absolviert Haftom Weldaj ein Praktikum.

Quelle: Torsten Lippelt

Pattensen-Mitte. Der 26-Jährige ist in Massaoua (Eritrea), am so genannten „Horn von Afrika“, geboren und aufgewachsen. Als er nach dem Schulbesuch zum möglicherweise zeitlich unbegrenzten Militärdienst eingezogen werden sollte, floh er jedoch 2008 mit familiärer Unterstützung aus dem armen Land. „Mein Vater war als Soldat gefallen, ich wollte keine Waffe in die Hand nehmen“, begründet Weldaj seine dann begonnene Irrfahrt, die ihn über den Sudan und Libyen, Italien und die Schweiz schließlich im Januar 2015 nach Schulenburg führte. Hier wohnt er noch heute als Flüchtling zusammen mit zwei Landsleuten in der Alten Schule.

Eine bei der Pattenser Flüchtlingshilfe aktive Hüpederin motivierte Haftom dann, sich im Juni letzten Jahres um das Sportabzeichen zu bemühen. Und unter den überraschten Augen von TSV Pattensen-Urgestein Friedrich Weber, Leiter des Sportabzeichentreffs, präsentierte sich der 1,76 Meter kleine und nur 58 Kilogramm leichte Neu-Pattenser als talentierter Langstreckler.

Weber, der selbst 59-mal das Sportabzeichen in Gold abgelegt hat, nahm ihn unter seine sporterfahrenen Fittiche. Mit dem Resultat, dass Haftom Weldaj Mitte März nun in 1:13:42 Stunden den 40. Springe-Deister-Marathon auf der Halbmarathon-Distanz (21,1 km) gewonnen hat – drei Minuten und mehr schneller als jeder Sieger hier seit 2009.

Mit der Startnummer 5078 geht Haftom Weldaj nun für den TSV Pattensen am Sonntagmorgen (10.30 Uhr) beim HAJ Hannover Marathon auf der gleichen Distanz wieder an den Start. „Ich gehe davon aus, dass Haftom um 11:43 Uhr im Ziel ankommt“, zeigt sich Weber optimistisch, dass die gleiche Zeit noch mal erreicht wird. Und Haftom damit bei den über 8000 Startern zu diesem Lauf eventuell sogar unter den ersten Zehn ins Ziel kommt.

Auch abseits der Rennstrecken ist Weber hilfreich für den Flüchtling aktiv, vom Rennschuhe kaufen über Behördengänge bis hin zur beruflichen Zukunft. So absolviert Weldaj aktuell ein mehrwöchiges Praktikum in Webers Pattenser Großhandel für Sonderposten. „Ich möchte gern eine kaufmännische Lehre machen“, äußert sich der Flüchtling leise zu seinen Zukunftswünschen. Vielleicht lenkt der begabte Läufer ja über seinen Sport für ein derartiges Angebot interessierte Blicke auf sich. „Wir schaffen das!“, ist sein Mentor Friedrich Weber auch diesbezüglich optimistisch.

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Beim 40. Springe-Deister-Marathon Mitte März siegte Haftom Weldaj (weißes Trikot) bei den Männern im Halbmarathon in 1:13:42 Stunden.

Quelle: Wiebke Schernich

Von Torsten Lippelt

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