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Fluchtgeschichte von Syrien nach Jeinsen

Jeinsen Fluchtgeschichte von Syrien nach Jeinsen

Die syrischen Geschwister Mohammed und Layla Alaswad haben in der St. Georg Kirche in Jeinsen die Geschichte der Flucht ihrer gesamten Familie aus Syrien erzählt. Sie berichteten von Folter, Bomben und dem "Sehnen nach Freiheit und Gerechtigkeit."

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Die Geschwister Lalyla (Zweite von links) und Mohammed (Sechster von links) Alaswad aus Syrien leben seit Juni mit ihrer Familie in Jeinsen.

Quelle: Tobias Lehmann

Jeinsen. Es sind Bilder wie aus einem Urlaubskatalog. Sie erzählen von einem geregelten Leben in einer Stadt, in der am Ende des Tages die Sonne im Meer versinkt. Dann fielen die Bomben. Die syrischen Geschwister Mohammed und Layla Alaswad, 17 und 16 Jahre alt, beginnen ihren Vortrag in der St. Georg Kirche mit der Vorführung von zwei Filmen. Der erste zeigt Bilder ihres Heimatlands wie es früher einmal ausgesehen hat. Im zweiten sind aktuelle Bilder zu sehen, die ganze Städte voller Bombenkrater zeigen, in denen nicht ein Haus heil geblieben ist. Am Ende des Films stehen die Worte: "Danke, dass wir hier sein dürfen. Wir haben sonst keinen Platz."

Im Anschluss berichten die Geschwister von ihrem Leben der vergangenen Jahren. Sie wohnten in einer kleinen Provinz in Syrien. Der Vater war Anwalt in einer eigenen Kanzlei, die Mutter Apothekerin. 2011 setzte sich die Familie wie viele andere Syrer im Zuge des arabischen Frühlings für mehr Demokratie ein. "Es gibt in Syrien nur eine Partei, die Baath-Partei", sagt Layla Alaswad. Ihr Bruder ergänzt: "Wir sehnten uns nach Freiheit und Gerechtigkeit." Ihr Vater wurde von Soldaten abgeholt und gefoltert. Nach Protesten in der Bevölkerung wurde er wieder frei gelassen – und bereits in der gleichen Woche wieder abgeholt. In diesem Rhythmus ging es Monate weiter, bis der Vater nach Ägypten floh, um seine Familie zu schützen. 2012 fielen dann Bomben auf die Provinz. "Es handelte sich um Splitterbomben, die aus Sprengstoff und Nägeln bestehen", sagt Mohammed Alaswad. Die Familie folgte dem Vater nach Ägypten, und gemeinsam flohen sie in die Türkei.

Doch auch dort wartete keine Zukunft auf sie. "Wir konnten weder eine Ausbildung machen, noch arbeiten", sagt Layla Alaswad. Da der Vater in einer Menschenrechtsorganisation tätig ist, hatte er bereits Kontakte nach Deutschland, wohin die Familie dieses Jahr zog. Seit Juni leben sie in Jeinsen. Die beiden Geschwister besuchen die KGS Pattensen. Mohammed will dort nächstes Jahr sein Abitur machen.

Der Vater der beiden Geschwister bedankt sich schließlich bei Pastor Christian Hüttmann für die Möglichkeit, die Geschichte seiner Familie zu erzählen. "Integration in diese Gesellschaft ist im Moment das wichtigste für uns", sagt er. Am Ende des Vortrags in der Veranstaltungsreihe Offene Kirche im Advent ist es sehr still unter den rund 80 Besuchern in der Kirche.

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